Gute Spielidee, zu wenig Punkte und Gegner, die nicht mitspielen wollen
Was Baumgart wütend macht

Paderborn -

Welcher Trainer verliert schon gerne? Die Frage stellt sich eigentlich nicht. Schon gar nicht, wenn alle Zahlen für das eigene Team sprechen.

Montag, 01.03.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 06:56 Uhr
Nicht nur rasend am Rasen-Rand: Paderborns Trainer Steffen Baumgart.
Nicht nur rasend am Rasen-Rand: Paderborns Trainer Steffen Baumgart. Foto: Wilfried Hiegemann

18:3 Torschüsse verbuchte der SC Paderborn 07 bei der 0:1-Niederlage gegen den SSV Jahn Regensburg. Dazu kamen noch 59 Prozent Ballbesitz. „Das ist wie bei einem Kartenspiel. Du hast das bessere Blatt, nimmst nichts mit“, zog Steffen Baumgart diesen Vergleich.

Sauer, wütend enttäuscht – auch mit ein wenig Abstand konnte und wollte er nicht zur Tagesordnung übergehen. Der Mannschaft gab er das Wochenende komplett frei, sich selbst auch. „Hinter uns liegt eine intensive Woche mit drei Spielen. Da müssen die Köpfe frei werden.“

Baumgarts Problem: Er findet mit seinem Trainer-Team keinen Ausweg aus einem seit Wochen andauernden Dilemma. Auf der einen Seite lässt die Elf aus dem Spiel heraus nur ganz wenige Gegentore zu. Wird dafür aber Spieltag für Spieltag nach Ecken, Freistoßen, Einwürfen oder mit Distanzschüssen überrascht. Auf der anderen Seite schafft es der Erstliga-Absteiger auch bei viel Ballbesitz, hoher Laufbereitschaft oder einer guten Zweikampfbilanz nicht, diese Überlegenheit in viele Tore zu verwandeln.

Baumgart macht seinen Spielern dennoch nur wenig Vorwürfe. Richtig schlecht sei sein Team nur einmal aufgetreten, das war beim 0:3 in Bochum. „Seit drei Jahren marschieren sie, werfen alles rein“, lobt er. Das gilt seit seiner Rückkehr auch für Dennis Srbeny. Der Torjäger trifft nicht nur, er arbeitet auch viel für die Mannschaft. Dennoch würde sich der ehemalige Stürmer Baumgart noch einen anderen Knipser wünschen: „Uns fehlt so ein Türöffner, der auch mal aus dem Nichts trifft.“ 28 Saisontore sind nicht das, was ihn zufriedenstellt, er räumt daher ein: „In manchen Situationen sind meine Jungs noch zu grün, zu naiv. Da machen sie bis zum Sechzehner alles richtig, doch dann, wenn es gefährlich werden muss, kommt der letzte Pass nicht, treffen sie falsche Entscheidungen oder machen die eine Drehung zuviel.“

Doch damit kann der 49-Jährige leben, dafür ist er Trainer und damit auch Ausbilder. Baumgart treibt aber noch etwas anders um: „Im Fußball haben immer mehr Mannschaften Angst vor Ergebnissen. Regensburg schießt dreimal auf unser Tor, will gar nicht mitspielen und lässt sich hinterher für die Kampfmoral feiern. Das hat für mich nichts mit Fußball zu tun.“

Die Argumente und Beobachtungen des Paderborner Cheftrainers sind in weiten Teilen schlüssig. Nach Saisonniederlage Nummer acht möchte der Fußballlehrer aber nicht als schlechter Verlierer wahrgenommen werden. Deshalb stellt er bei allem Ärger auch eins klar: „Von unserer Spielidee her müssten wir im oberen Drittel stehen. Aber nach 23 Spieltagen lügen die Zahlen nicht.“ Paderborn ist Zehnter. Das ist Mittelmaß und nicht Baumgarts Anspruch. Daher wird er alles daransetzen, hier noch eine Korrektur vorzunehmen.

Ob dann nach zwei Aufstiegen, einem Abstieg und dem Klassenerhalt seine Mission in Paderborn beendet ist? Abwarten. Noch lässt sich Baumgart alle Türen offen und redet sich lieber in Rage, wenn es um seine Elf geht oder Gegner, die nicht mitspielen wollen.

23. Spieltag: SSV Jahn Regensburg - SC Paderborn 07 1:0

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