Fußball-Zweitligist kann die Einnahmeverluste während der Corona-Krise noch ausgleichen
SC Paderborn bleibt schuldenfrei

Paderborn -

Spurlos ist die Corona-Krise auch am SC Paderborn 07 nicht vorbeigegangen. Der Klub hat im Vergleich zu den meisten anderen der 35 Erst- und Zweitligisten die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bislang aber gut gemeistert.

Samstag, 13.03.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 13.03.2021, 07:10 Uhr
Fußball mit Maske: Beim 1:0-Heimsieg gegen Hannover 96 schauten am 18. Oktober 2020 immerhin etwas mehr als 2000 SCP-Fans zu.
Fußball mit Maske: Beim 1:0-Heimsieg gegen Hannover 96 schauten am 18. Oktober 2020 immerhin etwas mehr als 2000 SCP-Fans zu. Foto: Wilfried Hiegemann

Finanz-Geschäftsführer Ralf Huschen gibt auch für die laufende Saison Entwarnung: „Wir werden mit einem leicht blauen Auge davonkommen. Der SCP bleibt schuldenfrei.“

Genaue Zahlen wollte der 42-Jährige den Mitgliedern am 10. Mai im Verlauf der Versammlung in der Benteler-Arena präsentieren. Die wurde coronabedingt abgesagt, einen neuen Termin gibt es nicht. Dem WESTFALEN-BLATT bestätigte Huschen aber auch diesen Fakt: Der SCP schloss die Erstliga-Saison 2019/2020 als einer von nur acht Vereinen mit einem Gewinn ab. Konkreter wurde der Finanzchef nicht, der Überschuss dürfte bei einem Umsatz von etwa 46 Millionen Euro bei sieben Millionen Euro gelegen haben. Damit wurden nicht nur die letzten Verbindlichkeiten von knapp fünf Millionen Euro getilgt, es blieb auch noch etwas übrig.

Auch davon zehrten seit Beginn der Pandemie die Ostwestfalen. Außerdem plante Huschen die laufende Serie äußerst konservativ und damit gänzlich ohne Zuschauereinnahmen. „Es gab Klubs, die haben sogar einen Dauerkartenverkauf gestartet. Das haben wir in weiser Voraussicht erst gar nicht gemacht und lagen damit goldrichtig“, sagt Huschen. Letztlich waren nur in den Heimspielen gegen den Hamburger SV (300) und Hannover 96 (2258) Besucher zugelassen, in allen anderen folgenden zehn Partien daheim blieben die Tore der Arena für Fans geschlossen. Das wird sich nach Lage der Dinge vorerst auch nicht ändern. Pro Spiel fehlen dem Verein damit etwa 120.000 Euro allein an Ticketeinnahmen.

Verluste, die das Eigenkapital nahezu aufbrauchten. Umso erstaunlicher, dass der Klub im Merchandising nur ein Minus von 20 Prozent verbuchte. Das lag wohl auch am verbesserten Online-Handel. „Die Fans halten uns die Treue“, nennt Huschen einen weiteren Grund.

Wirtschaftlich sind die Zahlen in Krisenzeiten noch gut, sportlich weniger. Vor der Saison 2019/2020 verließen den SCP Leistungsträger wie Philipp Klement (VfB Stuttgart) und Bernard Tekpetey (Schalke 04). Paderborn wurde mit Ablösesummen von je 2,5 Millionen Euro zwar sehr gut entschädigt, adäquaten Ersatz holte der Verein nicht. Der Fußball, den Trainer Steffen Baumgart spielen ließ, begeisterte zwar lange Zeit die Liga, ergebnistechnisch war die Spielzeit mit 20 Punkten und nur vier Siegen nach 34 Spieltagen schlecht.

Mit dem logischen Abstieg schrumpfte das TV-Geld von etwa 30 Millionen Euro (1. Liga) um mehr als 50 Prozent auf etwa 14 Millionen Euro. Der Etat wurde von 22 Millionen Euro auf zwölf Millionen Euro zusammengestrichen. Mit weniger Geld konnte der Kader dennoch breiter aufgestellt werden, der Klassenerhalt ist mit 31 Punkten nach 24 Spieltagen trotzdem nicht sicher.

Schon jetzt droht eine weitere Reduzierung des Profi-Haushalts. Die TV-Einnahmen sinken ab der kommenden Saison, der SCP wird mit etwa zwei Millionen Euro weniger auskommen müssen. „Auch dieses Minus werden wir berücksichtigen“, kündigt Huschen an. Er, SCP-Boss Elmar Volkmann und Aufsichtsratschef Stefan Rees plädieren nach WESTFALEN-BLATT-Informationen eher für einen vorsichtigen Kurs und wollen auch in der kommenden Serie keine Schulden machen. Das gelingt aber ohnehin nur, wenn wieder Zuschauer kommen dürfen. Damit rechnet der SCP, genaue Zahlen wollte Huschen nicht nennen. Die Paderborner werden aber mit einem Schnitt von unter 8.000 Fans pro Partie kalkulieren.

Manager Fabian Wohlgemuth und Trainer Steffen Baumgart würden dagegen gerne wieder mehr Geld ins Team stecken, auch der stellvertretende Aufsichtsratschef und Ex-Profi Thomas Sagel soll zu dem Flügel zählen, der das Risiko erhöhen möchte.

Wer sich am Ende durchsetzt? Huschen hat da eine klare Meinung: „Unser Verein ist auch schon mit kleinem Budget aufgestiegen und hat damit gezeigt, dass Erfolg nicht nur nur eine Frage des Geldes ist.“

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