Der Vertrag von Paderborns erfolgreichstem Trainer läuft in gut sieben Monaten aus
Baumgarts Zukunft ist ungewiss

Paderborn -

Keiner war in den vergangenen 20 Jahren länger im Amt, niemand feierte größere Erfolge: Steffen Baumgart ist seit mehr als 1300 Tagen Trainer des Fußball-Zweitligisten SC Paderborn 07, doch die Zukunft des 48-Jährigen ist offen.

Donnerstag, 12.11.2020, 03:00 Uhr
Seit Paderborns Zweitligaaufstieg 2005 war kein Trainer länger im Amt als Steffen Baumgart.
Seit Paderborns Zweitligaaufstieg 2005 war kein Trainer länger im Amt als Steffen Baumgart. Foto: Oliver Schwabe

Am 30. Juni 2021 läuft sein Vertrag aus. Bislang gibt es nur vage Anzeichen, dass die Zusammenarbeit fortgesetzt wird.

Das liegt auch daran, dass Manager Fabian Wohlgemuth die Schwerpunkte anders setzt: „Ein Erstliga-Abstieg ist für jeden Verein eine Feuertaufe und eine unglaubliche Herausforderung. Ich wollte die Mannschaft zunächst in der 2. Liga mit all ihren Besonderheiten ankommen lassen. In den kommenden Wochen werde ich mich mit dem Cheftrainer zusammensetzen und Zukunftsperspektiven besprechen.“

Wobei Baumgart selbst überhaupt keine Eile hat. Der 48-Jährige möchte zuerst sehen, wie sich der neuformierte Kader entwickelt. Der Verlauf sei im Moment zwar sehr positiv, aber nicht mehr: „Noch weiß niemand, in welche Richtung dieser Zug rollt. Deshalb sehe ich auf beiden Seiten keine Veranlassung, jetzt tätig zu werden.“

Der Durchmarsch von Liga drei bis eins und zweimal die Qualifikation für das Viertelfinale im DFB-Pokal stehen in Baumgarts Verantwortung. Ebenso der Erstliga-Abstieg vor wenigen Monaten. Der kam zwar nicht unerwartet, die Deutlichkeit überraschte dennoch. Das sind die Fakten. An Baumgarts Bilanz kommt niemand heran, auch wenn Paderborn für Fußballlehrer wie Jos Luhukay, Pavel Dotchev, André Schubert oder Roger Schmidt die erste Station auf der Bundesliga-Bühne war. „Unser Trainer hat nicht nur unglaubliche Erfolge vorzuweisen, er ist inzwischen zum Gesicht des Vereins geworden“, sagt Wohlgemuth. Auch Baumgart macht kein Geheimnis daraus, dass der SCP längst eine besondere Station in seinem Berufsleben ist: „Ich liebe hier die kurzen Wege, ich finde unser Trainingszentrum super und ich mag die Mitarbeiter. Paderborn ist sehr viel mehr als nur ein normaler Arbeitsplatz.“ Dennoch sieht er aktuell keine Notwendigkeit, dieses innige Verhältnis schriftlich neu zu fixieren. Zumal sich Baumgart mit Hinweis auf die vielen ungeklärten Personalien im Trainerstab und im Kader nicht in vorderster Linie sieht.

Auf Wohlgemuth wartet in der Tat viel Arbeit. Das Trainerteam um Baumgart ist da nur eine Baustelle, weitere 16 Spielerverträge laufen aus. Bei Svante Ingelsson, Chris Führich, Chima Okoroji, Dennis Jastrzembski und Aristote Nkaka können die Ostwestfalen von ihrem Optionsrecht Gebrauch machen. Für die älteren Profis wie Uwe Hünemeier (34), Christian Strohdiek (32), Marcel Heller (34) und Marco Terrazzino (29) wird neben der sportlichen Leistung eine Fortsetzung der Zusammenarbeit davon abhängen, in welcher Liga der SCP im August 2021 spielt. Kniffliger könnte es werden, mit Sebastian Vasiliadis, Jamilu Collins, Christopher Antwi-Adjei, Sebastian Schonlau oder Leopold Zingerle zu verlängern. Alle fünf könnten in sieben Monaten ablösefrei gehen. Das ist mitten in der Corona-Pandemie ein noch größerer Vorteil, wenn man sich verändern möchte.

Bester Beleg sind die vergangenen Wochen, als dem SCP bis Transferschluss für keinen der Genannten auch nur ein adäquates Angebot vorlag. Interessant könnte ebenso die Personalie Ron Schallenberg werden. Paderborns Senkrechtstarter der ersten sieben Spieltage ist mehr als nur ein „hoffnungsvolles Nachwuchstalent“. Sehr weit scheint Wohlgemuth dagegen bei Johannes Dörfler zu sein. Der bereits ausgemusterte Rechtsaußen hat sich zu einem verlässlichen Rechtsverteidiger entwickelt und soll in Kürze längerfristig gebunden werden.

Nach mehr als drei Jahren im Amt ist Baumgart davon weit entfernt. Dass er nicht taktiert, sondern für sich tatsächlich noch keine Entscheidung getroffen hat, klingt glaubhaft. Dass er seine Zukunft auch nicht von der Ligazugehörigkeit abhängig machen wird, ebenso. Es könnte aber durchaus sein, dass der Ex-Profi abwarten will, welche Philosophie der Verein weiterverfolgt. Bislang wurden die Aufstiege in erster Linie dazu genutzt, den Club zu entschulden und die Infrastruktur zu verbessern. Das war sicher richtig, hatte aber zur Folge, dass weder 2014/2015 noch 2019/2020 ein halbwegs konkurrenzfähiger Erstliga-Etat zur Verfügung stand.

Ob diese Zahlen am Ende zählen? Wohlgemuth kann sich zumindest in naher Zukunft eine Trennung nicht vorstellen: „Steffen Baumgart und der SC Paderborn passen zueinander. Dieses Grundgefühl erschließt sich nicht nur dem Insider, sondern ist auch ganz klar von außen wahrnehmbar.“

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