Alles zur Hitzewelle im Überblick
Ende der Gluthitze ist in Sicht – aber vorher wird es nochmal heiß

Offenbach/Paderborn/Bad Salzuflen (WB/dpa). In der kommenden Woche wird es kühler in Nordrhein-Westfalen: Im Westen des Landes sollen ab Mittwoch erste Gewittervorboten aufziehen, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Freitag.

Freitag, 03.08.2018, 12:15 Uhr aktualisiert: 03.08.2018, 19:50 Uhr
Bleibt es womöglich trocken bis zum September? Diese Möglichkeit deutet zumindest eine Wetterprognose an. Foto: dpa
Bleibt es womöglich trocken bis zum September? Diese Möglichkeit deutet zumindest eine Wetterprognose an. Foto: dpa

Am Wochenende wird es aber zunächst noch einmal heiß mit Temperaturen von über 30 Grad. Danach werde es aber »eine ganze Ecke kühler«. Der DWD rechnet ab kommenden Donnerstag mit Temperaturen von 25 bis 29 Grad.

Bauern klagen über Ernteeinbußen und Dürreschäden, sie können nun höchstens auf den Herbst hoffen. Doch was, wenn es trocken bleibt?

Vor wenigen Tagen erst hatte sich der Wetterexperte Jörg Kachelmann in einem Tweet beunruhigt über eine 46-Tage-Prognose des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) gezeigt: Laut dieser Vorhersage werde sich die Dürre in Deutschland »bis Mitte September laufend verschärfen«.

Der Deutsche Wetterdient (DWD) mahnt bei der Interpretation von Jahreszeitenprognosen vor Überbewertung. »Was sie über zehn Tage im voraus sagen können, hat Hand und Fuß«, sagt DWD-Sprecher Andreas Friedrich.

Die diesjährige Trockenheit war in den vergangenen Monaten teilweise extrem. So fielen im Juli in Hamburg und Schleswig-Holstein nach der Monatsauswertung des Wetterdienstes nur rund 20 Liter Wasser pro Quadratmeter – üblich wären 80 Liter gewesen. Damit war der Norden die niederschlagsärmste Region Deutschlands. Doch auch bundesweit wurde mit durchschnittlich 40 Litern Regen pro Quadratmeter gerade mal gut die Hälfte des Juli-Solls erreicht.

Mann aus Baukran befreit

Die Feuerwehr in Düsseldorf hat einen Bauarbeiter aus mehr als 25 Meter Höhe gerettet. Durch einen Hitzestau in der Kabine eines Baukrans bekam der Mann gesundheitliche Probleme und musste in 25 Meter hochgelegenen Steuerungskabine zunächst medizinisch versorgt und im Anschluss gerettet werden.

»Die Höhenretter der Feuerwehr seilten den Mann aus der Kabine ab und nach weiterer Untersuchung transportierte der Rettungsdienst den Patienten ins Krankenhaus. Es besteht keine Lebensgefahr«, teilte die Feuerwehr mit.

2,2 Millionen Liter Wasser

Seit zwei Wochen ist die Freiwillige Feuerwehr Bochum täglich im Einsatz, um die negativen Auswirkungen von Hitze und Sonne für Natur und Tiere zu bekämpfen.

Seitdem seien rund 200.000 Liter Wasser an hunderte von Bäumen verteilt worden, bilanziert die Wehr. Zudem wurden zudem täglich verschiedene Teiche in Bochum mit Frischwasser gefüllt bzw. wurde das Wasser der Gewässer umgewälzt: zwei Millionen Liter Frischwasser wurde in die Teiche gefüllt, 3,5 Millionen Liter wurden umgewälzt.

Bochum: Die Feuerwehr im Einsatz.

Bochum: Die Feuerwehr im Einsatz. Foto: Feuerwehr

Frachter auf Grund gelaufen

Der Wasserstand des Rheins ist durch die anhaltende Trockenheit inzwischen so stark gesunken, dass ein großer Frachter auf dem Rhein bei Köln auf Grund gelaufen ist. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei hatte das Schiff am frühen Freitagmorgen auf dem Fluss drehen wollen, um in Richtung Niederlande zu fahren.

Zuvor war der 135 Meter lange Frachter beladen worden. Bei dem Manöver blieb er allerdings stecken. Am Vormittag sei der Frachter dann von der Stelle heruntergezogen worden. Verletzte gab es nicht. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.

Auf dem Rhein ist die Schifffahrt nur noch mit halber Ladung oder weniger möglich, teilte die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt mit. »Sollte das warme Hochdruckwetter anhalten und keine entscheidenden Niederschläge fallen, werden die Wasserstände weiter fallen«, sagte Sprecherin Claudia Thoma.

Köln: Ein Binnenschiff fährt bei Niedrigwasser in Köln über den Rhein.

Köln: Ein Binnenschiff fährt bei Niedrigwasser in Köln über den Rhein. Foto: dpa

Reaktor gedrosselt

Blick nach Frankreich: Wegen der Hitzewelle hat der französische Energiekonzern EDF die Leistung des Atomreaktors Fessenheim 2 unweit der deutschen Grenze gedrosselt. Damit solle die Aufheizung von Kühlwasser begrenzt werden, das aus dem parallel zum Rhein verlaufenden Grand Canal d’Alsace stamme und dorthin wieder zurückfließe. Die Sicherheit werde nicht beeinflusst, teilte der Betreiber EDF am Freitag mit.

Das Kraftwerk Fessenheim im Elsass mit zwei Reaktoren ist das älteste noch laufende Atomkraftwerk Frankreichs. Es gilt bei Kritikern seit langem als Sicherheitsrisiko. Nach neuen Plänen von EDF sollen die beiden Reaktoren bis zum letzten Vierteljahr 2019 laufen, das ist länger als bisher bekannt. Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen Unternehmenssprecher ergänzend berichtete, wurde auch die Leistung von zwei Atomreaktoren entlang der Rhone eingeschränkt.

In größten Teil Frankreichs herrschen Hitzetemperaturen. Die Bürger vieler Départements wurden aufgefordert, besonders wachsam zu sein.

Das Atomkraftwerk Fessenheim.

Das Atomkraftwerk Fessenheim. Foto: dpa

Heiße Beats und eiskalte Duschen

Am Freitag beginnt das Parklichter-Festival in Bad Oeynhausen. Bei 32 Grad werden die tanzwütigen Besucher vor Herausforderungen gestellt.

Nordsee und Ostsee immer wärmer

Die Temperaturen der Nordsee und der Ostsee steigen in diesen Wochen immer weiter – und zwar in einem zuvor noch nicht beobachteten Tempo. Im Juli betrug die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Nordsee 16,3 Grad und liegt damit nur 0,1 Grad unter der bisherigen Rekordtemperatur von 2014. Das teilte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) am Freitag in Hamburg mit.

Das BSH erwartet einen weiteren Anstieg der Temperaturen. Grund dafür ist außergewöhnliche Hitze, die sich auch noch in den August zieht. Der Temperaturanstieg zwischen März und Juli verlief mit 11,4 Grad extrem steil und wurde in dieser Form zum ersten Mal beobachtet.

Norddeich: Urlauber schwimmen und planschen am Strand von Norddeich in der Nordsee.

Norddeich: Urlauber schwimmen und planschen am Strand von Norddeich in der Nordsee. Foto: dpa

Davon ist auch die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Ostsee betroffen. Hier wurde mit 20 Grad sogar ein neuer Rekord aufgestellt. Damit liegt die Temperatur 0,5 Grad über der letzten Höchsttemperatur im Juli 2014 und um 2,8 Grad über dem Langzeitmittel der vergangenen rund dreißig Jahre.

Wärme lässt Feuerquallen schneller wachsen

Wegen der Hitze sind Feuerquallen nach Angaben eines Meeresforschers derzeit größer als sonst. »Wir haben diesen Sommer besonders warme Temperaturen, wie jeder mitbekommt. Von daher wachsen die Tiere schneller«, sagte Ulrich Bathmann vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde.

Feuerqualle.

Feuerqualle. Foto: dpa

SCP-Fans dürfen in Darmstadt Wasser mit ins Stadion nehmen

Wegen der großen Hitze erlaubt Fußball-Zweitligist SV Darmstadt 98 den Zuschauern beim Auftaktspiel gegen Aufsteiger SC Paderborn ausnahmsweise die Mitnahme von zwei 0,5-Liter-Plastikflaschen Wasser ins Stadion.

Hundewelpe aus geparktem Auto befreit

In Paderborn ist ein augenscheinlich dehydrierter Hund aus einem Auto befreit worden. Der Besitzer hat ihn angeleint im Auto zurückgelassen.

Weil er einen angeleinten und augenscheinlich dehydrierten Hund in einem VW Golf an der Leostraße entdeckte, meldete sich ein Passant bei der Polizei.

Weil er einen angeleinten und augenscheinlich dehydrierten Hund in einem VW Golf an der Leostraße entdeckte, meldete sich ein Passant bei der Polizei. Foto: dpa/Symbolbild

Wasser aus Flüssen und Seen ist für Gärten tabu

Die anhaltende Hitze setzt auch der Natur zu: Tiere, Pflanzen, Büsche und Bäume leiden unter der Wassernot. Aber auch Flüssen, Bächen und Seen macht die Wassernot zu schaffen

Blaualgen-Alarm am Dümmer

Angesichts der Hitzewelle ist die Nachricht aus Lembruch und Hüde keine wirkliche Überraschung: Wie andere große Badeseen ist auch der Dümmer von den giftigen Blaualgen betroffen. Der Landkreis Diepholz hat Badeverbot ausgesprochen.

Wenn am Dümmer Blaualgenalarm und damit ein Badeverbot herrscht, warnen aufgestellte Verbotsschilder am Strand.

Wenn am Dümmer Blaualgenalarm und damit ein Badeverbot herrscht, warnen aufgestellte Verbotsschilder am Strand. Foto: dpa

Freibad schließt in der heißesten Zeit des Jahres

Das Bega-Bad ist das einzige Freibad in Bad Salzuflen. An schönen Tagen tummeln sich dort bis zu 2000 Menschen. Seit Mittwoch ist es wegen Personalmangels geschlossen. Am Wochenende öffnet es nur von 12 bis 18 Uhr. Als Grund nennt die Stadt einen hohen Krankenstand.

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