Di., 07.10.2014

Bertelsmann und Gruner + Jahr Diesmal ging der Riss tiefer

Von Bernhard Hertlein

Bertelsmann hat in diesem Jahr schon mehrmals für Aufsehen gesorgt. Beim Verkauf eines Teils der RTL-Aktien und bei der angekündigten Schließung des Bertelsmann-Clubs lagen die Motive von Konzernchef Thomas Rabe auf der Hand. Die eine Aktion brachte Geld in die Kasse, die andere stoppte eine Unternehmung, die immer mehr zum Problemfall wurde und möglicherweise bald ein größeres Loch in die Konzernkasse gerissen hätte.

Redakteur Bernhard Hertlein

Digitalisierung vorantreiben

Beide Entscheidungen ebneten offensichtlich den Weg für Rabes Strategie, einerseits Bildung neben Medien und Dienstleistungen als dritte Säule aufzubauen und andererseits die Digitalisierung voranzutreiben. Doch warum jetzt das Ende der Partnerschaft bei Gruner + Jahr und die vollständige Integration des Zeitschriftengeschäfts in Bertelsmann? Auf den ersten Blick scheint dies nicht schlüssig. Schließlich gehören Magazine wie »Eltern«, »Stern«, »Brigitte«, »Gala«, »Geo« und »Capital«, so modern sie auch am Kiosk daherkommen, nicht zu dem, was Bertelsmann als die Zukunft der Medienwelt ausgemacht hat. Auch bei Umsatz und Gewinn rangiert G + J seit Jahren nur im unteren Drittel des Gütersloher Konzerns.

Zerschlagung und Weiteverkauf des Zeitschriftengeschäfts fallen als Motive aus. Das kann sich Bertelsmann nicht erlauben. Wer sich so ins Zeug wirft, glaubt an die Zukunft und die Digitalisierungsfähigkeit des Zeitschriftengeschäfts. Den Partner scheint man nur noch als Bremsklotz empfunden zu haben. In der Ehe der beiden Häuser hatte es immer wieder Querelen gegeben; meistens ging es um Personalien. Diesmal ging der Riss tiefer.

Diese Differenzen ließen wohl auch die Jahr-Familie weich werden. Wenn es richtig ist, was die Branche sagt, ist der Kaufpreis nicht höher als ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag. Das ist weniger als alles, was vor zwei Jahren als Gerücht kursierte. Damals hieß es, Jahr könnte unter anderem mit einem Anteil von fünf Prozent am Bertelsmann-Konzern entschädigt werden.

Synergien sollten das Geschäft profitabel machen

Gemessen am »Schnäppchenpreis« bekommt Rabe eine ganze Menge, voran etablierte Medienmarken. Zwar sind Google, Amazon, Ebay und Facebook im Internet erfolgreich, obwohl sie vorher keinen Namen hatten. Doch wenn es um das Geschäft mit seriösen Nachrichten geht, zählen Marken im weltweiten Netz eben doch. Rabe braucht nach Vorbildern nicht zu suchen: An Bild-Online, Focus-Online und vor allem Spiegel-Online können sich die Magazine von G + J ausrichten. Synergien mit dem Fernseh- und vielleicht sogar E-Commerce sollten das Geschäft dann richtig profitabel machen. Dass Stern und Geo bislang auf halbem Weg stehenblieben, hatte wohl mit Abstimmungsproblemen in der Eigentümergemeinschaft zu tun.

Eines aber sollte Rabe bei dem strikten Sparkurs, den er G + J verordnet, nicht aus den Augen verlieren: Gehen im Medienbereich Kompetenz und Professionalität im Umgang mit Nachrichten verloren, ist ein guter Name auch schnell verbraucht.

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