Paderborns Trainer Baumgart reagiert auf Sabiri-Kritik
„Klappe halten“

Paderborn (WB). Die Erwartung war riesig. Als Abdelhamid Sabiri im August 2019 verpflichtet wurde, stattete ihn Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn 07 mit einem lukrativen Dreijahres-Vertrag aus. Anspruch und Wirklichkeit passten allerdings nie. Vor vier Wochen folgte die vorzeitige Trennung. In einem Interview trat Sabiri nun nach, Baumgarts Reaktion folgte prompt.

Donnerstag, 29.10.2020, 02:35 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 10:18 Uhr
Die Kritik von Abdelhamid Sabiri kann Steffen Baumgart nicht nachvollziehen. Foto: Oliver Schwabe
Die Kritik von Abdelhamid Sabiri kann Steffen Baumgart nicht nachvollziehen. Foto: Oliver Schwabe

„Ich denke, dass wir die Spieler hatten, um in der Liga zu bleiben. Wenn man zur Halbzeit 3:0 in Dortmund führt, kann einem keiner erzählen, dass man nicht bundesligatauglich ist“, sagte Sabiri dem italienischen Fußball-Podcast „Serieamore“. Dass sich der 23-Jährige, der aktuell in der Serie B für Ascoli Calcio kickt, ausgerechnet diese Partie als Beleg aussuchte, verwundert. Bei diesen denkwürdigen 90 Minuten am 22. November 2019 im Westfalenstadion kam Sabiri nach 40 Minuten für den verletzten Sebastian Vasiliadis. Zu diesem Zeitpunkt führte der SCP bereits 3:0. Baumgarts Konter ging in die gleiche Richtung: „Das ist ein gutes Beispiel für seine mangelhafte Selbstwahrnehmung. Gerade dieses 3:3 hat gezeigt, warum wir nicht die Qualität hatten und er auch nicht. Deshalb wäre es besser gewesen, er hätte die Klappe gehalten.“

Paderborns Trainer Steffen Baumgart.

Paderborns Trainer Steffen Baumgart. Foto: Jörn Hannemann

Das tat Sabiri in dem Gespräch mit „Serieamore“ nicht. Im Gegenteil. Auf die Frage, warum er vor seinem Wechsel bei Baumgart keine Rolle mehr gespielt hat, antwortete der frühere U21-Nationalspieler: „Ich denke, dass der Trainer eine andere Spielphilosophie umsetzen wollte, zu der ich nicht mehr gepasst habe. (...) Ich denke, dass ich dem Verein im letzten Jahr geholfen habe. Bei drei der vier Siege habe ich getroffen. Das ist doch keine so schlechte Statistik. Von daher habe ich es nicht wirklich verstanden (...).“

„... ein Fehler, dass wir ihn geholt haben“

Baumgart, der das Interview bereits am Dienstag gelesen hatte, reagierte gegenüber dem WESTFALEN-BLATT auch hier deutlich: „Wenn ein Spieler 24 Einsätze in einer Saison hat, ist es nicht so unwahrscheinlich, dass er auch mal bei Siegen auf dem Platz steht. Ich hatte dennoch nie das Gefühl, dass Hamid unserer Mannschaft in irgendeiner Form geholfen hat.“ In einem Nachsatz ging Baumgart noch einen Schritt weiter: „Im Nachhinein war es ein Fehler, dass wir ihn geholt haben.“

Wobei Sabiris Verpflichtung schon von Beginn an ein Wechsel mit vielen Fragezeichen war. Auch sportlich: Seiner überragenden Schusstechnik und dem sehr guten Kopfballspiel standen wenig Tempo und schlechte Zweikampfwerte gegenüber. Außerdem galt er als schwierig. Als Beispiel wurde immer gerne sein Abgang 2017 vom 1. FC Nürnberg für 1,5 Millionen Euro in Richtung Huddersfield Town genannt. Die Franken wollten ihr Nachwuchstalent damals nicht ziehen lassen, am Ende soll Sabiri mit Disziplinlosigkeiten und Arbeitsverweigerung den Transfer erzwungen haben. Auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage sagte Sabiri vor einem Jahr: „Viele Sachen stimmen so nicht. Wenn ich so ein Typ wäre, hätte mich der SCP nicht geholt. Denn gerade dieser Verein steht für das Gemeinsame.“

In diesem Punkt sind sich Baumgart und sein ehemaliger Schützling sogar einig. Auch für den Coach stehen Mannschaft und SCP über allem. Der 48-Jährige kommt wenig überraschend nur zu seinem anderen Ergebnis: „Hamid arbeitet für keine Mannschaft, er arbeitet nur für sich.“

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