Di., 19.05.2015

In eigener Sache Stellungnahme zum Artikel »Unsere Töchter schützen«

Bielefeld (WB). Zu der Kolumne »Unsere Töchter schützen«, erschienen am 17. Mai in der zur Unternehmensgruppe WESTFALEN-BLATT gehörenden Sonntagszeitung »OWL am Sonntag«, nimmt unser Haus wie folgt Stellung:

Sollte die Einschätzung der Diplom-Soziologin (*) Barbara Eggert Ihre Gefühle verletzt haben, so bedauern wir das außerordentlich. Wir bitten dafür ausdrücklich um Entschuldigung und versichern, dass uns nichts ferner lag als das. Wir haben Verständnis dafür, wenn beim Lesen insbesondere der kurzen Fassung der Kolumne »Guter Rat am Sonntag« der Verdacht der Homophobie entstehen konnte. Das WESTFALEN-BLATT weist aber zugleich den Vorwurf zurück, der Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit das Wort reden zu wollen. 

Sehr selbstkritisch müssen wir einräumen, dass in der Kolumne so formuliert wird, dass der Text Kritik geradezu herausfordert. Das ist unzweifelhaft eine gravierende journalistische Fehlleistung, die die Redaktion in vollem Umfang zu verantworten hat. Wenn die Rede davon ist, dass die Kinder »verwirrt werden« könnten, dann fehlt zwingend die Erklärung, woraus dies resultieren könnte – nämlich nicht aus dem Besuch einer Hochzeit zweier Männer an sich, sondern dadurch, dass den beiden Töchtern des Ratsuchenden bisher jegliche Aufklärung über Homosexualität fehlt. 

Diese Entscheidung der Eltern ist sicher für sich genommen diskussionswürdig. Wir halten sie mit Blick auf das Alter der Töchter - die Mädchen sind acht und sechs Jahre alt – allerdings durchaus für legitim. Selbstredend kann das jeder Erziehungsverantwortliche für sich selbst und seine Schutzbefohlenen natürlich anders sehen und handhaben. Diese Eltern aber haben für sich so entschieden, und auf dieser Entscheidung wiederum fußt der Rat unserer Autorin.

Barbara Eggert erklärt persönlich: »Hier geht es nicht um meine Weltanschauung oder einen gesellschaftlichen Konflikt, sondern um ein ganz privates, nicht repräsentatives Problem eines verunsicherten Vaters. Ich habe ihm geschrieben, dass seine Kinder vielleicht nicht liberal genug erzogen wurden und ihm geraten, ein offenes Gespräch mit seinem Bruder zu suchen, um seinen Standpunkt zu erklären. Ich bin der Meinung, dass man alle Menschen ernst nehmen und respektieren muss, auch die, und gerade die, die anders denken als man selbst, alles andere würde mir intolerant erscheinen.«

Geradezu absurd ist vor diesem Hintergrund der Verdacht, das WESTFALEN-BLATT empfehle »Kinder von Homosexuellen fernzuhalten«. Dem widerspricht schon das geschilderte Ausgangsszenario seitens des Familienvaters, wonach seine beiden Töchter in gutem Kontakt zu ihrem Onkel stehen. Auch ging es im vorliegenden Fall um eine ganz konkrete Lebenssituation und nicht um eine generelle Handlungsempfehlung. Diese steht uns weder zu noch würden wir sie uns anmaßen.

Ulrich Windolph, Redaktionsleiter WESTFALEN-BLATT

(*) In einer früheren Version der Stellungnahme haben wir Frau Eggert irrtümlich als Psychologin bezeichnet. Richtig ist, dass Frau Eggert Diplom-Soziologin ist.

Der Artikel war aufgrund unterschiedlicher Platzverhältnisse in den verschiedenen Ausgaben in zwei Fassungen erschienen:

Kommentare

Unterschätzte Kinder

Liebes Westfalenblatt, liebe Frau Eggert, lieber Bernhard,
nicht alles was einen Erwachsenen verwirrt, verwirrt auch Kinder. Wir wäre es denn mit folgender einfachen Erklärung:
Der Onkel Franz hat seinen Freund Oskar genauso lieb wie ich die Mama. Und deshalb wollen die beiden heiraten, so wie wir das auch gemacht haben. Das kommt zwar seltener vor, da ist aber nichts schlimmes oder unnormales dran. So in etwa haben das unsere Freunde ihren Kindern erklärt, als sie auf unserer Hochzeit (oder "Verpartnerung" wie es schrecklicherweilse offiziell heißt) waren. Das Patenkind hat sogar die Ringe nach vorne gebracht. Es ware eine schöne Feier, an die ich mich gerne zurückerinnere. Das wünsche ich Bernhard, seinem Freund und den Familienangehörigen auch!
Lieben Gruß vom Niederrhein
JA

@Herr Mackenbrock

Das Grundgesetzt fußt nicht auf der Bibel, es toleriert aber die Religionen sofern diese auch die Würde des Menschen unangetastet lassen dies gilt übrigens auch für homosexuelle Menschen.

Vor kurzen war bei uns im Ort sogar der Präsident homosexueller Pastoren, womit zumindest die evangeliken zeigen das man respektvoll mit Homosexuellen umgehen kann. Man sollte dann auch folgendes machen:

* dem verzehr von meeresfrüchten stellt ein Gräuel da
* mischgewebe bei kleidungsstücken ist ein grund jemanden zu steinigen
* man darf seine tochter in die sklaverei verkaufen
* skaverei ist erlaubt solange es ausländer sind
* man soll leute umbringen die am tag gottes arbeiten.
* todesstrafe fürs rasieren
* steinigung für bauern die zwei saaten aauf einen feld anpflanzen
* man soll leute familär verbrennen die mit ihrer schwiegermutter schlafen

Der Islam hat auch einige dieser Stellen übernommen, und man sieht auch einige andere auschnitte die von manchen besorgten Bürgern aus Suren, koran etc gezogen werden die nicht unbedingt "zivilisiert" sind - aber diese Lebensanweisungen stehen direkt bei der erwähnung der Homosexualität als Gräuel (oder was man als homosexualität interpretiert).

und vieles mehr, glücklicherweise darf man hier niemanden versklaven, oder umbrigen da er die falschen Klamotten trägt, da das grudngesetzt und die gelebte Religion einen doch etwas anderes erlaubt.

Worauf fußt unsere Wertesystem?

In vielen Kommentaren vermisse ich die Toleranz gegenüber Menschen, die z.B. aufgrund ihrer religiösen Wertevorstellung ein Problem mit dem Ausleben homosexueller Neigungen ihre Mitmenschen haben. Das hat nichts mit Homophobie zu tun.Unsere Wertesystem (bis hin zum Grundgesetz) ist durch den Glauben an Gott geprägt. Es ist festzuhalten, dass die bei uns vorherrschenden Glaubensrichtungen (Christentum, Islam, Judentum) das Ausleben homosexueller Neigungen grundsätzlich kritisch sehen. Wollen wir uns an Gottes Willen oder am Zeitgeist orientieren? Ich wünsche mir in unserer Gesellschaft mehr Toleranz gegenüber den Intoleranten.

Warum gilt Hochzeit gleich Sex nur bei Schwulen?

Die halbgare "Stellungnahme", die eigentlich nur ein verzweifelter Versuch ist, sich herauszureden, macht die Sache eigentlich nur noch schlimmer. Auch die persönliche Erklärung der Dame, die angeblich Psychologin ist, ist fachlich daneben. Wie kommt man auf die absurde Idee, man müsste Kinder NUR wegen einer Hochzeit über "sexuelle Orientierung" aufkären? Wie kommt man auf die Idee, DAS würde Kinder "verwirren"? Niemand würde auf die absurde Idee kommen, bei einer heterosexuellen Hochzeit die Kinder beiseite zu nehmen um ihnen zu verkünden: "Hört mal zu liebe Kinder, der Mann und die Frau, die jetzt heiraten, haben später hemmungslosen Sex miteinander. Da wir noch nie über Sex gesprochen haben, ist die Hochzeit nun der Anlass über Sex zu reden.".Das Beispiel zeigt, dass hier etwas in den Köpfen derjenigen Personen schief läuft, die NUR bei Schwulen sofort und immer an Sex denken, während gleichzeitig bei Hetero-Paaren Sex kein Thema ist. Warum werden in den Köpfen der Ewiggestrigen nur Schwule ständig mit Sex in Verbindung gebracht, während Hetero-Paare in deren Weltbild völlig asexuell sind, bestenfalls romantisch verliebt?

Viel Lärm...

...um Nichts! Im Text von Frau Eggert findet sich keine "Homophobie" (was eh nur ein inflationär gebrauchtes Schlagwort ist, dessen Bedeutung die Nutzer überhaupt nicht kennen), auch hat der Ratschlag der Dame nichts mit "Diskriminierung" etc. zu tun. Peinlich ist lediglich der Bückling der Zeitung vor der Schwulen- und Lesbenlobby (von der ich mich als schwuler Mann NICHT vertreten lassen möchte), und peinlich sind auch die unsachlichen Kommentare der meisten User. Wer z. B. den Text von Frau Eggert als "menschenunwürdig" abdisqualifiziert, hat schlicht den letzten Schuss nicht gehört!

Wohl nicht aus Erfahrung gesprochen...

Ob Frau Eggert hier aus ihrer eigenen Erfahrung heraus schreibt ist ziemlich zweifelhaft.
Aus meiner jedenfalls kann ich sagen, dass kein Kind in meiner Verwandt- oder Bekanntschaft über mich und meine damalige Freundin (jetzt Frau) verwirrt war, egal ob 2 oder 12 Jahre alt. Und keines hatte zuvor Kontakt zu Homosexuellen (leider eine schreckliche Formulierung, die nach "Kontakt zu Außerirdischen" klingt). Manche haben es einfach hingenommen und nicht weiter hinterfragt, andere hatten einfache, kindliche Fragen, die leicht zu beantworten waren. Zu bedenken ist, dass Kinder schlichtweg noch nicht "sexuell" denken.

Und ein weiterer Punkt, der mich sehr geärgert hat ist die erste Aussage, es sei für Homosexuelle nicht einfach eine gelungene Hochzeit durchzuführen, die der ganzen Familie gerecht wird.
1. Es ist für NIEMANDEN einfach eine Hochzeit zu feiern, bei denen alle Gäste rundum glücklich sind
2. Von unserer schwärmen nach 4 Jahren noch sehr viele (leider weiß ich nicht, wie es bei allen aussieht, bei 140 Gästen)

Also bitte, lassen Sie doch Ratschläge, die Sie aus einer Vermutung, Meinung oder einem Gefühl heraus geben!

P.S.: Unsere 4 Blumenmädchen (2-7 Jahre alt) waren sehr stolz auf ihren Beitrag!

@Watanabe

Homosexualität als Trend zu bezeichnen ist schon eine Sache für sich, Homosexuelle mit Pädophilen gleichzusetzen ist schon mehr als verwerflich.
Zu ihren "naturgegebenen Normen" bemerke ich nur das Homosexualität in der Natur recht häufig vorkommt. Bei ca. 1500 Tierarten konnte homosexuelles verhalten beobachtet werden.
Natürlich geht es bei einer gleichgeschlechtlichen Ehe um Lebenspartnerschaft - worum soll es denn sonst gehen? Worum geht es denn bei einer "normalen" Ehe wenn nicht um das gleiche? Um Religion? Ums Kinder bekommen? Wenn für sie das der Zweck einer Ehe ist dann tuen sie mir leid.

Es tut körperlich weh beim Lesen

Herr Windolph,
Frau Eggert,
verwirrte Westfalenblatt-People,

nach der großen Schande(!), die sie durch Ihr verkrustetes, längst überholtes, verachtendes und verachtungswürdiges Menschenbild angerichtet haben kommt nun eine Stellungnahme daher, die bei Lesen körperlich weh tut.

Ihr verzweifelter Versucht einer unfassbaren Rechtfertigung, wo wirklich keinerlei "Recht" zu fertigen ist, macht es so schlimm, dass man nur noch schreien möchte.

Wenn die einzige Konsequenz auf diese journalistische Katastrophe und menschenfeindliche Veröffentlichung diese unfassbare Stellungnahme bleibt, bestätigt das ohne Frage Ihre Toleranz homophober Intoleranz.

Das ist eine wortwörtliche Schande! Nicht nur für OWL.

Stefan Freise

191 Kommentare

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