Fragen und Antworten zum Streit in der DFL – Was passiert ist und wie es weitergeht
Das Duell: Groß gegen Klein

Bielefeld -

Unter den 36 Vereinen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) treten Differenzen offen zu Tage, natürlich ist Geld das große Thema. Nach einem Impulspapier sogenannter kleiner Klubs fühlen sich „die Großen“ offenbar auf den Schlips getreten. Was ist in den vergangenen Tagen passiert, wie geht es weiter: Fragen und Antworten zum Streit in der DFL.

Samstag, 14.11.2020, 11:18 Uhr aktualisiert: 14.11.2020, 11:54 Uhr
Das Präsidium der DFL entscheidet über die Verteilung der Medienerlöse. Am Thema Geld hat sich ein Disput entzündet.
Das Präsidium der DFL entscheidet über die Verteilung der Medienerlöse. Am Thema Geld hat sich ein Disput entzündet. Foto: dpa

 

Was ist der Auslöser?

Der Auslöser der Querelen ist ein Papier der Erstligisten Arminia Bielefeld, VfB Stuttgart, FC Augsburg und Mainz 05 sowie zehn Zweitligisten inklusive des SC Paderborn, das an das DFL-Präsidium geschickt wurde. Im Sommer gab es drei Regionalkonferenzen zum Thema Verteilung der Medienerlöse der Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25. Eine Summe von 4,4 Milliarden Euro steht im Raum. Das DFL-Präsidium, das über die Geldverteilung autark entscheidet, hatte die Klubs darum gebeten, Vorschläge einzureichen. Als Folge dessen haben Arminia und Co. ihr Schreiben an das DFL-Präsidium um Boss Christian Seifert gesendet. Das Impulspapier sei als „Denkanstoß“ zu verstehen, sagte Vorstandsboss Thomas Röttgermann von Zweitligist Fortuna Düsseldorf der „Rheinischen Post“.

Was steht drin?

Die Vereine formulieren drei Thesen:

1.) „Die Tabelle ist nicht (mehr) das Abbild der sportlichen Leistung, sondern vor allem der finanziellen Möglichkeiten.“

2.) „Die wirtschaftliche Schere geht weiter auseinander.“

3.) „Und folglich: Die Bundesliga ist weniger spannend geworden – nicht nur an der Spitze.“

Durch die Praxis der Medienerlösverteilung habe sich der sportliche Wettbewerb auf nationaler Ebene deutlich zum Negativen verändert. Ein neuer Verteilungsmechanismus, losgelöst von Vereinsinteressen, solle für mehr Balance sorgen.

Was sind die Vorschläge?

Die 14 „Kleinen“ hoffen auf eine Annäherung zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Medienerlöse. Zumindest solle aber der Unterschiedsfaktor zwischen dem Erst- und dem Letztplatzierten innerhalb einer Liga bei maximal 2 liegen. Laut „Kicker“ lag der Faktor im Vorjahr, zwischen Meister Bayern München und Absteiger SC Paderborn, bei 3,5 (nationale und internationale Erlöse addiert).

Ferner wird vorgeschlagen, dass neben der sportlichen Leistung auch die relative sportliche Leistung – also die Relation aus wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und sportlicher Leistung – zu Teilen über die Erlöspartizipation abseits des Sockelbetrags eine Rolle spielen solle. Zudem solle künftig noch mehr honoriert werden, wenn in Deutschland ausgebildete U23-Spieler zum Einsatz kommen. Auch solle ein Beitrag der Vereine zur Attraktivität der Bundesliga zu Teilen über die Höhe der Erlöspartizipation entscheiden – hier sind Traditionsklubs mit vielen Fans gemeint.

Mit einem neuen Verteilungsmodus könne der deutsche Profifußball einen Meilenstein für seine Entwicklung setzen und positiv auf die vorab definierten Zielsetzungen sowie damit einhergehend seine gesamtgesellschaftliche Verankerung einzahlen, heißt es.

Wie reagieren „die Großen“?

Die Alphatiere der Liga, also Bayern München und Borussia Dortmund, haben in Person ihrer Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Hans-Joachim Watzke mehr als deutlich reagiert. In Verkennung der Tatsache, dass Arminia, Augsburg und Co. „einen fundierten Beitrag zur Diskussion und zur Meinungsbildung des Präsidiums zur zukünftigen Medienerlösverteilung leisten“ wollten, werden die Verfasser des Schreibens fast schon als Verräter gebrandmarkt. Mindestens aber hätten sie „den Fehdehandschuh geworfen“, wie Rummenigge polterte. Die Vereine hätten sich in der Solidargemeinschaft DFL separiert, sagte er. Seine Reaktion: ebenfalls separieren. Denn Rummenigge lud die restlichen Erstligisten und den Hamburger SV zu einem Treffen nach Frankfurt ein. Arminia und Co. wurden explizit nicht eingeladen.

Watzke sagt: „Die Klubs, die nicht dabei waren, hatten sich ja vorher schon auf eine Haltung festgelegt und versucht, das DFL-Präsidium damit unter Druck zu setzen.“ Ob allen der Inhalt des Impulspapiers überhaupt bekannt war? Und schließlich war es die DFL, die auf ihren Regionalkonferenzen um Vorschläge gebeten hatte.

Wie reagieren andere?

Während sich von den vier Klubs aus Bielefeld, Augsburg, Stuttgart und Mainz bisher nur der Mainzer Vorstand Jan Lehmann öffentlich äußerte, kommt durchaus prominente Unterstützung für die „Kleinen“. Der frühere DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig hat Karl-Heinz Rummenigge und das vom ihm initiierte „G15-Treffen“ scharf kritisiert. „Sollte ruchbar werden, dass man andere Gedanken hat als der FC Bayern oder Kollegen, dann könnte das ja dazu führen, dass man zukünftig auch Persona non grata wird und von allen anderen Dingen ausgeschlossen wird“, sagte er in einem „Sky“-Interview. „Dann können wir bald den Laden zumachen.“

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München Foto: Roland Weihrauch

Ewald Lienen hat sich ebenso klar geäußert. Im Podcast „Sechzehner“ erklärte der frühere Arminia-Trainer: „Es ist natürlich schwer für Karl-Heinz zu akzeptieren, dass wir uns in einer Demokratie befinden, wenn ich bei Bayern München bin und mir kommt das Geld aus den Ohren raus.“ Und über das G15-Treffen ohne Arminia und Co. meinte Lienen: „Zur Strafe, dass sie eine eigene Meinung haben und die auch äußerten, werden sie ausgeschlossen.“

Wie geht es weiter?

Am 7. Dezember steht die nächste DFL-Vollversammlung an, also mit allen 36 Klubs. Derzeit ist eine Präsenzveranstaltung in Frankfurt geplant. Laut „Kicker“ wollen die neun DFL-Präsidiumsmitglieder dann den Plan zur Verteilung der 4,4 Milliarden Euro vorstellen.

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