Sa., 19.12.2015

Weltkulturerbe Corvey Geschacher auf dem Basar

Foto: Harald Iding

Von Matthias Meyer zur Heyde

Wer aus Höxter ein paar hundert Meter nach Osten fährt, strandet auf einem orientalischen Basar. Dort kann er einen Scherbenhaufen besichtigen.
Der Haufen trägt einen stolzen Titel: Weltkulturerbe.

Diesen Ehrentitel muss man sich verdienen, und an weltweit 1006 Orten in 161 Staaten legen sich die Menschen wirklich krumm, damit ihre von der Unesco ausgezeichnete Stätte über Grenzen hinweg erstrahlen kann. In Corvey hingegen, Weltkulturerbe Nr. 1007, ist gemeinsames Handeln  offensichtlich nicht möglich. Solche  Anstrengungen aber sind zur würdigen Präsentation  des  Westwerks der  karolingischen Abteikirche und der  Siedlung, die 1265 unter dramatischen Umständen wüst fiel (Civitas Corvey), völlig unverzichtbar.

Die Stadt hat nach jahrelangem Gezerre resigniert und verweist auf leere Kassen. Der Kreis Höxter, ebenfalls zermürbt, mag nicht in die Bresche springen. Der Herzog pocht auf seine Rechte als Eigentümer, was zumindest ein paar fühlbare Investitionen erwarten ließe, aber weit gefehlt: Immer noch deckt grüner Rasen die unglückliche Civitas, kein Besucherzentrum weit und breit, nicht einmal eine Baugrube wurde bisher ausgehoben.

Kirche ist untätig

Das  alte »Dreizehnlinden«-Hotel nebenan bleibt wohl eine Ruine, die alten Klostergebäude schreien nach Sanierung. Und die Kirche? Gibt den Pilatus. Wäscht ihre Hände nicht in Unschuld, aber in Untätigkeit, in der vagen Hoffnung, der Herzog werde es schon richten. Richten? Man munkelt was von einem Wunsch nach neuen Wesersandsteindächern . . .

Fast hätten die streitenden Parteien die Fördergelder des Bundes, vier Millionen Euro, verfallen lassen. Pikiert zieht die CDU die Brauen hoch – das böse Wort vom »türkischen Basar« stammt vom Kreistagspolitiker Josef Lam­mers. Und die Unabhängigen Wähler drehen sich weg und wünschen dem Herzog »viel Glück bei der Neuorganisation« – die moderne Wortwahl für »Nu, da machd doch eiern Drägg al­leene!« (Sachsens König Friedrich August III. bei der Abdankung 1918).

Viele Jahre lang hat der Kulturkreis, in dem Stadt und Kreis und Herzog wirkten, Bemerkenswertes geleistet. Guter Wille ist also vorhanden. Und jetzt, wo internationale Maßstäbe angelegt werden müssen, soll Schluss sein mit der Zusammenarbeit?

Richtig ist, dass der Kulturkreis für die Erledigung der von der Unesco geforderten Managementaufgaben nie vorgesehen war. Das müssen Experten und PR-Profis in Angriff nehmen. Ob der Herzog als Einzelkämpfer die richtigen Entscheidungen trifft? Das Gebot der Stunde hätte lauten müssen: Packt die Sache gemeinsam an. Zeigt aller Welt mit zündenden Ideen, dass Ostwestfalen in Corvey Einzigartiges vorzuweisen hat. Stattdessen dräut  neues Unheil, sollte die Landesregierung oder womöglich gar die Unesco Corvey auf die Finger klopfen müssen.

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