Kommentar zum Chaos bei der Impftermin-Buchung im Kreis Höxter
Fehlstart schwächt Vertrauen

Der Fehlstart der Impfkampagne in NRW hat auch im Kreis Höxter bei der ersten Zielgruppe – den über 80-Jährigen – ebenso wie bei den Angehörigen der Seniorinnen und Senioren für Unmut gesorgt. Tagelange vergebliche Telefonate und Fehlversuche bei der Online-Buchung haben die Menschen sehr verärgert. Dazu ein Kommentar:

Sonntag, 31.01.2021, 11:17 Uhr aktualisiert: 31.01.2021, 17:18 Uhr
Die Seniorinnen und Senioren im Kreis Höxter warten händeringend darauf, geimpft werden zu können. Der Fehlstart der Terminvergabe für die über 80-Jährigen sorgt für viel Unmut.
Die Seniorinnen und Senioren im Kreis Höxter warten händeringend darauf, geimpft werden zu können. Der Fehlstart der Terminvergabe für die über 80-Jährigen sorgt für viel Unmut. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Eines möchte ich vorausschicken: Notorisches Nörgeln ist meine Sache nicht. Ich wache nicht mit Argusaugen darüber, dass staatliche Neuregelungen oder Dienstleistungen sofort „rund“ laufen. In der Corona-Pandemie erst recht nicht. Sie ist ohne Beispiel. Daher konnten die Bundesregierung und die Behörden vor Ort nicht alles richtig machen. Das zu verlangen, wäre unredlich. Und nachher ist man immer schlauer. Der Impfstart für die Ü-80-Jährigen in NRW stellt meinen Langmut jedoch auf eine harte Probe. Telefonisch gleicht das Durchkommen einem Lottogewinn . Die Online-Terminbuchung gerät ebenfalls zur Geduldsprobe. Tagelange Versuche, auch zweigleisig per Telefon und Internet, laufen ins Leere und führen, wenn man endlich durchkommt, in vielen Fällen zu der ernüchternden Auskunft, dass das zuständige Impfzentrum zurzeit leider keine Termine vergeben kann. Dieses Desaster hat viele Bürgerinnen und Bürger – mich, die ich für meine Angehörigen buchen wollte, inklusive – zu Recht auf die Palme gebracht. So kann man in dieser brenzligen Lage keine Impfkampagne (fehl-)organisieren.

Man muss sich mal in die Lage der Seniorinnen und Senioren versetzen. Sie hören und lesen seit Monaten, dass die Impfung für sie lebenswichtig ist. Seit mehr als einem dreiviertel Jahr (!) halten sie sich zum Schutz vor Covid 19 von Freunden, Bekannten und sogar Angehörigen fern. Sie igeln sich zuhause ein. Statt ihre Enkel zu umarmen, halten sie Abstand. Geduldig ertragen sie die Isolation. Dann der Silberstreif am Horizont: Erste Impfstoffe sind zugelassen. Alle Impf-Appelle fallen bei ihnen, der Erst-Zielgruppe der über 80-Jährigen, auf fruchtbaren Boden (das zeigt die große Termin-Nachfrage). Die Senioren stellen die Sorge vor möglichen Nebenwirkungen hintan und ringen sich zur Impfung durch. Sie möchten endlich von der fortwährenden und berechtigten Angst vor Corona befreit werden. Die Mutationen, die ansteckender sind als das Ursprungsvirus, verschärfen diese Angst.

Da kommt so ein Fehlstart bei der Buchung der Impftermine wie eine kalte Dusche. Er kann das Vertrauen in die Impfkampagne empfindlich stören. Es kann passieren, dass ältere Menschen aufgeben und sich doch nicht impfen lassen wollen. Denn zur chaotisch erscheinenden und noch dazu seniorenunfreundlich gestalteten Terminbuchung kommt täglich eine diffuse Nachrichtenlage hinzu. Die Schwierigkeiten bei der Impfstoffbeschaffung machen anhaltend Schlagzeilen. Der AstraZeneca-Impfstoff soll mangels ausreichender Daten nur für unter 65-Jährige eingesetzt werden. Mediale Schreckensszenarien schüren die Angst vor weiteren Mutationen, gegen die die Impfe womöglich nicht wirkt. Und dann das Chaos bei der Impfterminvergabe. Da möchte man am liebsten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen! Bleibt zu hoffen, dass die Senioren trotzdem Kurs halten – damit sie ihre Angehörigen in die Arme schließen und diese so wohltuende menschliche Nähe endlich wieder gefahrlos zulassen können. Die Impfung ist der einzig realistische Weg aus der Pandemie . Unsere Senioren liegen uns am Herzen. Bestärken wir sie darin, sich impfen zu lassen.

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