Di., 08.05.2018

Thomas Middelhoff blickt vor seinem 65. Geburtstag auf ein Leben mit Höhen und Tiefen Topmanager, Häftling, Buchautor

Thomas Middelhoff bei einem Gesprächstermin Mitte April in Hamburg. Am kommenden Freitag wird der frühere Top-Manager 65. Nach Höhen und Tiefen spricht er nun von einem neuen Leben, das »aufregend« und »beglückend« sei.

Thomas Middelhoff bei einem Gesprächstermin Mitte April in Hamburg. Am kommenden Freitag wird der frühere Top-Manager 65. Nach Höhen und Tiefen spricht er nun von einem neuen Leben, das »aufregend« und »beglückend« sei. Foto: dpa

Von Erich Reimann

Hamburg (dpa/WB). Nach der Haftentlassung und dem Start in ein neues Leben zeigt sich der frühere Top-Manager Thomas Middelhoff abgeklärt:  »Reichtum ist überhaupt nicht wichtig. Das kann ich guten Gewissens sagen. Als ich ein ordentliches Vermögen hatte, war ich kein glücklicherer Mensch als heute«, sagt er. Am Freitag wird Middelhoff 65.

Er sollte wissen, wovon er spricht. Middelhoff hat in seinem Leben Höhen und Tiefen erlebt, wie nur wenig andere Firmenlenker.

Er war einer der einflussreichsten Manager Deutschlands, erst als Chef des Gütersloher Bertelsmann-Konzerns von Ende 1998 bis Mitte 2002, dann als Vorstandsvorsitzender des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor von Sommer 2004 bis Anfang 2009. Middelhoff lebte ein Leben im Luxus mit Villa im südfranzösischen Nobelort St. Tropez und millionenteurer Luxusjacht.

Absturz von epischer Dimension

Und er erlebte nach der Pleite von Arcandor einen Absturz von epischer Dimension: Die Verurteilung zu einer dreijährigen Haftstrafe wegen Untreue zu Lasten des Handelskonzerns, den Verlust seines Vermögens durch eine Privatinsolvenz, die Scheidung nach 45 Ehejahren und eine schwere Krankheit.

Knapp ein halbes Jahr nach der Haftentlassung wirkt Middelhoff bei einem Treffen dennoch alles andere als unglücklich. Der Manager hat nach dem Gefängnisaufenthalt ein neues Leben begonnen. In Hamburg statt Bielefeld.

Mit einer neuen Lebensgefährtin und einem neuen Lebensentwurf: Middelhoff der Schriftsteller, der Vortragsreisende und vielleicht bald auch wieder der Unternehmensberater.

Zweites Buch in Arbeit

Bereits in der Haft hatte der Manager seine Gefängniserfahrungen zu einem ersten Buch »A 115 – Der Sturz« verarbeitet, das im Herbst 2017 erschien. Jetzt schreibt er an seinem zweiten Werk, einem Wirtschaftskrimi , bei dem er auch seine Erfahrungen aus den Chefetagen einfließen lassen will, erzählt Middelhoff bei dem Treffen in einem kleinen italienischen Restaurant in der Nähe der Außenalster. Und fügt dann noch hinzu, er habe schon immer Bücher schreiben wollen.

Außerdem hält er in Kirchengemeinden und an Universitäten Vorträge über seine Erfahrungen. Selbst an seinem Geburtstag will er beim Katholikentag in Münster auf dem Podium sitzen und über das Thema »Meinen Frieden finden« diskutieren. Gleichzeitig setzt sich Middelhoff vehement für eine Justizreform ein.

Hätte er nicht den totalen Zusammenbruch erlebt, wäre er heute wohl »ein gelangweilter Multi-Aufsichtsrat«, spekuliert Middelhoff. Stattdessen schreibe er jetzt Bücher, halte Vorträge und rede viel mit jungen Menschen. »Ich finde das wahnsinnig spannend«, sagt er. »Das ist ein völlig anderer Lebenszuschnitt.«

Laufendes Insolvenzverfahren bremst Tatendrang

Doch trotz aller Aufbruchsstimmung: Das alte Leben lässt den Manager nicht ganz los. Noch wird er in seinem Tatendrang gebremst vom laufenden Insolvenzverfahren, bei dem er den größten Teil seiner Einkünfte an die Gläubiger abgeben muss. Planmäßig würde es bis 2021 dauern.

Middelhoff hofft aber, in den nächsten Monaten mithilfe eines sogenannten Insolvenzplans eine Einigung mit den Gläubigern erzielen zu können , die ihn schon bald von weiterern Zahlungsverpflichtungen befreit. Ein derartiger »Vergleich« setzt allerdings voraus, dass die Gläubiger am Ende besser dastehen, als ohne eine solche Regelung. Irgendjemand aus Middelhoffs Umfeld müsste also wohl noch einmal tief in die Tasche greifen, um eine Einigung zu ermöglichen.

Forderungen von 415 Millionen Euro

Die rund 50 Gläubiger haben nach Angaben von Insolvenzverwalter Thorsten Fuest insgesamt Forderungen von 415 Millionen Euro angemeldet. Anerkannt worden sind bislang allerdings nur Forderungen in Höhe von 45 Millionen. Dem stehen vom Insolvenzverwalter sichergestellte Mittel in Höhe von 11,5 Millionen gegenüber – unter anderem aus einem Pfändungsteil von Middelhoffs Betriebsrente sowie einem Vergleich mit dem Bankhaus Sal. Oppenheim. Verkauft wurde auch seine Arbeitsvilla in Bielefeld.

Middelhoff hat in den vergangenen Jahren zweifellos sehr viel verloren. Dennoch wirkt er nicht verbittert. »Wenn ich zurück­gucke, sage ich nicht, was hat man mir weggenommen, sondern was habe ich alles gehabt und was habe ich gestalten dürfen«, sagt er.

Gefragt, was das Beste an seinem neuen Leben ist, gerät Middelhoff sogar einen Moment lang ins Schwärmen: »Dass es beglückend ist, dass es aufregend ist, und ich noch nicht genau absehen kann, wohin es geht, aber ich das Gefühl habe, es wird richtig gut.«

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