320 neue VIP-Plätze und fünf Logen in der Benteler-Arena des SC Paderborn 07
Ein Schmuckstück

Paderborn (WB). Wenn der SC Paderborn 07 zum Heimspiel gegen Hannover 96 am Sonntag, 18. Oktober (Anstoß: 13.30 Uhr), erstmals wieder bis zu 3000 Zuschauer in der Benteler-Arena begrüßen darf, werden die Anhänger auch zum ersten Mal die baulichen Veränderungen in Stadion des Erstligaabsteigers sehen.

Freitag, 25.09.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 18:54 Uhr
Die neuen ViP-Plätze in der Benteler-Arena. Insgesamt sind es 320. Das Gesamtpaket des Umbaus mit den zusätzlichen fünf Logen hat 2,8 Millionen Euro gekostet. Eine teilweise Nutzung gibt es zum ersten Mal wohl beim Heimspiel gegen Hannover 96.Foto: Jörn Hannemann
Die neuen ViP-Plätze in der Benteler-Arena. Insgesamt sind es 320. Das Gesamtpaket des Umbaus mit den zusätzlichen fünf Logen hat 2,8 Millionen Euro gekostet. Eine teilweise Nutzung gibt es zum ersten Mal wohl beim Heimspiel gegen Hannover 96.

In einem ersten Abschnitt, der am 17. Februar begann, wurde das Hauptgebäude der Arena um ein drittes Obergeschoss aufgestockt, und auf der West-Tribüne parallel ein Oberrang eingebaut. Dadurch entstanden 320 neue VIP-Plätze, erstmals wurden auch fünf exklusive Logen für 56 Besucher eingerichtet. Die Gesamtkosten liegen bei etwa 2,8 Millionen Euro. Damit hat die Paderborner Stadiongesellschaft (PSG) als Bauherr und Eigentümerin der Arena tief in die Tasche gegriffen. Das Projekt wurde durch Eigenmittel (500.000 Euro) und ein Gesellschafterdarlehn (2,3 Millionen Euro) finanziert. „Wir brauchen keine Bank, wir machen das selbst“, hatte PSG-Geschäftsführer Josef Ellebracht bei Baubeginn im Februar betont.

Nullsieben-Lounge im Industrie-Look

Fast fertig: So sieht der neue VIP-Bereich in der Benteler Arena aus

1/14
  • Foto: Jörn Hannemann
  • Foto: Jörn Hannemann
  • Foto: Jörn Hannemann
  • Foto: Jörn Hannemann
  • Foto: Jörn Hannemann
  • Foto: Jörn Hannemann
  • Foto: Jörn Hannemann
  • Foto: Jörn Hannemann
  • Foto: Jörn Hannemann
  • Foto: Jörn Hannemann
  • Foto: Jörn Hannemann
  • Foto: Jörn Hannemann
  • Foto: Jörn Hannemann
  • Foto: Jörn Hannemann

Die Kosten behielt der PSG trotz der Corona-Krise immer im Blick. Am Ende wurde die „Nullsieben-Lounge“ zwar 300.000 Euro teurer, aber die im Industrie-Look gestaltete neue Stockwerk ist auch ein Schmuckstück geworden. „Man hat außerdem einen herrlichen Blick auf den Rasen“, schwärmt PSG-Geschäftsführer Josef Ellebracht. Eine Bar und Front-Cooking mit attraktiven Buffets vervollständigen die schmucke Etage. Verantwortlich dafür ist Innenarchitekt Christian Schuster aus Geseke, der seit Jahren die Räume beim SCP gestaltet. Als Generalunternehmer fungierte die Paderborner Bremer AG.

Die erstklassige Sicht auf das Feld und das herausragende Ambiente haben aber auch ihren Preis. Wer künftig von dort Zweitligafußball sehen will, muss für seinen Logenplatz 4000 Euro (1. Liga: 5000 Euro) zahlen, die VIP-Karte für die Lounge soll 3500 Euro kosten. Für 2900 Euro sind die Tickets für die bisherigen VIP-Räume, die künftig „Libori-Club“ und „Drei-Hasen-Club“ heißen werden, zu haben. Dass das Geschäftsmodell auch in Zeiten der Corona-Pandemie funktioniert, belegen die Verkaufszahlen: Sämtliche Logen hat der SCP bereits für die nächsten drei bis sogar fünf Jahre vermietet. Von den gut 1000 VIP-Plätzen sind auch nur noch 180 verfügbar. Wobei SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger betont: „Kein Kunde geht ins Risiko. Bezahlt wird nur und erst dann, wenn auch wieder Spiele besucht werden dürfen.“

Corona-Krise erleichtert Bauarbeiten

Etwa 20 Firmen, koordiniert von SCP-Mitarbeiter Dirk Floer, waren am Umbau beteiligt, fast alle kommen aus der heimischen Region. Das war Ellebracht besonders wichtig: „Wir saßen während der gesamten Bauphase an einem Tisch und konnten Anregungen der Unternehmen aufnehmen und umsetzen.“

Auch ohne Zuschauer: Am Montag sind die Bauarbeiten komplett abgeschlossen. Das ist eine Punktlandung, auch wenn Hans-Willi Neesen, beim Generalunternehmer Bremer AG Leiter Bauen und Bestand, zugibt: „Ohne die Corona-Krise hätten wir den Zeitplan nicht eingehalten.“ Die sorgte zwar im März auch für einen kurzen Baustopp, doch Neesen macht den Aufwand der Baumaßnahme deutlich: „Wir haben 250 Tonnen Stahl eingebaut, alle Versorgungsleitungen mussten nach oben gelegt werden und das alles bei laufendem Betrieb. Das war eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.“

Das 2,8 Millionen Euro-Invest ist auf eine Zukunft ohne Corona-Virus ausgerichtet, keine Frage. Wie lange Covid-19 das gesellschaftliche Leben noch massiv einschränkt, weiß niemand. Dass die Paderborner Stadiongesellschaft in schwierigen Zeiten einen langen Atem hat, bewies sie seit ihrer Gründung im Februar 2002 allerdings auch schon einige Male. Dennoch wurde der eigentlich für Mai geplante zweite Bauabschnitt zunächst verschoben. Hier sollte ligaunabhängig auf der Ost-Tribüne ein weiterer Oberrang eingebaut werden. Gleichzeitig war geplant, im Norden (direkt hinter dem Tor) die Stehplatzblöcke D1 und D2 sowie ein Teil von Block C in Sitzplätze umzuwandeln. „Damit tragen wir der deutlich gestiegenen Nachfrage nach Sitzplätzen Rechnung, gleichzeitig erfüllen wir die zukünftigen Anforderungen der Deutschen Fußball Liga“, begründete SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger noch im Februar.

Sitzplatz-Nachfrage enorm

Zur besseren Einordnung: Die DFL fordert für die 1. Liga mindestens 8000 Sitzplätze. Da spielt der SCP in der laufenden Saison zwar nicht mehr mit, dass sich das neue und damit erweiterte Sitzplatzangebot auch in Liga zwei rechnet, davon ist Hornberger auch noch heute überzeugt: „Gerade bei Familien und älteren Besuchern ist die Nachfrage enorm. Diesen Trend beobachten wir bereits seit zwei Jahren und wenn wieder Zuschauer ins Stadion kommen dürfen, wird sich diese Entwicklung auch fortsetzen.“ Für den 58-Jährigen ist der wirtschaftliche Erfolg deshalb nur aufgeschoben: „Wir wollen die Qualität in der Arena verbessern und damit unseren Verein für das nächste Fußballjahrzehnt zukunftssicher machen. Daran halten wir fest.“ Mit dem Umbau sollten übrigens auch die beiden Anzeigetafeln aus den Ecken verschwinden und mit modernen Werbemöglichkeiten auf der Mitte der Süd- und Nordtribüne installiert werden. Aber auch hier bleibt zunächst alles, wie es ist.

Stadionmiete steigt

Die Fertigstellung des kompletten Umbaus hätte nicht nur für noch mehr Komfort gesorgt, die Modernisierung hätte im Umkehrschluss natürlich auch für eine höhere Stadionmiete gesorgt. Zahlte der Verein bislang eine jährliche Grundmiete in Höhe von 450.000 Euro, die sich ab Platz drei der 2. Liga noch einmal um weitere 300.000 Euro erhöht, wären noch acht Prozent der Baukosten (etwa 350.000 Euro) hinzugekommen. Sollte der Verein also in der neuen Saison einen der ersten drei Plätze in Liga zwei belegen, wäre etwa eine Million Euro pro Jahr fällig gewesen. Im Gegenzug hätten sich allerdings auch die Einnahmen durch 2000 zusätzliche Sitzplätze nicht unerheblich erhöht: Allein pro VIP-Gast wollten die Paderborner in der 1. Liga 3500 Euro (Basis) kassieren, richtig interessant wäre es bei den fünf Logen mit jeweils zehn oder zwölf Plätzen geworden. Hier wollte der Verein Verträge über fünf Jahre abschließen und ligaabhängig zwischen 48.000 und 60.000 Euro pro Serie einnehmen. Wenn wieder alle Fans ins Stadion dürfen, kann es aber mal ganz schnell gehen: Die Baugenehmigung liegt längst vor. Wobei Ellebracht eine Einschränkung macht: „Zuvor muss die Stadiongesellschaft auch hier die Mittel freigeben.“ Die Kosten wurden bislang auf etwa 1,5 Millionen Euro geschätzt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7602451?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F
41 Bewohner positiv getestet
41 Bewohner und 15 Mitarbeiter des Alten- und Pflegeheimes Jordanquelle in Bad Lippspringe sind bis Montag positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Heimleitung steht nach eigenen Angaben in ständigem Austausch mit dem Gesundheitsamt. Foto: Oliver Schwabe
Nachrichten-Ticker