Sa., 25.11.2017

Freie Demokraten wählen 47-Jährigen als Nachfolger von Christian Lindner Stamp ist Landesparteichef der NRW-FDP

»Jetzt machst du es«: Christian Lindner (links) mit seinem Nachfolger Joachim Stamp als Landesparteichef der FDP.

»Jetzt machst du es«: Christian Lindner (links) mit seinem Nachfolger Joachim Stamp als Landesparteichef der FDP. Foto: dpa

Von Hilmar Riemenschneider

Neuss (WB). Noch keinen Ton hat Christian Lindner gesagt – und dennoch erntet der FDP-Chef stehende Ovationen. Es werden nicht die letzten sein an diesem Samstag in Neuss: Der 38-Jährige Spitzenliberale gibt an diesem Tag die Führung der Landespartei in die Hände seines »Kronprinzen« Joachim Stamp. Auch wenn sie Lindner auf Händen tragen, es wird spannend, ob die Freien Demokraten ihm auch hier folgen.

Für die NRW-FDP ist ein Wechsel an der Spitze nach fünf Jahren zwar kein Ende einer Ära, aber ein spürbarer Schnitt. Früher als geplant hat Christian Lindner den Posten des Landesvorsitzenden frei gemacht: Als neuer Parteichef steht nun Joachim Stamp, Vize-Ministerpräsident in NRW sowie Minister für Familien und Flüchtlinge, an der Spitze. Beim Sonderparteitag in am Samstag in Neuss geben ihm 349 von 379 Delegierten ihr Vertrauen, das sind 92,82 Prozent.

Nachdem lange die gescheiterten Jamaika-Gespräche die Agenda bestimmen, lenkt Stamp den Blick auf die Landespolitik. Er skizziert das Regierungsprogramm, stellt sich ins Team der Minister: »Am Ende muss einer die Verantwortung tragen, dazu bin ich bereit.« Als Generalsekretär soll Johannes Vogel im Amt bleiben.

Keine Kritik am Abbruch der Jamaika-Sondierung

Der Parteitag war so nicht geplant. Christian Lindner strebte eigentlich einen geregelten Übergang im nächsten Frühjahr an. Eigentlich. Aber die Bundespolitik fordert ihn mit Haut und Haar.

In der Stadthalle in Neuss muss man Kritiker am Abbruch der Jamaika-Sondierung mit der Lupe suchen. Lindner muss sich nicht verteidigen. »In den Medien ist Jamaika zu einem riomantischen Sehnsuchtsort verklärt worden«, sagt er in eine Kunstpause und fügt dann süffisant an: »Wir waren da.« Applaus und Gelächter.

Entfernung statt Annäherung

Statt sich über vier Wochen anzunähern, hätten sich CDU, CSU, Grüne und FDP mehr von einander entfernt. Bei der Zuwanderung wäre eine Einigung möglich gewesen, konstatiert Lindner mit dickem Lob an Stamp. Nicht aber bei der Abschaffung des Soli, bei einer an Versorgungssicherheit orientierten Klimapolitik, bei der Aufhebung des Kooperationsverbotes.

»Der Bund hätte Schulen in Botswana und Burundi bauen können, nicnt aber in Neuss oder Nürnberg«, rügt der scheidende Landeschef. Dass drei Parteien eine Einigung sahen, die FDP aber nicht, bedeute schlicht: »Unsere Position wurde überhaupt nicht ernst genommen.« Es müsse aber erst die Haltung stimmen, bevor Dienstwagen verteilt würden.

Freien Demokraten sind »nichts für schwache Nerven«

In dieser Einstellung sei die NRW-FDP auch 2012 in die Neuwahlen gestartet, als ihnen niemand mehr etwa zugetraut habe, erinnert Lindner an seinen Start an der Spitze der Landespartei. Für ihn zeigen die schwierigen Sondierungen für Jamaika, dass die AfD-Kritik an austauschbaren Positionen der »Traditionsparteien«, wie Lindner sie nennt, eben nicht stimme.

Trotzdem sei eine Mitgliedschaft in der FDP »nichts für schwache Nerven«. Er sei stolz, dass der Landesverband jetzt 17.000 nervenstarke Mitglieder zähle. Zum Schluss muss Lindner seine Stimme kontrollieren, bevor er seinen letzten Satz sagt: »Ohne euch wäre ich, wären die Freien Demokraten nichts, vielen Dank.«

 

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