Ein Bayer trifft auf Franken, doch SCP-Torwart Leopold Zingerle fühlt sich längst auch als Ostwestfale
„Paderborn ist ein Stück Heimat“

Paderborn -

Es ist kein Geheimnis, auf welche Art von Fußball Steffen Baumgart steht. Der Trainer des SC Paderborn bevorzugt die Offensive, ihm ist ein 5:4 lieber als ein 1:0. Torwart Leopold Zingerle muss sich dabei des Öfteren als Opfer gefühlt haben.

Freitag, 04.12.2020, 02:53 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 09:32 Uhr
Seit 2017 ist Leopold Zingerle die Nummer eins beim SC Paderborn.
Seit 2017 ist Leopold Zingerle die Nummer eins beim SC Paderborn. Foto: Wilfried Hiegemann

Doch in dieser Zweitliga-Saison hat sich das Blatt gedreht. Der Absteiger hat bisher 14 Treffer erzielt und liegt damit im ersten Drittel, bei der Anzahl der Gegentore (acht) aber ist kein Team besser. Gemeinsam mit Holstein Kiel führen die Ostwestfalen das Ranking an.

Das freut auch Zingerle und der gebürtige Münchner ist natürlich besonders daran interessiert, dass die Defensive auch gegen den 1. FC Nürnberg steht. Ein Bayer gegen Franken, für den 26-Jährigen ist das Duell am Sonntag (13.30 Uhr, Benteler-Arena) ein kleines Derby. Große Gefühle kommen bei ihm nicht auf, die Bedeutung der Partie ist für ihn aber eminent: „Die Niederlage in Karlsruhe war ein Rückschlag und wir wollen beweisen, dass das nur ein Ausrutscher war.“

Ein Ausrutscher nach zuvor sechs Spielen ohne Niederlage, die den misslungenen Auftakt (0:1 in Kiel, 3:4 gegen den HSV) korrigierten. „Ganz ehrlich, da habe ich mir Sorgen gemacht. Aber zum einen hatten wir Top-Gegner, zum anderen musste wir uns erst finden“, nennt Zingerle zwei Gründe, warum es am Anfang noch nicht so lief und bezeichnet das 1:0 gegen Hannover 96 als „unseren Dosenöffner für die Saison. Von da an haben wir ordentlich gepunktet“. Am positiven Trend habe das 0:1 im Wildparkstadion erst einmal nichts geändert: „So etwas kann passieren, aber mich ärgert das Gegentor nach einer Ecke, weil wir genau vor solchen Situationen gewarnt waren.“

Am positiven Umschwung hatte Zingerle selbst nicht zuletzt durch einen gehaltenen Elfmeter gegen den FC St. Pauli seinen Anteil. Viermal spielte der SCP an den ersten neun Spieltagen zu Null, in der abgelaufenen Saison waren es insgesamt gerade einmal fünf Partien, in denen Paderborn kein Gegentor kassiert hatte. Das war in der 1. Liga, doch die 74 Gegentore waren dennoch zu viel. Der Aufsteiger stieg als Letzter sofort wieder ab. Zingerle spielte, wie all seine Vorderleute, keine überzeugende Serie, doch Baumgart sagt: „Leo hat sich auch in der vergangenen Saison gut entwickelt. Bei ihm geht das nur noch in Millimeterschritten, weil er schon sehr weit ist.“

Nach einer schweren Schulterverletzung im Saisonfinale 2018/2019 in Dresden hat Zingerle wieder zu alter Stärke und Sicherheit zurückgefunden. Zu Beginn der Erstliga-Spielzeit musste er sich zunächst hintenanstellen und stand erst am 7. Spieltag zum ersten Mal wieder in der Startelf. Im vergangenen Sommer lieferte sich Zingerle laut Baumgart ein „Duell auf Augenhöhe“ mit Jannik Huth, doch kurz vorm Saisonauftakt im DFB-Pokal gegen Regionalligist Wiedenbrück zog sich sein schärfster Konkurrent einen Kahnbeinbruch an der linken Hand zu. Der Ex-Mainzer kehrte erst in dieser Woche ins Mannschaftstraining zurück. Zingerle ist gesetzt, zumindest bis zum Sommer. Dann läuft sein Vertrag aus, den er im Winter 2019 um zwei weitere Jahre (kam 2017 aus Magdeburg) verlängert hatte. „Wir sind im Austausch, aber ich bin entspannt. Für mich war erst einmal wichtig, dass wir sportlich in die Spur kommen“, sagt er und erklärt, was für einen Verbleib beim SCP spricht: „Für einen Torwart ist es schwer, bei einem neuen Verein der Herausforderer zu sein. Für mich ist es sehr wichtig zu spielen, das schätze ich hier.“

So spricht einiges für eine Verlängerung. Eine Rückkehr zu den Wurzeln hätte auch etwas, aber Zingerle sagt grinsend: „Beim FC Bayern spielen Manuel Neuer und Alex Nübel. Das kann ich schlecht als Ziel ausgeben.“ Doch der Keeper fühlt sich auch weit weg von zuhause wohl und gibt zu: „Paderborn ist für mich ein Stück Heimat.“ Geht es nach Baumgart, heißt seine Nummer eins auch in der neuen Saison Leopold Zingerle: „Er passt in unser Profil. Wir wollen spielende Torhüter und das macht er sehr ruhig, sehr sachlich, sehr klar. Er bekommt immer mehr Souveränität und ist auf dem Weg zu einem Führungsspieler. Unsere positive Entwicklung hat viel mit seiner Leistung zu tun.“

Die will Zingerle auch gegen den Club bringen, den er nicht so richtig einschätzen kann: „Die Nürnberger sind schwer zu greifen und bisher großen Schwankungen ausgesetzt. Die Qualität des Kaders passt nicht zu den Ergebnissen.“ Das soll am Sonntag so bleiben.

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