Paderborn verbucht mit dem 0:0 in Heidenheim den ersten Punkt in dieser Saison
„Ein kleiner Schritt“

Heidenheim/Paderborn (WB). Es war wie ein Schockmoment für alle Anhänger des SC Paderborn, die den Zweitliga-Auftritt ihrer Mannschaft beim 1. FC Heidenheim vor dem Fernseher verfolgten. Als Sebastian Vasiliadis in der 79. Minute vom Platz humpelte, werden sich viele gedacht haben: „Nicht auch das noch.“ Kurz zuvor hatte bereits Kapitän Sebastian Schonlau ausgewechselt werden müssen und die ohnehin schon lange Ausfallliste weiter verlängert. Doch der SCP hielt durch und rettete das 0:0 über die Zeit. Die Serie der sieglosen Spiele erhöhte sich auf 18, doch immerhin war es der erste Punkt der Saison.

Montag, 05.10.2020, 02:00 Uhr
Zweikämpfe waren Trumpf beim Paderborner 0:0 in Heidenheim: Hier behauptet sich Uwe Hünemeier (links) gegen Patrick Schmidt. Foto: dpa
Zweikämpfe waren Trumpf beim Paderborner 0:0 in Heidenheim: Hier behauptet sich Uwe Hünemeier (links) gegen Patrick Schmidt. Foto: dpa

Die Erleichterung war spürbar. „Wir sollten uns darüber freuen, bei einer sehr starken Mannschaft einen Punkt geholt zu haben. Wir müssen und können damit leben. Das war ein kleiner Schritt, so fängt man“, sagte Trainer Steffen Baumgart, der zugleich keinen Hehl daraus machte, dass in den nächsten Partien noch mehr kommen muss. Das betrifft die Leistung und das Ergebnis. „Wir werden in Ruhe weiterarbeiten und uns verbessern“, sagte er.

Ich wünsche mir weniger Schluckauf und mehr Stabilität

Fabian Wohlgemuth

Aber erst mal nahmen die Paderborner das mit, was sie bekamen. „Das Trainerteam hat sich aufgrund der Verletztensituation sehr viele Gedanken gemacht und die Mannschaft mit einer neuen taktischen Ausrichtung sehr gut eingestellt. Der Punkt war aufgrund einer sehr starken kämpferischen Leistung hochverdient“, bilanzierte Geschäftsführer Sport Fabian Wohlgemuth. Nach den langfristigen Ausfällen von Streli Mamba, Sven Michel, Maxi Thalhammer und Chima Okoroji hatte sich auch noch Jamilu Collins mit einer Erkältung abgemeldet. Ohne gelernten Linksverteidiger stellte Baumgart auf eine Dreierkette um. Uwe Hünemeier und Ron Schallenberg (erstes Zweitligaspiel von Beginn an) rückten neu in die Startelf. Der Trainer selbst ging – wie immer – voran und handelte sich wegen Reklamierens seine erste Gelbe Karte in dieser Saison ein, in der Bundesliga waren es drei. Timo Gerach hatte ein Foul an Svante Ingelsson nicht geahndet, Baumgart zeigte dem Unparteiischen daraufhin den aufgerissenen Schuh des Schweden, bevor er ihn wegschmiss.

„Bascho“ mit letzter Kraft

Derweil ist Wohlgemuth in diesen Tagen sichtlich bemüht, das Positive herauszustellen und nach siebenjähriger Achterbahnfahrt mit Auf- und Abstiegen Souveränität auszustrahlen. „Der SC Paderborn ist in dieser Zeit entweder 18. oder Zweiter geworden. Ich wünsche mir ein bisschen weniger Schluckauf und mehr Stabilität.“

Auf dem Platz sind dafür auch Schonlau und Vasiliadis verantwortlich. Bei beiden gab es am Samstag schnell Entwarnung. „Bascho fühlte sich nicht wohl, wollte aber unbedingt spielen. Irgendwann kam das Zeichen, dass es nicht mehr geht. Vasi hat schon länger Probleme mit dem Sprunggelenk. Wenn er sich vertritt, umknickt oder falsch aufkommt, kann es sein, dass es nicht mehr geht. Aber er erholt sich wieder.“

Allein die Belohnung hat gefehlt.

Frank Schmidt

Ohne Kapitän und Taktgeber im Mittelfeld ging es nur noch darum, das Resultat zu halten. Heidenheim hatte zwar mehr Torchancen, der sichere SCP-Keeper Leopold Zingerle hielt seinen Kasten aber sauber. Die 100-prozentige und beste Gelegenheit in 94 Minuten auf der Ostalb hatten die Gäste. In der 37. Minute tauchte Ingelsson nach einem wunderschönen Doppelpass mit Dennis Srbeny frei vor Heidenheims Schlussmann Kevin Müller auf, traf aber nur das Außennetz und nicht ins Tor (37.). Ansonsten vermisste Baumgart „die Leichtigkeit, Ruhe und Klarheit nach Ballgewinnen“, während sein Gegenüber Frank Schmidt urteilte: „In der zweiten Hälfte hat nur noch eine Mannschaft gespielt. Wir haben alles dafür getan, die drei Punkte zu holen, allein die Belohnung hat gefehlt.“ Dem SCP war es recht.

Kommentare

Klaus Müller  schrieb: 05.10.2020 09:56
Totale Verunsicherung
Ein so zerfahrenes Spiel wie gegen Heidenheim habe ich selten vom SCP gesehen. Sich über einen Punkt zu freuen, den man nur bekommen hat, weil Heidenheim seine vielen Chancen nicht nutzte und Zingerle einen sehr guten Tag hatte, ist fehl am Platz.
Woran es liegt, dass die Mannschaft so ideenlos und nervös spielt, mag man als Außenstehender nicht erkennen. Vielleicht lag es am neuen System im 3-5-2, vielleicht auch an der aggressiven Anfangsphase der Heidenheimer, vielleicht auch einfach an der Tatsache, dass der Mannschaft die Motivation fehlt.
Fakt ist, es ist kaum Bewegung der einzelnen Spieler zu erkennen, man hat das Gefühl, sie verstecken sich und wollen den Ball gar nicht zugespielt bekommen. Da wird erst hinten rumgespielt, um Räume zu öffnen und dann läuft aber niemand in die Räume rein und der Ball wird einfach nach vorne geschlagen und landet meistens beim Gegner. Das ganze Spiel wirkt extrem statisch und durchschaubar, von Offensivfußball wofür das Team lange stand, sieht man leider nichts mehr. Man hat das Gefühl, es werden nur noch "no look Pässe" gespielt, ohne überhaupt eine Idee zu haben, wo der Mitspieler steht.
Sich für die 1. Liga zu profilieren hat von den Spielern bisher jedenfalls keiner geschafft. Sie sollten möglichst schnell akzeptieren, dass sie nun in Liga 2 spielen und den Kampf annehmen. Mich würde es daher stark wundern, wenn heute noch einer in Liga 1 wechselt.
Auf der anderen Seite ... sollte heute keine weitere Verstärkung für das offensive/defensive Mittelfeld kommen und kein weiterer neuer Stürmer. Müsste man nicht nur Herrn Wohlgemuth hinterfragen, sondern auch die Vereinsführung. So spart man sich in Liga 3.
Arminia lebenslang Fr.  schrieb: 05.10.2020 08:06
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen
Dieser Punkt zählt doppelt . Einmal für das Punktekonto und zweitens für das Selbstvertrauen .
Steffen Baumgart hat auf Stabilität gesetzt ,und schon kommen Punkte .
Wenn ich mir die lange Verletztenliste anschaue ,kommt man der Vermutung nahe ,
Es wird zu lang und zu hart trainiert . Der Körper braucht Regeneration um seine
volle Leistungsfähigkeit zu zeigen . Das gesunde Mittelmaß muss gefunden werden .
Sonst weiter stabil weiterspielen .
2 Kommentare
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7616394?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F
Arminia: Mittwoch erster Corona-Test seit dem Bayern-Spiel
Bayern-Profi Serge Gnabry beim Spiel am Samstag in Bielefeld Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker