Do., 24.12.2015

Weihnachten Die Botschaft eines Bildes

Von André Best

Wir alle haben das Bild noch genau vor Augen. Ein kleiner syrischer Junge liegt tot am Strand, das Gesicht teils mit Wasser bedeckt. Sein Körper ist nur bekleidet mit einem roten T-Shirt und einer kurzen blauen Hose.

Ailan war an einen Strand im Süden der Türkei gespült worden. Ein junger Polizist nimmt die Leiche in seine Arme und trägt sie davon. Das Foto ist das Symbol für das Flüchtlingsdrama und das Sterben hunderttausender Menschen im Mittelmeer.

Es ist Weihnachten, und in diesem Jahr hat die Weihnachtsgeschichte ganz unmittelbar und sehr viel mit uns zu tun. Millionen von Menschen sind auf der Flucht. Sie brauchen unsere Hilfe. Das muss nicht immer die unmittelbare Hilfe sein. Zum Beispiel, ihnen ein Dach über dem Kopf, Kleidung oder Essen zu geben. Manchmal reicht schon die Solidarität und die Aufrichtigkeit. Manchmal reicht schon ein einziger Satz: Ihr seid uns nicht egal!

Das Leiden der Männer, Frauen und Kinder  darf uns eben nicht gleichgültig sein. Es darf uns nicht kalt lassen, dass diese Menschen aus lauter Verzweiflung ihr Leben riskieren. Es ist reiner Zufall, dass wir hier aufgewachsen sind und nicht etwa in den Kriegsgebieten dieser Welt leben. Somit haben wir kein Recht so zu tun, als gehöre dieser friedliche Teil der  Erde uns ganz alleine.

Mauern werden das Problem nicht wegzaubern

Wanderungen von Menschen und Völkern gibt es schon, so lange die Menschheit existiert. Das ist ein Phänomen, mit dem wir leben müssen. Das Problem lässt sich aber nicht wegzaubern, in dem wir Mauern hochziehen oder die Flüchtlinge als Sozialschmarotzer oder Kriminelle abstempeln.

Die ältere Generation, die heute 70 Jahre und älter ist, kennt oft selbst die Flucht und weiß, wie traumatisierend diese Situation sein kann. Dass unsere Väter und Großväter, Mütter und Großmütter selbst Hilfe benötigten, um überleben zu können, daran sollten und müssen wir uns erinnern.

Nach einer repräsentativen Studie engagieren sich in Deutschland mehr als zehn Prozent der Bürger für Flüchtlinge. Sie leisten Großartiges. Sie sind  Menschen des Jahres 2015!

Auch die berechtigten Sorgen der Bevölkerung  angesichts der vielen Flüchtlinge gehören zur Situation dazu. Angst vor einem wachsenden   Rechtsextremismus, Schwierigkeiten bei der Suche nach bezahlbaren Wohnungen, staatliche Einsparungen, aber auch Bedenken wegen einer möglichen Zunahme der Kriminalität. Diese  Sorgen dürfen, sie  müssen sogar angesprochen werden. Ängste ernst zu nehmen, heißt aber nicht, ihnen zu folgen, wie Bundespräsident Joachim Gauck völlig zu recht sagt. Es ist wieder die Zeit, die Herzen zu öffnen und Mensch zu sein. Gerade an Weihnachten, aber hoffentlich nicht nur dann.

Auch Jesus war ein Flüchtling. Die christlich-jüdische Geschichte ist eine Geschichte von Flucht und Migration. Wie wir in der Bibel, Matthäus 2, 13 bis 15, lesen können, benötigten  Jesus und seine Familie selber Hilfe. So wie der kleine Junge am Strand, der sie nicht bekam. Auf einem Foto ist zu sehen, wie der Polizeibeamte den Kopf zur Seite dreht, so als wolle er dem traurigen Anblick der Kinderleiche entgehen. Wenn dieses Bild nicht dafür sorgt, die Welt zu verändern, wenn dieses Bild nur eine Momentaufnahme des Mitleids war, haben wir alle versagt.

So heißt es im Evangelium nach Matthäus:
 
»Denn ich bin hungrig gewesen,
und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich bin durstig gewesen,
und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich bin ein Fremder gewesen,
und ihr habt mich aufgenommen.
Ich bin nackt gewesen,
und ihr habt mich gekleidet.
Ich bin krank gewesen,
und ihr habt mich besucht.
Ich bin im Gefängnis gewesen,
und ihr seid zu mir gekommen.
Wahrlich, ich sage Euch: Was ihr
getan habt einem von diesen meinen
geringsten Brüdern,
das habt Ihr mir getan.«

Frohe Weihnachten!

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