Wie Bundesliga-Städte die Corona-Schutzverordnung auslegen
Macht jeder, was er will?

Bielefeld (WB/dpa). In der Fußball-Bundesliga könnten am Wochenende alle Spiele ohne Zuschauer stattfinden. An einigen Standorten wie Bielefeld und Paderborn stehen die Geisterspiele schon fest, andernorts könnten wenige Hundert Besucher zugelassen werden. Zuletzt gab es Irritationen, besonders wegen unterschiedlicher Auslegungen der Corona-Schutzverordnung in NRW. Ein Überblick:

Dienstag, 27.10.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 06:44 Uhr
Arminia spielte gegen München vor null Zuschauern, auch die Partie am Samstag gegen Dortmund wird zum Geisterspiel. Foto: Thomas F. Starke
Arminia spielte gegen München vor null Zuschauern, auch die Partie am Samstag gegen Dortmund wird zum Geisterspiel. Foto: Thomas F. Starke

Bielefeld

Drittes Heimspiel, zweites Geisterspiel: Ende September wurde Aufsteiger Arminia von 5460 Fans zum 1:0-Sieg gegen den 1. FC Köln geschrien, doch nachdem am 17. Oktober schon gegen Bayern München (1:4) keine Zuschauer zugelassen waren, wird es am Samstag gegen Borussia Dortmund, wie berichtet, genauso sein. „Die Schutzverordnung ist eindeutig, bei einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von 35 und mehr sind keine Zuschauer zugelassen“, bestätigt Gisela Bockermann, Sprecherin der Stadt Bielefeld. Dass am vergangenen Samstag 300 Zuschauer beim Revierderby zwischen dem BVB und Schalke zugelassen waren, hat auch in Bielefeld für Verwunderung gesorgt.

Dortmund

Die Stadt Dortmund teilte auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage mit: „Der BVB verfügt für seinen Bundesliga-Betrieb über ein schlüssiges Hygiene- und Infektionsschutzkonzept, das sich vor der Partie am vergangenen Samstag bereits in zwei Bundesligaspielen mit mehreren tausend Zuschauer*innen bewährt hatte. Mit der Zusage, das Heimspiel gegen den 1. FC Schalke 04 mit 300 Zuschauer*innen in seinem Stadion mit mehr als 60.000 Sitzplätzen austragen zu dürfen, wurde diesen Fakten Rechnung getragen. Dieses Vorgehen ist nach Prüfung durch das Gesundheitsamt als infektionsschutzrechtlich unkritisch zu bewerten. Andere Stadien und Austragungsorte bieten wesentlich weniger Raum.“

Zudem hieß es von der Stadt im Ruhrgebiet (Inzidenzwert am Dienstag: 157,4), „auch andere Bundesliga-Vereine wie Köln, Gelsenkirchen und Bochum haben – trotz der Überschreitung des Inzidenzwertes von 35 – eine Zuschauerzahl von 300 akzeptiert, obgleich dies dem reinen Wortlaut der Anlage zur CoronaSchVO entgegenzustehen scheint. Eine Schlechterstellung des BVB im Vergleich zu anderen Bundesligisten in NRW durch die Stadt Dortmund hätte aller Voraussicht nach nicht Stand gehalten.“

Das Ministerium für Arbeit, Gesund und Soziales (MAGS) schien ebenfalls überrascht über die 300 Zuschauer im Stadion und teilte auf Anfrage mit: „Das MAGS hat einen Bericht bei der zuständigen Bezirksregierung angefordert, um die Gründe für die Entscheidung zu erfahren.“ Die Bezirksregierungen seien bereits aufgefordert, eine einheitliche Auslegung der Normen der Corona-Schutzverordnung zu unterstützen.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erklärte am Dienstagabend, dass angesichts des starken Infektionsgeschehens damit zu rechnen sei, dass in nächster Zeit Bundesligaspiele ganz ohne Zuschauer stattfinden müssen. Auf die unterschiedliche Auslegung in seinem Bundesland angesprochen, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), dass im Sinne eines fairen Wettbewerbs bundesweit einheitliche Regelung gelten sollten.

Köln und Schalke

Der 1. FC Köln muss am Samstag (15.30 Uhr) gegen Bayern München vor leeren Rängen spielen. Der Inzidenzwert ins Köln lag am Dienstagmittag bei 181,9. Auch Zweitligist Fortuna Düsseldorf von der anderen Rheinseite teilte am Dienstag mit, das Ligaspiel am Freitag gegen den 1. FC Heidenheim ohne Fans austragen zu müssen. Kurios: Stand Dienstag soll der FC Schalke 04 sein Heimspiel am Freitag (20.30) gegen den VfB Stuttgart vor 300 Zuschauern austragen dürfen. Der Inzidenzwert in Gelsenkirchen: 140,2.

Berlin

Die starke Reduzierung der Zuschauer-Anzahl bei den Heimspielen der Bundesligisten Hertha BSC und 1. FC Union Berlin ist beschlossen. Wie am Dienstag aus Kreisen des Berliner Senats zu erfahren war, soll die Personenobergrenze für Freiluftveranstaltungen von 5000 auf 500 Teilnehmer reduziert werden. Auch die Zahl der zugelassenen Personen bei Events in Hallen wird von 1000 auf nur noch 300 gesenkt. In Kraft tritt die neue Regelung voraussichtlich an diesem Samstag (31. Oktober).

Frankfurt

Eintracht Frankfurt wird das Bundesliga-Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Werder Bremen aller Voraussicht nach ohne Zuschauer austragen. Wie der Fußballklub mitteilte, liege – bis auf die Ankündigung der Stadtpolitik von Zuschauerausschlüssen im Profisport – keine formale Entscheidung zur Partie vor. Da die Allgemeinverfügung der Stadt Frankfurt ausdrücklich Ausnahmen von der Teilnehmerbeschränkung auf 100 Personen vorsehe, habe die Eintracht einen solchen Ausnahmeantrag für bis zu 8000 Zuschauer gestellt.

„Nach allen Signalen, die wir von der Politik empfangen, müssen wir aber damit rechnen, dass das Spiel vor leeren Rängen stattfinden muss“, sagte Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann. „Wir sind uns alle darin einig, dass der Kampf gegen die Pandemie entschlossen und konsequent geführt werden muss, aber auch zielgerichtet und sachgerecht. Deswegen halten wir die Praxis des Zuschauerausschlusses, nicht nur im Profifußball, dauerhaft für den falschen und nicht mehr verhältnismäßigen Weg.“

Paderborn

Beim SC Paderborn werden im Heimspiel am Samstag (13 Uhr) gegen den SSV Jahn Regensburg wie erwartet zum ersten Mal in dieser Saison alle Stadiontore geschlossen bleiben. „Diese Entscheidung haben wir in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Kreises und dem Ordnungsamt der Stadt getroffen“, sagte Geschäftsführer Martin Hornberger. Logen, Hospitality-Bereiche und alle Sitzplätze im Public-Bereich bleiben damit komplett leer.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7651219?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F
„Das ist Abstiegskampf“
Jan-Moritz Lichte
Nachrichten-Ticker