Paderborns Trainer Steffen Baumgart macht den Pokaltriumph in Berlin besonders am Teamgeist fest
Ein Sieg der Mentalität

Paderborn -

Zum dritten Mal in den vergangenen vier Jahren im Achtelfinale des DFB-Pokals: Paderborns 3:2 (3:1)-Sieg am Dienstagabend bei Union Berlin war der versöhnliche Abschluss eines ganz besonderen Fußballjahres.

Donnerstag, 24.12.2020, 03:00 Uhr
Eine Einheit: Teammanager Robin Trost, Leopold Zingerle, Ron Schallenberg, Trainer Steffen Baumgart, Julian Justvan und Dennis Srbeny (von links)
Eine Einheit: Teammanager Robin Trost, Leopold Zingerle, Ron Schallenberg, Trainer Steffen Baumgart, Julian Justvan und Dennis Srbeny (von links) Foto: imago

Die Freude war entsprechend groß, Steffen Baumgart nutzte aber auch die Gelegenheit, um über Werte im Fußball zu reden. Für den Geschmack von Paderborns Trainer wird der Begriff „Respekt“ völlig überstrapaziert. Darüber müsse man nicht ständig reden, Respekt müsse man sich vielmehr täglich erarbeiten. Wie beispielsweise seine Elf in Berlin.

Nach einer überragenden ersten Hälfte führte der SCP nach Toren von Sven Michel (3./36.) und Dennis Srbeny (31.) hochverdient mit 3:1 und legte damit früh den Grundstein zum späteren Erfolg. Als bei der Analyse aber mehr über schwache Unioner und fast gar nicht über starke Ostwestfalen gesprochen wurde, grätschte der Coach verbal dazwischen: „Für mich ist es schwierig zu sagen, dass Union in der ersten Hälfte nicht anwesend war. Ich fand, wir haben sie da hinbekommen, wir sie hinhaben wollten. Und das ging nur, weil wir es sehr gut gemacht haben. Darauf bin ich stolz.“

In dem Pokalkampf glichen die „Eisernen“ schnell aus (6.), ein Eigentor von Uwe Hünemeier (57.) brachte die angeschlagenen Hausherren sogar noch einmal zurück ins Spiel. Zu mehr reichte es letztlich aber nicht – auch, weil der SCP mit ganz viel Mentalität dagegen hielt. Die klassenhöheren Gastgeber, die zuletzt in der 1. Liga dem Meister aus München einen Punkt abknöpften und Vizemeister Borussia Dortmund schlugen, waren qualitativ zweifellos besser besetzt. Das zeigte sich besonders im zweiten Durchgang. Da hatte der Zweitligist nicht mehr diesen Zugriff und nach zwei Aluminiumtreffern (71./90.+5.) auch das Quäntchen Glück.

Das sah Baumgart ähnlich, den Erfolg machte er aber ohnehin am Teamgeist fest. Wer passt? Wer arbeitet? Wer stellt sich in den Dienst der Mannschaft? „Erfolg oder Misserfolg hängen von vielen Kleinigkeiten ab. Zuletzt haben bei uns nicht nur die Besten gespielt, sondern auch die, die sich zu 100 Prozent reinhängen und am Ende als Einheit auftreten.“

Ein gutes Beispiel ist Sven Michel. Der lange verletzte Stürmer war nicht nur gefeierter Doppeltorschütze in Berlin, sondern auch Matchwinner beim 1:0-Erfolg in Osnabrück . Und das alles nur kurz nach Paderborns desolatem Auftritt beim 0:3 in Bochum. Zwischen den Spielen lagen nur wenige Tage, was die Einstellung betraf aber Welten. Ohne konkrete Namen zu nennen, ging Baumgart am Mittwoch auch auf dieses heikle Thema ein: „Wir sind mit sehr großem Abstand auch deshalb aus der Bundesliga abgestiegen, weil sich Einzelne zu wichtig genommen haben. Darauf habe ich als Trainer spät bis gar nicht reagiert. Das war ein Lernprozess, den auch ich erst durchlaufen musste.“ Aus diesen Fehlern, wie es Baumgart selbst beschreibt, habe er gelernt. Über gewisse Grundsätze wolle er deshalb auch gar nicht mehr diskutieren: Der Verein sei das Wichtigste. Jeder Spieler müsse froh sein, bei einem Klub mit dieser Organisation und den überragenden Trainingsbedingungen arbeiten zu dürfen. Nicht umgekehrt. „Wir möchten mit allen Spielern diesen Weg gehen. Sie müssen aber auch dazu bereit sein.“

Ob dazu auch noch Streli Mamba, Jamilu Collins und Sebastian Vasiliadis zählen? Mit diesem Trio hatte Baumgart viel Klasse erst gar nicht mit nach Berlin genommen und damit auf Spieler freiwillig verzichtet, die in der 1. Liga noch zu den Stammkräften zählten. Diesen Zusammenhang wollte Baumgart so nicht herstellen, er sagte aber: „Fußball ist kein dankbarer Sport. Was war, ist vorbei. Wir sind im Hier und Jetzt und müssen funktionieren. Wer sich aber selbst zu wichtig nimmt, muss ganz schnell lernen, dass unser Fußball ein Mannschaftssport ist.“

Dennoch bleibt es höchst zweifelhaft, dass alle drei auch noch zum Kader des SCP zählen, wenn am 2. oder 3. Februar das Achtelfinale im DFB-Pokal ausgespielt wird. Der Gegner wird am 3. Januar ausgelost, einen Wunsch hat Baumgart nicht. Ist aber auch egal: Im April 2019 flog Paderborn daheim gegen den Hamburger SV raus, diesmal gab es einen Auswärtssieg in Berlin. Am Ende zählt eben sehr oft die Mentalität, weniger die Qualität.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7738419?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F
Bundesarbeitsministerium plant Homeoffice-Vorgaben
In Zeiten von Corona;: Ein Mann arbeitet zu Hause an einem Laptop in seinem Homeoffice.
Nachrichten-Ticker