Naturpark-Serie Teil 8: »Terra.vita« ist nicht nur ein Natur-, sondern auch ein Geopark
Ausflüge in die Erdgeschichte

Osnabrück (WB). »Terra vita« heißt »Lebenslauf der Erde«. Der gleichnamige Naturpark, der Niedersachsen mit Ostwestfalen verbindet, schildert anhand von Ablagerungen, Felsformationen, Fossilien und Bergbaustätten 300 Millionen Jahre Erdgeschichte.

Freitag, 22.09.2017, 08:04 Uhr aktualisiert: 22.09.2017, 08:11 Uhr
Das hügelige Osnabrücker Land sieht nicht nur idyllisch aus, es ist auch ein Spiegel der Erdgeschichte. Foto: Terra.vita
Das hügelige Osnabrücker Land sieht nicht nur idyllisch aus, es ist auch ein Spiegel der Erdgeschichte. Foto: Terra.vita
4000 Kilometer für Radfahrer

»Terra.vita« ist ein Paradies für Radfahrer. Das Streckennetz umfasst 4000 Kilometer. 18 sogenannte Trails bringen die Besucher zu den Hauptsehenswürdigkeiten. Wanderer können auf dem 156 Kilometer langen Hermannsweg gleich durch zwei Naturparks wandern: durch den Naturpark Teutoburger Wald-Eggegebirge und durch »Terra.vita«. Der Wittekindsweg wiederum führt 95 Kilometer lang übers Wiehengebirge von Osnabrück bis zur Porta Westfalica. Weitere Informationen gibt es unter: www.geopark-terravita.de, www.osnabruecker-land.de und www.tecklenburger-land-tourismus.de.

...

»Bei uns ist es nicht so offensichtlich wie beim Grand Canyon, aber dafür haben wir auf kleinstem Raum eine geologische Vielfalt, die ihresgleichen sucht«, sagt Melanie Schnieders. Die Ingenieurin für Landschaftsentwicklung kümmert sich mit ihren sieben Kollegen hauptberuflich um den Naturpark, der immerhin den »Canyon Lengerich« hat – einen Steinbruch, in dem Kalk abgebaut wurde.

»Terra.vita« ist aber nicht nur ein Natur-, sondern auch ein Geopark. »Ein Geopark ist eine Landschaft mit einer großen Vielfalt und großen Zahl an geologischen Höhepunkten«, erklärt Schnieders. Die Weltkulturorganisation hat sechs Regionen in Deutschland den Titel »Unesco Geopark« verliehen, seit November 2015 gehört »Terra.vita« dazu. 1550 Qua­dratkilometer ist der Naturpark groß, 1962 war er gegründet worden und trug damals den etwas sperrigen Titel »Nördlicher Teutoburger Wald-Wiehengebirge«. Damit war das Kerngebiet umrissen.

Mehr als 100 Naturdenkmale

Der Natur- und Geopark reicht von Bielefeld bis Hörstel, von Porta Westfalica bis Osnabrück, von Bramsche bis Herzlake. Das Tecklenburger und Osnabrücker Land gehören genauso zu »Terra.vita« wie Teile der Kreise Minden-Lübbecke und Gütersloh.

Zwei Drittel der Fläche liegen auf niedersächsischem Gebiet – so wie das Naturparkzentrum in Osnabrück. »Alter bis zu 300 Millionen Jahre«: So werben die Verantwortlichen für einen Besuch der Landschaft mit mehr als 100 Naturdenkmalen und geologischen Phänomenen. Dazu gehören Felsformationen, Steinbrüche, Sand- und Tongruben. Die Besucher erleben spektakuläre Erdgeschichte an den Dörenther Klippen bei Ibbenbüren, wo die Natur durch Verwitterung Gebilde wie das »Hockende Weib« schuf. Felsköpfe erheben sich dort aus den etwa 120 Millionen Jahre alten Sandsteinformationen im Teutoburger Wald.

Spuren der Erdgeschichte

Spuren der Erdgeschichte und einer 10.000 Jahre alten Besiedlung finden sich an vielen Stellen im Naturpark: im »Steinernen Meer« aus eiszeitlichen Findlingen auf dem Gattberg bei Belm, im Großsteingrab Hekese bei Restrup, in der Eiszeitlandschaft Ankumer Höhen und in den markanten Felswänden und Steilhängen unter dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica. Nicht zu vergessen die Saurierfährten in Bad Essen-Barkhausen, die von zwei Megalosauriern und Sauropoden stammen.

Durch Verwitterung schuf die Natur das »Hockende Weib« in den Dörenther Klippen.

Durch Verwitterung schuf die Natur das »Hockende Weib« in den Dörenther Klippen. Foto: Bernhard Volmer

Das »ErdZeitCenter« im Kultur- und Heimathaus in Borgholzhausen, das Naturkundemuseum Bielefeld, das Museum am Schölerberg und das Museum Industriekultur ebenfalls in Osnabrück vertiefen das Wissen. Das Besucherbergwerk und Museum Kleinenbremen führt direkt ins Erdinnere.

Höhlentaucher steigen in den mit 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser gefüllten See. Die Landschaft vor unserer Haustür lag lange in einer Senke. An die Zeit des Meeres erinnert das Haifischzentrum »Haitec« in Bippen. Dort, auf den Ankumer Höhen, wurden viele fossile Haifischzähne entdeckt.

27 Aussichtspunkte

Mit der Zeit änderte sich das Bild, der Teutoburger Wald und das Wiehengebirge entstanden. Wie das ablief, wird zum Beispiel durch Hörbeiträge auf 27 Aussichtspunkten erzählt. Kommt bei der Konzentration auf die Erdgeschichte der Aspekt Naturpark zu kurz? Nein, versichern die Verantwortlichen und verweisen auf allein 28 europäische Premiumschutzgebiete (»Natura 2000«).

Die Aussichtsplattform Piesberg bei Osnabrück – der Blick schweift über einen Steinbruch.

Die Aussichtsplattform Piesberg bei Osnabrück – der Blick schweift über einen Steinbruch. Foto: Terra.vita

Etwas Besonderes sind die 1470 Hektar Wald bei Porta Westfalica. In der Region gibt es Schlucht- und Hangmischwälder sowie Alt- und Totholzareale. Die gelb blühenden Wildnarzissen am Südhang des Wittekindsberges sind Raritäten.

Uhus sind Nutznießer

Speziell Uhus fühlen sich im Natur- und Geopark wohl. »Sie sind Nutznießer der Bergbauhistorie«, sagt Schnieders. Uhus verwenden die aufgegebenen Anlagen als »Sekundärbiotope« und brüten in Steinbrüchen und Steilwänden. Im Lebenslauf der Erde verwandelte sich etwas, das Menschen nutzlos erscheint, in einen wertvollen Lebensraum für Greifvögel.

Bereits erschienen

Teil 1: Naturparks – Rückzugsorte für Mensch und Tier

Teil 2: Der Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebrige – Wald macht gesund

Teil 3: Die Eifel – Der einzige Nationalpark in NRW

Teil 4: Der Naturpark Dümmer – Das Moor hat seine Schuldigkeit getan

Teil 5: Der Naturpark Arnsberger Wald – Wie ein grünes Meer

Teil 6: Der Naturpark Diemelsee – Wo der Diemelsee glitzert

Teil 7: Das Sauerland-Rothaargebirge – Groß sind nicht nur die Bruchhauser Steine

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5164929?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509674%2F
Kramer und das schwere Erbe
Der neue Trainer gibt die ersten Anweisungen: Frank Kramer erklärt den DSC-Profis anhand einer Taktiktafel seine Vorstellungen.
Nachrichten-Ticker