So., 31.01.2016

Kommentar zu den US-Präsidentschaftswahlen Es beginnt in Iowa

Muss sie um ihre Nominierung bangen? Hillary Clinton am Samstag  in der Iowa State University in Ames.

Muss sie um ihre Nominierung bangen? Hillary Clinton am Samstag in der Iowa State University in Ames. Foto: Craig Lassig/dpa

Von Thomas J. Spang

Die US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen werden einmal mehr ihrem Ruf gerecht, die größte politische Show der Welt zu sein. Wie immer voller Überraschungen, unerwarteter Wendungen und einem sagenhaften Spektakel.

In den Hauptrollen finden sich der bombastische Rechtspopulist Donald Trump, der erzkonservative Bibelwerfer Ted Cruz, der demokratische Sozialist Bernie Sanders und die vielleicht berühmteste lebende Politikerin: Hillary Clinton. Dominiert wird die Show von der zu Fleisch gewordenen Anti-These Barack Obamas.

Wo der »Yes we can«-Kandidat vor acht Jahren Hoffnung verbreitete, bedient das blondierte Großmaul Trump heute Ressentiments. Die robuste Diplomatie des Friedensnobelpreisträgers will der Wut-Kandidat mit militärischer Kraftmeierei ersetzen. Der Vision einer offenen Multikulti-Gesellschaft steht die düstere Verheißung einer Mauer entlang der Südgrenze, Massendeportationen von elf Millionen Latinos und Muslimen-Diskriminierung entgegen.

Die ersten Vorwahlen in Iowa werden heute zeigen, ob sich die Neugierde an dem Showman mit der Extrem-Agenda in Wählerstimmen umsetzen lässt. Wenn es Trump gelingt, an einem kalten Winterabend Leute zu Parteiversammlungen zu bewegen, die sich bisher nicht für Politik interessiert haben, wird ihn niemand mehr als Leichtgewicht abtun.

Im Gegenteil dürfte sich dann die Frage stellen, ob es überhaupt noch einen Weg gibt, den Marsch der Republikaner in den »Trumpismus« zu stoppen.

Dass die aussichtsreichste Alternative zu Trumps autokratischem Starke-Mann-Gehabe ein evangelikaler Teaparty-Ideologe ist, beschreibt das Dilemma der US-Konservativen.

Wie Trump lebt Cruz von der Wut auf die Eliten in Washington. Allerdings basiert diese weniger auf der Angst weißer Kleinbürger vor der Globalisierung, als mehr auf dem Zorn über die gebrochenen Versprechen der Parteiführung, den Staat auf allen Ebenen klein zu schrumpfen und traditionelle Werte zurück zu bringen.

Da in Iowa 60 Prozent aller republikanischen Wähler aus dem evangelikalen Spektrum stammen, werden die Vorwahlen in diesem Wählersegment entschieden. Falls es Trump gelingt, diese politische Brandschutz-mauer einzureißen, steht einem Durchmarsch zur Nominierung kaum mehr etwas im Weg.

Wer hätte das gedacht? Vermutlich genauso wenige wie vor einem halben Jahr auch nur einen Cent auf Bernie Sanders gesetzt hätten. Auf seine Art ist der linke Polit-Opa aus Vermont auch ein Anti-Obama. Auch er bedient den Zorn der kleinen Leute. Wenn Sanders mit seinem Linkspopulismus die quasi gesetzte Weiter-So-Kandidatin Hillary Clinton in Iowa und New Hampshire schlagen kann, sind bei den Demokraten plötzlich alle Wetten offen. Wie schon 2008 müsste Hillary um ihre Nominierung bangen.

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