So., 15.07.2018

Folge 3 – NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will schnelle Umsetzung »Digitalisierung ist kein Selbstzweck«

Yvonne Gebauer (FDP) ist seit einem Jahr Schulministerin von NRW.

Yvonne Gebauer (FDP) ist seit einem Jahr Schulministerin von NRW. Foto: imago

Düsseldorf (WB). Alle Parteien sind sich einig, dass von der Digitalisierung der Schulen die berufliche Zukunft der nächsten Generationen abhängt. Darüber haben Lukas Brekenkamp und Andreas Schnadwinkel mit NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) gesprochen.

Warum ist die Digitalisierung der Schulen so wichtig?

Yvonne Gebauer: Die Digitalisierung wird unser Leben sowohl im Beruf als auch in der Freizeit immer weiter verändern. Und sie ist auch in unsere Schulen eingezogen. Hier setzen wir an mit unserer Digitalisierungsoffensive: Wir gehen die notwendigen Schritte, damit die Schulen den digitalen Anschluss nicht verlieren und unsere Schülerinnen und Schüler im internationalen Vergleich keinen Nachteil haben. Wir benötigen digitale Bildung, die unsere Schüler bestmöglich auf die berufliche Zukunft vorbereitet.

Digitale Technikfreaks gegen analoge Handschriftverfechter: Empfinden Sie die Digitalisierung der Schulen zuweilen als Kulturkampf?

Gebauer: Der Begriff trifft insofern zu, als es sich beim Umgang mit der Digitalisierung um eine neue Kulturtechnik handelt, nämlich die des 21. Jahrhunderts. Darauf müssen wir gleichermaßen Schüler und Lehrkräfte vorbereiten, indem wir sie entsprechend aus- und fortbilden. Natürlich dürfen wir die tradierten Kulturtechniken Lesen, Rechnen und Schreiben im Zuge der Digitalisierungsoffensive nicht vernachlässigen. Im Gegenteil: Besonders an den Grundschulen wollen wir einen Schwerpunkt darauf legen.

Kann die Digitalisierung der Schulen erst richtig funktionieren, wenn eine Lehrergeneration an die Schulen kommt, die digital aufgewachsen ist?

Gebauer: Das denke ich nicht, denn viele Maßnahmen greifen schon jetzt. Zudem werden wir eine Fortbildungsoffensive für Lehrerinnen und Lehrer starten. Es ist richtig: In einigen Bereichen befinden wir uns gerade in einem Übergang von analog zu digital. Trotzdem müssen wir keine ganze Generation warten, da wir natürlich alle jetzigen Lehrkräfte zu digitalen Wegweisern für unsere Schülerinnen und Schüler machen wollen. Die nächste Lehrergeneration wird im Umgang mit digitalen Medien allerdings ein anderes Selbstverständnis haben.

Gibt es bei der Digitalisierung feste Ziele, die in den nächsten Jahren erreicht werden sollen?

Gebauer: Die drei Handlungsfelder unserer Digitalstrategie sind Qualifizierung der Lehrkräfte, eine digitale Ausstattung unserer Schulen und die Vermittlung von Medienkompetenzen. Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Wir wollen den Unterricht qualitativ verbessern und stärker auf die Bedürfnisse der einzelnen Schüler eingehen.

Ist die Ausbildung der Lehrer die größte Herausforderung auch im Hinblick darauf, dass im Unterricht programmiert werden soll?

Gebauer: Bei den ersten beiden Digitalkonferenzen konnte man die Aufbruchstimmung der Schulen spüren. Alle warten darauf, dass es jetzt losgeht, und vieles wurde bereits mit viel Eigeninitiative umgesetzt. Unser Ziel ist natürlich, dass die Schulen die erforderlichen Rahmenbedingungen und bestmögliche Unterstützung bekommen. Zudem ist es auch unsere Aufgabe, dass Schulen sich untereinander über ihre Erfahrungen austauschen können. Die Herausforderung wird es nun sein, all diese Prozesse schnell und gleichzeitig zu koordinieren.

Reicht das Geld?

Gebauer: Es sind rund sechs Milliarden Euro im System: Zwei Milliarden Euro über das Förderprogramm »Gute Schule 2020«, 1,1 Milliarden Euro über das Kommunal-Investitions-Fördergesetz, 609 Millionen Euro über die Schul- und Bildungspauschale und Mittel aus dem Digitalpakt der Bundesregierung. Hier bin ich im guten Austausch mit Bundesbildungsministerin Anja Karli­czek, um das Beste für Nordrhein-Westfalen zu erreichen. Geld ist also vorhanden. Es kommt darauf an, dass dieses Geld so schnell wie möglich in den Kommunen ankommt. Gleichzeitig erwarte ich, dass die Kommunen die bereitgestellten Mittel auch tatsächlich abrufen. Im vorigen Jahr haben wir gesehen, dass es hier Schwierigkeiten gab. Deswegen haben wir zusammen mit dem Wirtschafts- und Digitalministerium in den fünf Regierungsbezirken die »Geschäftsstellen Gigabit NRW« eingerichtet. Sie unterstützen und beraten die Kommunen beispielsweise bei der Beantragung von Fördermitteln. Es darf nicht sein, dass Lehrer nach einer Fortbildung ihr Wissen nicht an die Schüler weitergeben können, weil die letzten 100 Meter Leitung fehlen.

Die FDP hat mit dem Slogan »Das Digitalste in der Schule dürfen nicht die Pausen sein« Wahlkampf gemacht. Warum gibt es Bedenken dabei, die Schüler im Unterricht ihre privaten Geräte nutzen zu lassen?

Gebauer: Ich habe gerade erst ein Berufskolleg besucht, an dem die Schüler ihre eigenen Endgeräte im Unterricht nutzen. Mittlerweile arbeiten viele mit »Bring your own device« (Bring Dein eigenes Gerät mit). Das kann vorübergehend eine gute Maßnahme sein. Zukünftig wollen wir natürlich, dass allen Schülern digitale Endgeräte an ihrer Schule zur Verfügung stehen. Das ist auch eine Frage der Chancengerechtigkeit.

Touchscreen statt Kreidetafel: Kann man in der Debatte den Eindruck haben, dass es mehr um die Oberfläche und weniger um die Inhalte geht?

Gebauer: An erster Stelle muss die Frage stehen, wie der Mehrwert der Digitalisierung für die einzelnen Schulen optimal genutzt werden kann. Darüber muss sich jede Schule im Rahmen eines Medienkonzeptes verbindlich Gedanken machen. Dabei gehen die Schulen ganz unterschiedliche Wege. Unser Medienkompetenzrahmen bietet hier für die Schulen die nötige Orientierung. An erster Stelle muss die Frage stehen, welchen Mehrwert die Digitalisierung für die Schule hat. Darüber muss sich jede Schule im Rahmen eines Medienkonzeptes Gedanken machen. Das ist das A und O. Und dabei gehen die Schulen ganz unterschiedliche Wege.

Wann sind Sie bei der Digitalisierung der Schulen da, wo Sie hin möchten?

Gebauer: Wir müssen zügig arbeiten, denn im Vergleich zu anderen Ländern haben wir viel aufzuholen und dürfen keine Zeit verlieren. Deswegen muss alles jetzt beginnen und gleichzeitig geschehen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2016 waren nur 13 Prozent der Schulen in NRW an ein leistungsfähiges Netz angeschlossen. Diesen Wert wollen und werden wir erheblich steigern.

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