Sa., 17.03.2018

Kongress in Münster »Heimat ist nicht angestaubt«

NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach lud Heino, im Gespräch mit Robert Vornholt (links), nach Münster ein.

NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach lud Heino, im Gespräch mit Robert Vornholt (links), nach Münster ein. Foto: Winfried Gerharz

Von Elmar Ries

Münster (WB). Über fünf Stunden haben sich am Samstag mehr als 500 Vertreter von Heimatvereinen und vergleichbaren Initiativen und Organisationen in Münster zu einem Kongress getroffen, um ihr Engagement zu diskutieren, sich auszutauschen, voneinander zu erfahren, zu lernen und sich stärker zu vernetzen.

Wichtig dabei war, »nicht nur in den Rückspiegel zu gucken, sondern den Blick vielmehr auf die Gegenwart und Zukunft zu richten«, sagte der Vorsitzende des Westfälischen Heimatbundes, Matthias Löb. Denn nur so sei etwas Wichtiges erreichbar: Den bisweilen fremdelnden Umgang mit dem Thema Heimat perspektivisch in das zu überführen, was er eigentlich sein sollte: völlig normal.

Heino als Überraschungsgast

Zur Überraschung aller hatte NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) einen besonderen Gast nach Münster eingeladen. Heino, 79 Jahre alt und doch jung gebliebener Volksliedsänger aus Bad Münstereifel, der sich neuerdings als einer von über 40 Heimatbotschaftern Nordrhein-Westfalens engagiert. »Die Ikone der Volksmusik«, wie ihn der Moderator der Veranstaltung, Dr. Norbert Tiemann, angekündigt hatte, sang zwar nicht, warb aber für das deutsche Liedgut, »weil das ja auch immer ein Stück Heimat ist«.

Heimat, das war eine Quintessenz der Veranstaltung, ist nichts Statisches, »weil Heimat immer individuell ist«, wie Scharrenbach betonte. Darum verzichtet ihr Ministerium auch bewusst auf eine Definition. Denn wer den Begriff festlegt, grenze aus, nicht ein. Und letztlich sei »Heimat für alle da«. Heimat sei ein Wort für »die Sehnsucht nach dem Verlorenen«, erklärte der Literat Burkhard Spinnen in seinem Beitrag.

Und Heimat, und vor allem das, was in ihrem Namen geschieht, ist viel bunter, zukunftsorientierter, jünger und vor allem lebendiger, als man meint, wenn man an Heimatvereine denkt. Das war die zweite Lektion dieses Tages.

Wie Kinder und Jugendliche begeistern?

In fünf Foren diskutierten die Teilnehmer ihre Themen. Dabei ging es um Fragen, wie sie Kinder und Jugendliche für ihre Arbeit begeistern können. Oder welche Rolle das Ehrenamt beim Erhalt von Denkmälern und Kulturlandschaften spielt. Oder wie durch das Engagement vieler Lebensqualität in Städten und Dörfern ganz allgemein gesteigert werden kann. Oder – sehr zukunftsorientiert – wie Heimatvereine als Brückenbauer bei der Integration von Migranten mithelfen und darüber hinaus grenzüberschreitend aktiv werden können. Immer gab es einen Verein, der mit einem positiven Beispiel aufwarten konnte.

Heimat, das machte die Ministerin deutlich, ist kein Thema aus der Klamottenkiste der Geschichte. Nicht umsonst stellt ihr Haus 100 Millionen Euro zur Verfügung, mit der künftig Heimat-Projekte auf lokaler Ebene schnell und vor allem unbürokratisch gefördert werden können.

Es war Matthias Löb vom Westfälischen Heimatbund, der ein paar Tropfen Wasser in den Wein goss, indem er eine stärkere Einbindung der Arbeitsebene in die Pläne des Ministeriums forderte. »Wir wollen nicht nur Stichwortgeber sein«, sagte er am Rande der Veranstaltung. Aus seiner Sicht müssten die Heimatvereine, oder zumindest doch ihre Dachorganisationen »als Partner auf Augenhöhe« in das neue Engagement eingebunden werden. »Da hätte ich mir gewünscht, dass wir mehr gefragt werden«, sagte er.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5598243?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509674%2F