Mi., 16.01.2019

Absolventen aus Niedersachsen sollen mehr Leistungspunkte mitbringen Grundschulen: NRW verschärft Anforderung an Referendare

Grundschulunterricht: In Nordrhein-Westfalen fehlen tausende Lehrer.

Grundschulunterricht: In Nordrhein-Westfalen fehlen tausende Lehrer. Foto: dpa

Von Christian Althoff

Düsseldorf (WB). Trotz des extremen Lehrermangels an Grundschulen hat das NRW-Schulministerium die Anforderungen für Referendare verschärft, die ihr Lehrerstudium in Niedersachsen abgeschlossen haben. Die neuen Regeln sollten ab Mai gelten, wurden jetzt aber überraschend ausgesetzt.

Unabhängig von der Schulform erstreckt sich die universitäre Lehrerausbildung über zehn Semester – sechs bis zum Bachelor und vier bis zum »Master of Education«. Dann schließt sich das 18-monatige Referendariat an, der sogenannte Vorbereitungsdienst. Dessen praktischer Teil findet an Schulen statt, die Theorie in Fachseminaren.

Bisher kein Problem

Während angehende Grundschullehrer in NRW Deutsch, Mathe und ein weiteres Fach studieren müssen (geprüft werden sie in zwei Fächern), sind in Niedersachsen nur zwei Fächer Pflicht. Die Studiengänge sind unterschiedlich angelegt, in beiden Bundesländern müssen bis zum Master 300 Leistungspunkte erreicht sein.

Etliche in Nordrhein-Westfalen lebende Lehramtsstudenten besuchen die Universitäten in Göttingen und Osnabrück – zum Teil, weil sie näher an ihrem Wohnort liegen. Ihr Referendariat möchten solche Studenten oftmals in NRW machen, weil sie dort später auch arbeiten wollen. Das war bisher kein Problem.

Doch in der vergangenen Woche wurde Studenten in Niedersachsen mitgeteilt, dass Nordrhein-Westfalen ab Mai für das Referendariat mindestens acht Leistungspunkte in Mathematik und acht in Deutsch verlange. Wer aber beispielsweise in Niedersachsen Deutsch und Sachkunde studiere, erreiche die acht Mathepunkte nicht (oder die acht Deutschpunkte, wenn er Mathe studiert). »Das Land NRW hat diese Änderung des Vorgehens nicht angekündigt«, heißt es in einer Mail der Uni Osnabrück. Entsprechende Probleme mit anderen Bundesländern seien »nicht bekannt«.

GEW: Nicht nachvollziehbar

Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Nordrhein-Westfalen ist die Verschärfung der Anforderungen nicht nachvollziehbar. Die stellvertretende Landesvorsitzende Maike Finnern sagte, in den kommenden zehn Jahren könnten nicht alle offenen Lehrerstellen besetzt werden. »Bis 2040 fehlen an Grundschulen, Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen nach Ministeriumsangaben 15.000 Lehrer.«

Dass Schulministerin Yvonne Gebauer in dieser Situation die Zugangsvoraussetzungen für Grundschulreferendare von niedersächsischen Unis verschärfe, sei nicht nachzuvollziehen. »Ein Master of Education muss in ganz Deutschland gelten. Alles andere versteht doch kein Mensch!«

Die Gewerkschafterin sagte weiter, es gehe auch nicht, dass eine solche neue Regelung Menschen »mitten in ihrer Ausbildung« träfe. »Man plant doch sein Studium.«

»Übergangszeit«

Wie die Studenten in Niedersachsen die fehlenden Punkte erwerben können, ist noch ungeklärt. Ihnen wurde mitgeteilt, die Unis seien noch im Gespräch mit NRW. Berthold Paschert, Sprecher der GEW in Nordrhein-Westfalen: »Wir hatten dieses Chaos kommen sehen und das Schulministerium gewarnt.«

Gab es deshalb im letzten Moment ein Einsehen in Düsseldorf? Ein Sprecher des Ministeriums erklärte am Montag gegenüber dem WESTFALEN-BLATT, man werde »bis auf Weiteres für eine Übergangszeit« niedersächsische Lehramtsprüfungen mit lediglich zwei Fächern anerkennen, sofern eines der Fächer Mathematik oder Deutsch sei. Die Frage, wie lange die Übergangszeit dauern werde, beantwortete der Sprecher nicht.

Warum überhaupt die Zugangsverschärfung? Nach Angaben des Schulministeriums werden Referendare in NRW ab Mai in einem kombinierten Fachseminar Deutsch und Mathe und in einem weiteren Fach ausgebildet.  Dies erfordere ein vorausgegangenes Studium in Deutsch und Mathe »auf einem fachlichen Mindestniveau«. So würden Lehramtsanwärter besser auf die Klassenleitung und die Unterrichtsgestaltung vorbereitet, heißt es aus dem Ministerium.

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