Do., 26.07.2018

Bis zu 38 Grad in NRW – Wetterdienst erwartet für Samstag Regen und Hagel in OWL Es wird heißer und heißer

NRW steuert auf die bislang heißesten Tage des Jahres zu, die Temperaturen klettern immer höher.

NRW steuert auf die bislang heißesten Tage des Jahres zu, die Temperaturen klettern immer höher. Foto: dpa

Essen/Offenbach (dpa). Mit Höchsttemperaturen von bis zu 38 Grad erwartet Nordrhein-Westfalen seinen vorerst heißesten Tag des Jahres.

Laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) soll es am Freitag vor allem im Raum Düsseldorf, Köln und Duisburg besonders heiß werden.

In den Mittelgebirgen werden Spitzenwerte von 34 Grad erreicht, in den tieferen Lagen bis zu 36 Grad. Nach Angaben des DWD können sich am Nachmittag vereinzelt Wärmegewitter vom Niederrhein in Richtung Eifel bilden. Örtlich sei Starkregen möglich.

Duisburg: Mit Hut und T-Shirt vor der Sonne geschützt paddelt ein Badegast über den Masurensee der Sechs-Seen-Platte. Foto: dpa

Die Waldbrandgefahr sei dennoch unverändert hoch. Der lang ersehnte Regen ist nahezu ausgeschlossen, sagte eine Meteorologin. Betriebe, Landwirte und Kommunen stelle sich so gut es geht auf die Sommerhitze ein.

Ein Überblick zur aktuellen Lage in NRW, Deutschland und den Nachbarn:

Fahrgäste müssen aus defektem Zug evakuiert werden

Bei brütender Hitze mussten in Essen hunderte Fahrgäste auf einem defekten Zug evakuiert werden. Nach Angaben der Bundespolizei ist der Zug einer Privatbahn kurz nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof wegen eines Motorschadens am späten Donnerstagnachmittag liegengeblieben. Vier Erwachsene und ein Baby seien wegen Kreislaufbeschwerden von einem Notarzt behandelt worden. Eine Weiterbehandlung im Krankenhaus sei aber nicht erforderlich gewesen, so die Polizei.

Nach einem Online-Bericht der »WAZ« berichteten Fahrgäste, dass es extrem heiß in dem Zug gewesen sei und die Klimaanlage nicht funktioniert habe. Fahrgäste hätten sich gegenseitig mit Wasser ausgeholfen. Zwei Stunden nach der Abfahrt in Essen wurde der Zug laut dem Zeitungsbericht evakuiert.

Dutzende Hektar Wald brennen bei Potsdam

In der Nähe des Autobahndreiecks Potsdam steht ein größeres Waldstück in Flammen. Die Polizei sperrte die Autobahn A9 vom Autobahndreieck in Richtung Leipzig, was zu langen Staus führte. Die Staus zogen sich bis zur Autobahn 2, die Magdeburg mit Berlin verbindet. Rauchschwaden zogen über die Fahrbahn und der Weg sollte für die Einsatzkräfte freigehalten werden. Bei dem Waldbrand stehen mehrere Dutzend Hektar Kiefernwald in Flammen. Rund 200 Feuerwehrleute versuchen, das Feuereinzudämmen und die Ortschaft Fichtenwalde zu schützen.

Bei Potsdam stehen mehrere Hektar Wald in Flammen. Foto: dpa

Kraftwerke drosseln Stromproduktion

Die Hitzewelle auch hat Folgen für die Stromproduktion in Deutschland: Erste Kraftwerke beginnen, die Leistung zu drosseln. Der Essener Kraftwerksbetreiber Steag beispielsweise hat die Leistung seines Steinkohlekraftwerks in Bergkamen im Ruhrgebiet heruntergefahren, wie ein Unternehmenssprecher am Donnerstag in Essen sagte. Die Außentemperaturen seien so hoch, dass die Anlage nicht mehr ausreichend gekühlt und deshalb nicht mit Volllast betrieben werden könne.

Starker Regen und Hagel am Samstag in Ostwestfalen?

Dagegen erwartet der Deutsche Wetterdienst für Samstag in NRW eine nasse Abkühlung von oben: »Es wird wahrscheinlich wieder irgendeinen Ort geben, der keinen Tropfen abbekommt. Aber eigentlich zieht die Regenfront von Westen her quer über das Land«, sagt Meteorologe Thomas Gerwin. Mit starkem Regen und Hagel rechnet Gerwin vor allem in Ostwestfalen, am Sonntag wird es dann nach seiner Prognose landauf, landab wieder heiter, weitgehend niederschlagsfrei und vor allem leicht kühler. »Gehen die Werte von 38 auf 27 Grad hinunter, kann man ja schon fast von einem Temperatursturz sprechen.«

Unfall nach Schwächeanfall

In Spenge erlitt eine Autofahrerin aufgrund der Hitze am Donnerstag während der Fahrt einen Schwächeanfall. Sie kam daraufhin von der Fahrbahn ab und überschlug sich mit ihrem Mercedes.

Mal was zur Gewitter-Statistik

In Bonn blitzte es relativ selten: Die Bundesstadt gehört nach einem am Donnerstag veröffentlichten bundesweiten Ranking zu den Orten mit der geringsten Blitzdichte. 2017 gab es dort 0,18 Blitzeinschläge je Quadratkilometer, teilte der Siemens Blitz-Informationsdienst mit.

In Nordrhein-Westfalen insgesamt sind laut dieser jüngsten Auswertung im vergangenen Jahr 32.673 Blitze eingeschlagen. Statistisch sind das 0,96 Blitze pro Quadratkilometer Landesfläche. Damit nimmt NRW den elften Rang unter den Bundesländern 2017 ein. Ein Jahr zuvor war NRW noch auf dem zweiten Platz. Blitzreichstes Bundesland war diesmal Sachsen. Am seltensten schlugen Blitze 2017 in Bremen ein.

Polizei gießt Bäume

Die Polizei in Wuppertal gießt die Straßenbäume mit einem Wasserwerfer. Ein Einsatz habe am Donnerstagvormittag im Stadtteil Barmen begonnen, sagte eine Polizeisprecherin. Das Fahrzeug fasst 10.000 Liter. Laut Polizei ist es das erste Mal in diesem Jahr, dass ein Wasserwerfer wegen großer Hitze in NRW eingesetzt wird. Zuerst hatte die »Rheinische Post« berichtet.

Das Angebot kam von der Polizei selbst: »Das ist für uns natürlich großartig«, sagte eine Sprecherin der Stadt Wuppertal. Die Hitze sei extrem. »Die Straßenbäume haben es wirklich bitter nötig.« Sie stünden alleine und könnten sich deshalb gegenseitig keinen Schatten wie im Wald spenden. Bereits seit Montag gießt auch die Feuerwehr in Wuppertal Straßenbäume - jeden mit 80 bis 100 Litern, sagte sie.

Wuppertal: Ein Wasserwerfer der Polizei bewässert Bäume auf dem Mittelstreifen einer Straße. Foto: dpa

Hitzefrei auf dem Amt

Die anhaltende Hitze hat diverse Ämter und Behörden in Nordrhein-Westfalen veranlasst, angesichts der anhaltend hohen Temperaturen ihre Öffnungszeiten zu ändern. So schließen die Arbeitsagenturen und Jobcenter im Kreis Heinsberg schon um 15 Uhr. Eine Beratung in den nicht klimatisierten Räumen sei den Kunden bei Raumtemperaturen über 35 Grad nicht zuzumuten, teilte die Behörde mit.

Das Rathaus in Uedem am Niederrhein startet bis zum Ende der Hitzeperiode täglich etwas früher um 7.30 Uhr und hat durchgehend bis 13 Uhr geöffnet. Der Grund: Es gibt keine Klimaanlage, die die Raumtemperaturen am Nachmittag senken könnte. »Sie können lüften wie sie wollen, sie kriegen die 34 Grad nicht mehr aus dem Gebäude raus. Das kann ich meinen Mitarbeitern nicht zumuten«, sagte Uedems Bürgermeister Rainer Weber am Donnerstag.

In Viersen bleibt die Stadtbibliothek ebenfalls am Nachmittag geschlossen. Die Stadt Hamm beendet die Wochenmärkte während der Hitzeperiode schon um zwölf Uhr.

  Foto: dpa

Natur: Sorge um Rhein

Besorgniserregender ist dagegen das Wasser im Rhein : Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Nordrhein-Westfalen hat vor steigenden Temperaturen im Rhein und seinen Nebenflüssen gewarnt.

Auch ein großes Fischsterben ist laut Experten kaum noch abzuwenden. »Ich rechne schon nächste Woche mit der Tragödie«, sagte der Geschäftsführer des schweizerischen Fischereiverbandes, Philipp Sicher. Zwischen Schaffhausen und dem Untersee westlich des Bodensees müsse mit tausenden toten Fischen gerechnet werden.

Der Rhein habe dort schon 25 Grad Wassertemperatur. 27 Grad sei für die Fische tödlich. Auf Schweizer Seite seien in den vergangenen Wochen etwa an Zuflüssen kälterer Bäche sechs Kaltwasserbecken als Zufluchtsort für die Fische ausgebaggert worden. Mehr könne man nicht tun.

Erschöpfte Pelikane, Duschen im Kuhstahl, plantschen im Gehege

Für Tiere kann die brütende Hitze zur Qual werden. Bei Temperaturen um die 44 Grad erlitten in der mexikanischen Stadt Mexicali mehrere Pelikane einen Hitzschlag. Wie die Zeitung »Milenio« am Donnerstag berichtete, seien die Tiere laut der Bundesbehörde für Umweltschutz dehydriert, schwach und verwirrt gewesen. Acht Pelikane wurden in den örtlichen Zoo gebracht, um sie dort aufzupäppeln, wie die Behörde mitteilte. Sie sollten später wieder freigelassen werden.

»Die Kühe sind zur Zeit extrem gestresst«, sagt der Aachener Landwirt Hubert Grooten. Eine Kuh war unlängst so erschöpft, dass sie nicht mehr aufstehen wollte. Der Landwirt hat sie mit kaltem Wasser abgewaschen und so gekühlt.

Kuhdusche. Foto: dpa

Und auch in Belgien ist’s heißt: Die Kutschpferde in Brügge haben deshalb am Donnerstag Hitzefrei bekommen. »Zwischen zwei und fünf Uhr nachmittags werden die Pferde nicht arbeiten, denn da ist es am wärmsten«, sagte eine Mitarbeiterin des Kutschverleihs.

Sachsen-Anhalt, Magdeburg: Tiger »Stormi« genießt sein Fressen im Pool seines Freigeheges. Foto: dpa

Festivals und Konzerte

Die Organisatoren des Musikfestivals »Juicy Beats« in Dortmund bereiten sich auf die heißen Temperaturen am Wochenende vor. »Es gibt doppelt so viele Wasserstellen wie sonst«, sagt Marie Maring, Sprecherin des Kulturservice Ruhr. »Dort können sich die Besucher gratis Wasser abfüllen, genauso wie an den Bierständen.« Auch kostenlose Sonnencreme werde verteilt.

Auch das Pyro-Spektakel am Parklichter-Samstag im Kurpark Bad Oeynhausen soll trotz Hitze und Trockenheit stattfinden.

Zu warm war es indes für viele der 80.000 Besuchern beim Konzert von Superstar Ed Sheeran in Hamburg. Rund 330 Musikfans wurden bei schwülem Wetter mit Kreislaufproblemen behandelt, wie ein Sprecher der Hamburger Feuerwehr sagte.

Wasser: Immer einen Puffer

Die Wasserversorger geben Entwarnung, es gibt keine Einschränkungen . Die Talsperren sind gut gefüllt, wie eine Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände in NRW auf Anfrage mitteilt. Mit dem Wasser sparsam umzugehen sei grundsätzlich eine sinnvolle Idee, es gebe aber immer einen Puffer, sodass es zur Zeit nicht an Wasser mangele.

Niedersachsen, Laatzen: Eine Frau steht mit einer Gießkanne in einem Garten und gießt Pflanzen. Foto: dpa

Patienten: Vier bis fünf Liter

Das Universitätsklinikum Düsseldorf verzeichnet in seiner Notaufnahme zwar nicht deutlich mehr Menschen, die mit Kreislaufproblemen kommen. Dennoch sei zur Vorsicht aufgerufen bei den heißen Temperaturen, sagt Sprecher Stefan Dreising. »Man sollte sehr achtsam mit dem eigenen Körper sein und Warnsignale wie Schwindel oder Übelkeit ernst nehmen.«

Vier bis fünf Liter Flüssigkeit am Tag seien bei dem Wetter ideal. Außerdem gilt es, die pralle Sonne zu vermeiden. »Am besten man nimmt sich ein Beispiel an der Siesta aus den südeuropäischen Ländern und verbringt, wenn es möglich ist, die Zeit zwischen elf und 15 Uhr drinnen«, sagt Dreising. Luftige und lange Kleidung sowie eine Kopfbedeckung können draußen vor der Sonne schützen.

Friedhöfe: Grablichter-Verbot

Auch auf Friedhöfen kann jeder Funke gefährlich werden. In Bielefeld löste eine Grabkerze einen kleineren Brand aus am Montag. Seitdem bietet die Stadt, auf die Kerzen zu verzichten. Die Stadt Köln verbietet Grablichter vorübergehend gleich ganz.

Camping: Kein Grillen

Auf den Campingplätzen in NRW wird die Hitze zum Problem. Wegen Brandgefahr ist mancherorts das Grillen untersagt. Am Campingplatz der Stadt Köln gilt das Verbot zunächst auf unbestimmte Zeit. Die Wiesen und Bäume seien so trocken, das jeder Funke zur Gefahr werden könne, sagt eine Sprecherin des Campingplatzes.  

Hamburg: Kinder eines Feriencamps lassen sich im Stadtpark von einem Wasserwerfer der Hamburger Polizei mit Wasser berieseln. Foto: dpa

Müll: Frühschicht

Um der Mittagshitze zumindest ein Stück weit zu entgehen haben die Müllabfuhren eher angefangen. Auch in Düsseldorf ging es für die Straßenreiniger testweise bereits um 5.30 Uhr los statt eine halbe Stunde später.

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