Der Noch-Bauernpräsident zieht Bilanz und freut sich auf mehr Zeit
Johannes Röring: „Der Rückhalt im Verband bröckelte“

Vreden (WB). Johannes Röring, wie man ihn kennt. Unaufgeregt, in sich ruhend, die Worte wägend. Kaffee, Kuchen, Kaminfeuer – der Rahmen für eine Bilanz seiner achtjährigen Präsidentschaft beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband. „Aber vorher muss ich Ihnen unbedingt noch etwas zeigen.“ Der Präsident wird sich, wenn er ab Montag kommender Woche kein Präsident mehr ist, einem neuen Hobby widmen. Röring ist Mitglied der „Grenzland-Oldies“ geworden und zeigt stolz auf seine neueste Errungenschaft, einen Mercedes-Truck 1000 aus dem Jahre 1978. „Dafür werde ich dann mehr Zeit haben.“

Sonntag, 16.02.2020, 18:08 Uhr aktualisiert: 16.02.2020, 18:12 Uhr
Johannes Röring und sein neues Hobby: Mit den „Grenzland-Oldies“ kümmert er sich um alte Traktoren. Foto: Norbert Tiemann
Johannes Röring und sein neues Hobby: Mit den „Grenzland-Oldies“ kümmert er sich um alte Traktoren. Foto: Norbert Tiemann

Zurück am Kamin: „Meine achtjährige Amtszeit war gekennzeichnet durch den Beginn unruhiger Zeiten für den Bauernstand“, wirft Röring einen Blick zurück. Und er hat diese Zeiten kommen sehen. „Nicht hier in Westfalen, aber in Berlin.“ Als CDU-Bundestagsabgeordneter spürte er die wachsende Kluft der großstädtischen Verbraucher zu den Nahrungsmittel-Erzeugern. „Die Gesellschaft sieht uns heute anders als vor 15 oder 20 Jahren. Mir war klar, wir Bauern müssen uns ändern, wenn wir auch zukünftig weiter in gesellschaftlichem Frieden produzieren wollen.“

„Agieren, nicht immer nur reagieren“

Zu den Meilensteinen der Röring’schen Präsidentschaft zählt denn auch die „Offensive Nachhaltigkeit“ des westfälisch-lippischen Bauernverbandes. „Es ging darum, zu agieren, nicht immer nur zu reagieren.“ Ein Kernsatz dieser Offensive, die im Berufsstand mitunter durchaus kontrovers diskutiert wurde, lautet: „Wir müssen uns dort verändern, wo unsere Art und Weise der landwirtschaftlichen Erzeugung dazu beiträgt, dass Boden, Wasser, Luft, Pflanzen und Tiere sowie Elemente der Kulturlandschaft geschädigt werden.“

Und auch das Geschäft, als Bauernpräsident in Berlin Lobbyarbeit zu betreiben, hat sich geändert. „Wir müssen mehr denn je inhaltlich argumentieren und mit Fachwissen überzeugen. Dass das Leben am Ende immer auch aus politischen Kompromissen besteht, ist bei den Bauern noch nicht sehr verbreitet.“ Zufrieden blickt Röring auf die unternehmerischen Akzente im WLV: „Wir haben inzwischen 30 Tochterunternehmen, ich war oft beim Notar.“ Rund 50 Prozent aller Windkraftanlagen in NRW seien von solchen Unternehmen projektiert worden.

Blick nach vorn

Über verbale Angriffe und Beleidigungen auf ihn und seine Familie will Röring nicht sprechen. „Aber der Einbruch in den Schweinestall meines Sohnes vor einem Jahr, das Abstellen der Alarmanlage und der Lüftung mit schlussendlich 900 getöteten Tieren, das hat mich sehr mitgenommen, es nimmt mich noch heute mit.“ Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren inzwischen eingestellt.

Warum er für eine dritte Amtsperiode nicht mehr antritt? „Meine Doppelrolle als Bundestagsabgeordneter und Bauernpräsident führte im Verband zu Unzufriedenheit, wie einst auch bei Baron Heereman; mein Rückhalt bröckelte.“ Jetzt blickt Röring, der passionierte Jäger, nach vorn: „Ich muss ja noch einen Hochsitz aufstellen...“

Mit Langeweile ist beim scheidenden Bauernpräsidenten weder in Vreden noch sonstwo zu rechnen.

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