Erst ein wenig Glück, dann überragende Leistungen: Paderborner Eigengewächs hat einen Stammplatz erkämpft
Schallenberg lebt seinen Traum

Paderborn -

Dass Uwe Hünemeier mit 34 Jahren seinen zweiten Frühling erlebt, damit war so nicht zu rechnen. Dass der schon aussortierte und gelernte Offensive Johannes Dörfler hinten rechts zur Stammkraft wird, hatte auch kaum einer auf dem Schirm. Die größte positive Überraschung im Kader des SC Paderborn nach sieben Spieltagen aber trägt einen anderen Namen: Ron Schallenberg.

Samstag, 21.11.2020, 10:32 Uhr aktualisiert: 21.11.2020, 10:36 Uhr
Er hat allen Grund zum Jubeln: Ron Schallenberg hat nach seiner Ausleihe nach Verl den Durchbruch beim SC Paderborn geschafft.
Er hat allen Grund zum Jubeln: Ron Schallenberg hat nach seiner Ausleihe nach Verl den Durchbruch beim SC Paderborn geschafft. Foto: Wilfried Hiegemann

Das Eigengewächs ist ein großer Gewinner der noch jungen Saison und auch im Heimspiel am Samstag gegen den FC St. Pauli (13 Uhr, Sky) gesetzt.

Seine ersten Zweitligaminuten absolvierte der 22-Jährige am 2. Spieltag gegen den Hamburger SV, fünf Tage später feierte er beim 0:0 in Heidenheim sein Startelfdebüt und ist seitdem erste Wahl. „Das war kein Weltspiel, aber wir haben uns mit einem Punkt belohnt. Seitdem spielen wir uns immer besser ein und die Ergebnisse stimmen“, sagt er.

Der SCP ist seit fünf Partien ungeschlagen und Schallenberg aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Ein Umstand, den er selbst nicht für möglich gehalten hätte. „Ich hatte eine gute Vorbereitung, habe gemerkt, dass ich mithalten kann. Aber ich wusste, dass es gegen Maxi Thalhammer und Sebastian Vasiliadis brutal schwierig wird.“

Die Überzeugung, mit der Rückkehr nach zweijähriger Ausleihe zum Regionalligisten SC Verl die richtige Entscheidung getroffen zu haben, war aber immer da. Dafür sorgten auch Trainer Steffen Baumgart und Geschäftsführer Sport Fabian Wohlgemuth: „Schon nach dem ersten Gespräch mit ihnen war mir klar, dass ich das noch einmal probieren möchte. Sie haben mir Perspektiven aufgezeigt zu spielen und so ist es ja auch gekommen.“ Sein Trainer sagt: „Die Überraschung ist nicht, wie Ron sich entwickelt hat. Die Überraschung ist, dass er spielt. Und das macht er überragend.“

Dass er so schnell auflaufen durfte „war auch ein bisschen Glück“, wie er selbst einräumt. Denn erst durch die Ausfälle von Thalhammer und Vasiliadis kam er zum Zug, aber, so weiß auch Schallenberg, „letztendlich zählt die Leistung“. Und die stimmt, was nicht erst sein erstes Zweitligator beim jüngsten 4:0-Sieg in Darmstadt und die Nominierung in die Spieltag-Elf des “Kicker” verdeutlichte. „Für meinen Heimatverein zu treffen, war ganz besonders. Ich wusste gar nicht, wohin mit meiner Freude“, beschreibt er seine Gefühle.

Schallenbergs Karriere begann mit drei Jahren beim SV Marienloh, 2009 wechselte er zum SCP. Seine bisher prägendste Station im Seniorenfußball aber war die Verler Poststraße. „Der SC Verl und Rino Capretti haben für meine Entwicklung eine riesige Rolle gespielt. Rino ist für mich bis heute mein wichtigster Trainer. Ich bin als Oberligaspieler gekommen und als einer gegangen, der eine reale Chance hat, in der 2. Bundesliga zu spielen. Daran hat Rino einen großen Anteil, ohne ihn und Verl wäre ich jetzt nicht hier.“

Und der SC Verl ohne Schallenberg nicht in Liga drei, denn er war es, der in der Relegation gegen Lokomotive Leipzig das entscheidende Tor erzielte. Mit der Rückkehr nach Paderborn übersprang er eine Liga und ein Ende ist nicht in Sicht. „Ron ist ein kompletter Spieler und ein super Balleroberer. Wenn er körperlich noch zulegt, ist für ihn mit der Station beim SCP noch lange nicht Schluss“, mutmaßt Capretti, der selbst eine Paderborner Vergangenheit hat, und sagt: „Es freut mich total. Ron ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Leihgeschäft Sinn macht. Er hat uns von der ersten Sekunde an geholfen.” Auch Wohlgemuth lobt den Rückkehrer: „Ron ist ein intelligenter Junger mit einer sehr mannschaftsdienlichen Spielweise. Er macht nichts Verrücktes, ist aber in seinen Gedanken immer schon einen Schritt weiter und hat ein sehr gutes Gefühl für den Raum. Er hat sich in kurzer Zeit zu einem sehr wichtigen Spieler für uns entwickelt.“

Klar, dass der Manager den auslaufenden Vertrag mit Schallenberg lieber heute als morgen verlängern würde. Ein erstes Gespräch gab es bereits und geht es nach dem Spieler, stehen die Chancen nicht schlecht: „Ich habe mich damit noch nicht wirklich beschäftigt, kann mir aber auf jeden Fall vorstellen, hierzubleiben.“

Seine aktuelle Situation beschreibt er als „laufenden Traum und es liegt an mir, dass er anhält“. Die 1. Liga fühle sich für ihn noch weit weg an, doch Ron Schallenberg hält auch einen Aufstieg mit dem SCP nicht für ausgeschlossen. „Nach oben ist noch einiges möglich. Wir befinden uns in einem Schlüsselmoment“, sagt er und ist optimistisch, dass die Serie gegen St. Pauli hält: „Das ist ein klassisches Zweitliga-Team, zweikampfstark und aggressiv. Ich erwarte ein offenes Spiel, aber wenn wir einen guten Tag erwischen, wird es für den Gegner sehr schwer.“

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