So., 26.04.2015

Erdbeben Menschen besser schützen

Foto: Hemanta Shrestha/dpa

Von André Best

Ist die Welt eigentlich nur noch schrecklich? Nein, sicher nicht. Und trotzdem blicken wir 34 Tage nach dem Flugzeugunglück in den französischen Alpen mit 150 Toten und acht  Tage  nach dem Flüchtlingsdrama  im Mittelmeer mit 800 Toten erneut auf eine Katastrophe, die uns fassungslos macht.

Redaktionsleiter André Best

Diesmal Nepal. Das schlimmste Erdbeben in dieser Region seit 80 Jahren. Mehr als 2500 Tote. Und stündlich werden es mehr. Fachleute glauben, dass sich die Anzahl der Opfer noch verdreifachen wird. Tausende Verletzte. Kinder, die ihre Eltern verloren haben. Eltern, die ihre Kinder mit bloßen Händen tot aus den Trümmern graben. Es ist grausam.

Die Welt kann ungerecht sein

Ausgerechnet hat es wieder einmal Menschen getroffen, die zu den Ärmsten der Welt gehören. Das macht das Erdbeben im Himalaya noch schrecklicher, als es ohnehin schon ist. Und es zeigt, wie ungerecht die Welt sein kann.

Die Katastrophe in Nepal hat auch das kulturelle Herz des Landes schwer beschädigt. Kulturinteressierte und Urlauber werden das berühmte Tal von Kathmandu kennen, in dem sich auf wenigen Kilometern sieben Weltkulturdenkmäler aneinanderreihen. Die vier kunstvoll erbauten Tempel und drei Paläste sind zerstört. Zu den Attraktionen in der Hauptstadt Kathmandu gehörte bis zum Erdbeben auch der neunstöckige, 62 Meter hohe Dharahara-Turm. Das Bauwerk stürzte in sich zusammen. Wenige Meter weiter steht ein Gerüst, das noch an das schwere Erdbeben von 1934 mit 8500 Todesopfern erinnert. Damals  hat die Naturkatastrophe den 1826 erbauten Turm mit einst zwölf Stockwerken dem Erdboden gleichgemacht. Es ist besonders bitter, dass  die Tragödien sich so grausam gleichen.

Die gesamte Himalayakette und der Hindukusch gelten als schwer erdbebengefährdet. Nepal steht auf Rang 11 der erdbebengefährdetsten Länder. Und dennoch wurde das Tal von Kathmandu auch nach der Katastrophe von 1934 fast durchgehend dicht mit vielstöckigen Häusern bebaut. Bauvorschriften hat es nie gegeben oder wurden nicht beachtet. Wie nach dem Erdbeben vor 80 Jahren wird es erneut Diskussionen über die Bauweise und Höhe der Häuser geben. Damals wurde sogar ein Umzug der Stadt Kathmandu in ein sichereres Gebiet in Erwägung gezogen.

Mit weiteren Tragödien ist zu rechnen

Nach Meinung von Experten wird es im Himalaya auch in den nächsten Jahrzehnten Erdbeben geben, denn die Verschiebung der Erdplatten wird ununterbrochen weitergehen. Man rechnet damit, dass es alle 70 bis 100 Jahre im Kathmandutal zu derartigen Tragödien kommen wird. Was also tun?

Die Natur kann der Mensch nicht steuern, und das ist auch gut so. Aber nach der aktuellen Katastrophe muss beim Wiederaufbau die Sicherheit der Menschen an oberster Stelle stehen.
Sonst wird das Massensterben dort nie ein Ende haben.

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