E-Sports-Bundesliga hat für den SC Paderborn begonnen
Den Ex-Weltmeister abgefiedelt

Paderborn -

In einer Fußball-Bundesliga, in der die Bayern und der BVB keinerlei Rolle spielen, der Deutsche Meister SV Werder Bremen und der Vizemeister SpVgg Greuther Fürth heißt, will sich nun auch der SC Paderborn 07 einen Namen machen.

Samstag, 21.11.2020, 01:50 Uhr aktualisiert: 21.11.2020, 08:02 Uhr
Das E-Sports-Team des SC Paderborn 07 mit (von links) Justin Kampmeier, Nikola Peša, Trainer Daniel Elit, Yannik Büscher, Luca Castronovo und Lucas Fiedler.
Das E-Sports-Team des SC Paderborn 07 mit (von links) Justin Kampmeier, Nikola Peša, Trainer Daniel Elit, Yannik Büscher, Luca Castronovo und Lucas Fiedler. Foto: SC Paderborn 07

Der potenzielle Erfolgscoach des SCP heißt hier aber nicht Steffen Baumgart, sondern Daniel Elit. Dessen Spieler dürfen auch gerne viel Ballgefühl haben, müssen jedoch insbesondere über eine exzellente Auge-Hand-Koordination verfügen: Es geht um die neue Saison der Virtual Bundesliga (VBL), den Kick an der Konsole, und da haben die Newcomer schon die ersten Stars abgezockt. Aber dazu später.

Darum geht‘s: 26 Vereine aus der 1. und 2. Liga ermitteln in der Virtual Bundesliga das beste Team und den besten Einzelspieler.

Darum geht‘s: 26 Vereine aus der 1. und 2. Liga ermitteln in der Virtual Bundesliga das beste Team und den besten Einzelspieler. Foto: dpa

Der Zweitligist, in der fußballfreien Zeit bereits Teilnehmer der Bundesliga Home Challenge, hat zum ersten Mal ein E-Sports-Team gemeldet. Die Spielzeit hat vor wenigen Tagen begonnen. Nachdem sich zuletzt 22 Vereine beteiligt hatten, messen sich diesmal 26 Mannschaften in der Fußball-Simulation FIFA 21 von Hersteller EA Sports. Zwölf Erstligisten und 14 Zweitligisten, unterteilt in die Divisionen Nord-West (mit dem SC Paderborn 07) und Süd-Ost. Während die beiden Vorzeigevereine FC Bayern München (vertraglich an EA-Konkurrent Konami gebunden) und Borussia Dortmund weiter nicht mitwirken und für Arminia Bielefeld die erste FIFA-Saison auch die vorerst letzte war, sahen die SCP-Verantwortlichen den Tag gekommen, sich auch auf den virtuellen Bundesliga-Plätzen zu positionieren. „Das ist sicher eine sehr gute Möglichkeit für den Verein, um neue Zielgruppen zu erschließen und ein klares Zeichen dafür, dass er mit der Zeit geht. Immerhin sind von den 36 Erst- und Zweitligisten 26 dabei“, sagt Elit. Das an jeden Verein ausgezahlte Antrittsgeld in Höhe von je 100.000 Euro hat die Entscheidung sicherlich nicht wesentlich erschwert.

Derweil die arrivierten Divisions-Konkurrenten über eine Ansammlung in der Szene hochgeschätzter und erfahrener Gamer verfügen, setzt der VBL-Frischling aus Paderborn auf (bislang) weniger namhafte Zocker und eine Portion ostwestfälischen Lokalkolorit: Bei dem Quintett handelt es sich um Justin ‚godly‘ Kampmeier (17/Delbrück), Yannik ‚wildstyler‘ Büscher (21/Enger), Nikola ‚twc‘ Peša (24/Höxter), Lucas ‚fiedler_14‘ Fiedler (18/Paderborn), und Luca ‚el castro‘ Catronovo (20/Paderborn). Sie alle sind beim SC Paderborn 07 angestellt. Nicht anders als ein Steffen Baumgart, ein Dennis Srbeny oder ein Ron Schallenberg – wohl abgesehen vom etwas geringeren Gehalt. Der SCP beschreibt Büscher als den Unermüdlichen, Pesa als das Mentalitätsmonster, Fiedler als den Perfektionisten, Kampmeier als den Youngster sowie Castronovo als den Temperamentvollen - und diese Mischung macht der Konkurrenz offensichtlich auf Anhieb mächtig zu schaffen.

Okay, der Auftakt verlief nicht reibungslos. Ein Coronafall in den eigenen Reihen hatte zur Folge, dass der Neuling gegen den 1. FC Köln nicht – wie sonst üblich – in den Räumen von Hauptsponsor Unilab AG Platz nahm, sondern im Home Office antreten musste. Das Doppel wurde verschoben, die Einzel (je eines an der Playstation und der Xbox) gingen knapp verloren. Doch nur eine Woche später schlug der SCP zurück. Als Ligaletzter in das Duell mit Tabellenführer Leverkusen gegangen, gelangen dicke Überraschungen im Doppelpack. Zunächst fiedelte der Paderborner Stadtmeister Lucas Fiedler den ehemaligen Weltmeister und mehrfachen Deutschen Meister Kai „deto“ Wollin mit 3:1 ab, dann behauptete sich Justin Kampmeier gegen Fabian „Dubzje“ De Cae (3:2). Nicht nur die Experten auf dem offiziellen Twitch-Kanal der Liga trauten ihren Augen kaum. „Mit den Ergebnissen war wirklich nicht zu rechnen, aber wir sind natürlich sehr glücklich darüber, dass wir direkt gesehen und gezeigt haben, dass wir mithalten können“, sagt Elit. Zwar verloren Yannik Büscher und Nikola Peša das Doppel, doch am Ende hieß es 6:3 für den SCP. Mit dem frisch erspielten Selbstbewusstsein legten die Paderborner noch am selben Tag gegen die ebenfalls hoch eingeschätzten Schalker ein 4:4 nach und verdienten sich im Nachholdoppel gegen Köln schon den elften Punkt in der noch sehr jungen Saison. Auf das Ziel hat der erstaunlich starke Start jedoch keinen Einfluss. Elit bleibt bescheiden: „Wir wollen die Großen ärgern. Dabei bleibt es. Konkreter können wir ja immer noch werden.“ Sorgen um den Klassenerhalt muss er sich ohnehin nicht machen, denn absteigen kann aus der Virtual Bundesliga niemand.

Auch die Benteler-Arena gibt‘s bei FIFA 21.

Auch die Benteler-Arena gibt‘s bei FIFA 21. Foto: EA Sports

Sonst, auch im Trainingsalltag und in der Vorbereitung auf die Gegner, sind die Unterschiede zwischen virtueller und realer Fußballwelt allerdings überschaubar. Wie Baumgart lädt auch Elit die Seinen regelmäßig zu Videoanalysen. Das Trainingspensum umfasst bis zu 15 Stunden die Woche. Zudem stehen gemeinsame Fitnesseinheiten oder eine Partie Flagfootball auf dem Unisportplatz regelmäßig auf dem Zeitplan. Das Klischee vom übergewichtigen Einsiedler, der auf der heimischen Couch vor sich hin vegetiert, ist schon lange überholt. „Wer in diesem Bereich eine Rolle spielen will, der muss fit sein und auf seine Ernährung achten. Nur wenn du fit bist, kannst du auch deine Konzentration hochhalten“, sagt Elit.

Ginge es nach ihm, wäre das „E“ vor der virtuellen Variante des Sports allemal verzichtbar. Für Elit ist jeder, der an dem fordernden Wettbewerb teilnimmt, schlicht Sportler: „Aus meiner Sicht machen wir nichts anderes, als beispielsweise in einer traditionellen olympischen Disziplin wie Sportschießen geleistet wird. Auch da geht es in erster Linie um die Auge-Hand-Koordination Der Aspekt der körperlichen Ertüchtigung ist ebenfalls sehr gut vergleichbar. Bei uns spielen außerdem die Reaktionsgeschwindigkeit und das taktische Verständnis eine große Rolle, so dass ich nicht verstehe, dass das eine Sport und das andere E-Sport heißt.“ Der SCP-Coach weiß sehr genau, wovon er spricht. Er studiert angewandte Sportwissenschaften, ist seit 15 Jahren der FIFA-Reihe verfallen und hat das Hochschulsportprogramm bereits um selbst geleitete FIFA-Kurse erweitert. An den kommenden Spieltagen wollen Elit und sein Team aber der VBL-Konkurrenz weitere Lehrstunden geben. Die elf Punkte sollen nur der Anfang sein.

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