Do., 23.04.2015

Nullhunger Das hohe Ziel ist jede Mühe wert

Von Reinhard Brockmann

2030 soll der Hunger in der Welt auf Null gesetzt und Armut abgeschafft sein. Die Ziele der Vereinten Nationen (UN) sind so hochgesteckt, dass einem beinahe schwindelig wird. Unmöglich? Spinnerte Wunschträume weltfremder Gutenschen?

Reinhard Brockmann

Mitnichten. Zur Jahrtausendwende hatten sich 189 UN-Mitgliedsstaaten in einem ersten Schritt acht Milleniumsziele bis 2015 gesetzt. Tatsächlich ist die Halbierung der Armut und – mit Abstrichen – die des Hungers gelungen. Der unabhängige Welt­hunger-Index bestätigt das. Seit 1990 nimmt die Zahl chronisch unterernährter Menschen ab, immerhin ein Rückgang von 39 Prozent.

Hunger lässt sich nicht mit Geld ausrotten

In diesem Jahr beginnt die auf UN- Ebene verabredete »Post-2015-Ent­wicklungsagenda«. Sie ist nachhaltiger angelegt und setzt gleich 17 übergeordnete Ziele sowie 169 Unterziele. Ein UN-Gipfel im September in New York soll Fakten schaffen. Wie immer, sieht es derzeit nicht so aus, dass alles so beschlossen und hinterher auch bezahlt wird. Aber entscheidend ist, dass der Prozess vorankommt.

Hunger und Armut lassen sich nicht allein mit Milliardenschecks und großherzigen Spenden ausrotten. Dazu gehört auch eine nachhaltige Veränderung von Strukturen. Ungleichheit, Korruption, Chancengerechtigkeit sind die wahren Probleme.

Darüber hinaus müssen viele Einzelaufgaben bearbeitet werden. Ein Beispiel: Todesfälle durch Malaria sind in den vergangenen 15 Jahren weltweit um 42 Prozent zurückgegangen. Ein schöner Teilerfolg. Aber dann kam Ebola, und drei afrikanische Kleinstaaten waren der Seuche schutzlos ausgeliefert, weil es dort immer noch kein funktionierendes Gesundheitssystem gibt. Im Gegenteil: Die Konzentration der wenigen vorhandenen Mittel auf die neue Seuche kann die Eindämmung anderer Krankheiten wieder zurückwerfen.

Eine nachhaltige Entwicklung

Keine Frage: Kriege, Terror und die dadurch ausgelösten gewaltigen Flüchtlingsströme bergen größte Rückschlagsgefahr. Das ist die eine Aufgabe. Die andere lautet: Arbeit an den Strukturen, an der Bedrohung durch Klimawandel und die Rücksichtslosigkeit von Finanz- und Wirtschaftsentwicklungen.

Ein gutes Zeichen ist, dass die Post-2015-Agenda für alle Länder, auch für uns, gilt. So ist es der G77-Gruppe vor allem aus Staaten der Südhalbkugel gelungen, den reichen Nordländern das Ziel Nummer 17 abzuringen: Mehr Geld und eine Wiederbelebung des globalen Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung.

Was kompliziert und abstrakt klingt, muss sich am Ende einer glasklaren Messlatte stellen, die auch Pranger sein kann. Der Kampf gegen Unterernährung, ärgste Armut, Müttersterblichkeit und Analphabetismus sowie für faire Produktion und Umweltnutzung ist jede Anstrengung wert – selbst wenn 2030 noch ein paar globale Probleme übrig bleiben.

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