Di., 09.02.2016

Die Deutschen essen angeblich viel zu viel Fleisch Umweltschützer fordern »Gülle-Euro«

Ein Güllewagen auf einem Feld in Mecklenburg-Vorpommern: Deutschland sei »massiv überdüngt«, beklagt der WWF.

Ein Güllewagen auf einem Feld in Mecklenburg-Vorpommern: Deutschland sei »massiv überdüngt«, beklagt der WWF. Foto: dpa

Berlin (dpa). Umweltschützer haben die Verbraucher in Deutschland dazu aufgerufen, ihren Fleischkonsum um die Hälfte zu drosseln. Dies nütze der Gesundheit und auch dem Klimaschutz, sagte die WWF-Referentin Tanja Dräger de Teran mit Blick auf die Fastenzeit.

Auch die Bundesregierung müsse das Thema endlich anpacken. »Um die Produktion von Billigfleisch zu reduzieren, sollte die Regierung eine Abgabe für Landwirte auf Stickstoffüberschüsse prüfen, einen sogenannten Gülle-Euro«, sagte die Vertreterin des WWF.

Zu viel Gülle auf den Feldern führt zur Übersättigung der Böden mit Nährstoffen und verschlechtert die Wasserqualität. Der hohe Fleischkonsum der Deutschen und der nötige Sojaverbrauch für Tierfutter beschleunigen den Ausstoß von Treibhausgasen und den Flächenverbrauch. Zudem regt die WWF-Expertin an, dass zumindest staatlich betriebenen Kantinen vorgeschrieben werden sollte, fleischarm zu kochen. »Auch könnte die Regierung Informationskampagnen starten, um den Fleischverzehr zu drosseln«.

In Deutschland übersteigt der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch mit 88,3 Kilogramm jährlich den weltweiten Durchschnitt um das Doppelte und den Indiens sogar um das 20-fache. Die Viehhaltung ist global für mehr Treibhausgase verantwortlich als alle Autos, Lastkraftwagen und Flugzeuge zusammen.

Auch SPD und Grüne im Bundestag prangern den Fleischkonsum in Deutschland an. Die Sprecherin der Grünen für Tierschutz und Verbraucherpolitik, Nicole Maisch, sagte: Wenn alle Menschen so viel Fleisch äßen wie hierzulande, »bräuchten wir einen zweiten Planeten«. Die Exzesse der Massentierhaltung und Dumpingpreise müssten ein Ende haben. »Ein Kilo Hackfleisch für 3,40 Euro ist pervers.«

Nötig seien schärfere gesetzliche Vorgaben für die Tierhaltung, betonte Maisch. Dies sei aber nicht zum Nulltarif zu haben. Die Preise für Fleischprodukte müssten die soziale und ökologische Wirklichkeit widerspiegeln.

Die Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Christina Jantz, plädierte für einen »Mix aus gesetzlichen Maßnahmen«, zum einen für bessere Haltungsbedingungen, zum anderen zur Unterstützung der Landwirtschaft im Wandlungsprozess. Die Referentin für Welternährung bei Oxfam, Marita Wiggerthale, forderte ebenfalls eine Abkehr von der Massentierhaltung: »Nicht nur aus Gründen des Tierschutzes, sondern auch, weil die Fleischproduktion viel Land frisst und in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht.« Damit in Zukunft alle Menschen auf dem Planeten genug zu essen hätten, könnten die Menschen in reichen Ländern nicht so viel Fleisch essen wie im Moment.

Umweltschützer fordern seit längerem, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Fleischprodukte zu streichen. Alle Lebensmittel werden nämlich gleichermaßen mit nur sieben statt 19 Prozent besteuert. Von einer solchen »Fleischsteuer« hält die SPD-Tierschutzbeauftragte Jantz wenig. Die daraus folgenden höheren Preise könnten zwar die Nachfrage abschwächen. Zu Verbesserungen in der Intensivtierhaltung werde es aber nicht zwangsläufig kommen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3800575?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509674%2F