Robert Klauß, Cheftrainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg, im Interview
„Paderborns Fußball ist dynamisch und mutig“

Paderborn -

Die Bilanz gegen den 1. FC Nürnberg ist rabenschwarz: Zwar trafen der SC Paderborn 07 und der Club in Pflichtspielen erst dreimal aufeinander, dreimal verließen die Ostwestfalen aber auch geschlagen den Platz. Eine neue Chance gibt es an diesem Sonntag (Anstoß: 13.30 Uhr, Sky) im Heimspiel gegen den Traditionsverein.

Freitag, 04.12.2020, 17:37 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 19:06 Uhr
Seit dieser Saison gibt Robert Klauß beim 1. FC Nürnberg die Richtung vor. Für den 36-Jährigen ist es die erste Station als Chefcoach im Profibereich.
Seit dieser Saison gibt Robert Klauß beim 1. FC Nürnberg die Richtung vor. Für den 36-Jährigen ist es die erste Station als Chefcoach im Profibereich. Foto: dpa

 Vor den 90 Minuten spricht Club-Trainer Robert Klauß über seinen Start an der Noris, seine Zeit bei RB Leipzig und den SC Paderborn 07.

Herr Klauß, Sportvorstand Dieter Hecking hat Sie bei Ihrer Vorstellung als „mutigen Trainer mit frischen und innovativen Methoden“ beschrieben. Wie sehen Sie sich?

Klauß: Ich möchte Dieter da nicht widersprechen. Meine Erfahrung als Cheftrainer resultiert im Moment noch aus dem Jugendbereich. Als Co-Trainer konnte ich auch schon im Profibereich wertvolle Schritte machen. Dennoch bin ich ein junger Trainer, der auch noch viel lernen möchte. Ich bringe einen Handwerkskasten mit, den ich noch verfeinern muss.

Sie waren bei RB Leipzig in der Zeit von von 2018 bis 2020 jeweils ein Jahr Co-Trainer von Ralf Rangnick und Julian Nagelsmann. Wie muss man sich hier eine Zusammenarbeit vorstellen?

Klauß: Die Zusammenarbeit ist sehr unterschiedlich, weil es beides verschiedene Trainertypen sind. Weil er auch Sportdirektor gewesen ist, musste Ralf Rangnick auch den Gesamtverein im Blick haben und hat diesen vorangebracht. Julian hat sich voll und ganz auf den Trainerjob konzentriert. Entsprechend veränderte sich auch die Rolle des Co-Trainers. Beides war sehr spannend. Ich habe viel gelernt und konnte meine Idee vom Fußball weiterentwickeln. Dadurch, dass ich verschiedene Aufgaben übernehmen durfte, konnte ich mich gut auf die Arbeit als Cheftrainer vorbereiten.

Sie haben auch noch Paderborns Ex-Manager und Rekordspieler Markus Krösche bei RB Leipzig erlebt. Was machte er auf Sie für einen Eindruck, was ist haften geblieben?

Klauß: Wir haben zusammen den Fußball-Lehrer-Lehrgang absolviert und hatten schon damals gute Gespräche. Deshalb war es für mich ein einfacherer Einstieg, als Markus Sportdirektor wurde. Wir hatten eine sehr gute Zusammenarbeit und einen offenen Austausch. Wahrscheinlich auch, weil wir die gleiche Auffassung haben.

Stichwort Paderborn. Der Bundesliga-Absteiger ist holprig gestartet, verlor nach sechs ungeschlagenen Spielen in Folge zuletzt 0:1 in Karlsruhe und steht jetzt auf Platz sieben. Wie schätzen Sie den SC Paderborn ein?

Klauß: Paderborn schätze ich als starken Gegner ein. Sie haben viele Spieler aus der Bundesliga-Saison halten können und haben den Kader gleichzeitig gut verstärkt. Sie sind bei ihrer Fußball-Idee geblieben, haben weiterhin den gleichen Trainer. Das spricht für Kontinuität. Mir hat die Art und Weise, wie sie die Bundesliga-Saison bestritten haben, gefallen. Sie waren immer dynamisch und mutig. Das zeichnet sie aus.

Ihre erste Station als Zweitliga-Cheftrainer ist der 1. FC Nürnberg. Der Club hat eine Riesentradition, wäre aber dieses Jahr fast abgestiegen. Ihr Ex-Verein RB Leipzig wurde erst 2009 gegründet, gehört aber sportlich schon zu den Top-Klubs in Europa. Größer konnte der Kontrast kaum sein. Zufall?

Klauß: Beim Club zu arbeiten, ist eine tolle Herausforderung. Durch die Größe und den Namen des 1. FC Nürnberg ist dieser Verein mehr als reizvoll.

Nach fünf sieglosen Spielen haben Sie mit dem Club beim VfL Osnabrück gewonnen, dann aber das Frankenderby gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth mit 2:3 verloren. Wie fällt nach neun Spieltagen Ihre Bilanz aus?

Klauß: Die Bilanz ist gemischt. Wir haben etwas zu wenig Punkte geholt. Alle unsere Spiele waren eng und knapp und hätten in die eine wie in die andere Richtung laufen können. Wir müssen konstanter werden.

Sie wurden am Sonntag von Schiedsrichter Felix Brych nach Schlusspfiff noch verwarnt. Paderborns Trainer Steffen Baumgart sah in Karlsruhe bereits die dritte Gelbe Karte und hat die seit vergangene Saison geltenden „Disziplinarregeln für Teamoffizielle“ schon mehrfach kritisiert. Wie ist da Ihre Meinung?

Klauß: Auf der einen Seite kann ich Steffen Baumgart verstehen. Weil Emotionen dazu gehören und ich mir ein bisschen mehr Verständnis von den Schiedsrichtern für unsere Emotionen wünschen würde. Davon lebt der Fußball auch. Gleichzeitig sind wir als Trainer aber auch Vorbilder. Für Spieler, für Kinder, die uns beobachten. Aus diesem Grund kann ich beide Seiten verstehen. Ich bin noch jung, versuche mich da auch zu zügeln. Und es dann eher in einem ruhigen Dialog mit dem Schiedsrichter zu klären.

Es wird wahrscheinlich kaum ein Monat vergehen, indem Sie nicht auf Ihre Ausbildung zum Fußballlehrer angesprochen werden. Haben Sie schon mal bereut, 2018 als Jahrgangsbester abgeschlossen zu haben?

Klauß: Eigentlich werde ich darauf nur mal bei einem Interview angesprochen. Bereut habe ich es nicht. Ich bin aber auch nicht stolz drauf. Es gehört zu meiner Vita dazu. Ich finde es aber gut, dass der Titel „Jahrgangsbester“ abgeschafft worden ist. Die Anforderungen sind an jeden unterschiedlich. Wer beispielsweise parallel noch als Profi-Cheftrainer arbeitet, hat andere Herausforderungen zu bewältigen als andere.

Anders gefragt: Hätten Sie die Eins mit einer Zwei getauscht und wären in dem Jahr lieber Meister mit der U19 von RB Leipzig geworden?

Klauß: In der U19 geht es nicht um Meisterschaften, sondern darum, Spieler zu entwickeln und für den Profibereich auszubilden.

Würden Sie, mit dem Wissen von heute, noch einmal bei „Schlag den Raab“ teilnehmen?

Klauß: Ich würde nicht noch einmal daran teilnehmen, weil es mir nichts gebracht hat, was ich für mein Leben mitnehmen konnte. Ich fand es aber auch nicht schade, dass ich es gemacht habe. Ich stehe dem sehr neu­tral gegenüber. Es ging mir darum, das Spiel zu gewinnen.

2015 und damit im gleichen Jahr feierten Sie auch ihren ersten „Titel“ mit der U17 von RB Leipzig. Wo siedeln Sie heute diesen Erfolg an?

Klauß: Wir sind Staffelmeister in der dreiteiligen Bundesliga geworden und haben dann im Halbfinale gegen Dortmund verloren. Die Staffelmeisterschaft war ein toller Erfolg und eine schöne Erfahrung.

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