Do., 04.02.2016

Kommentar zu Julian Assange Vertrackte Situation

Julian Assange im Februar 2012.

Julian Assange im Februar 2012. Foto: Facundo Arrizabalaga/dpa

Von Dietmar Kemper

Die Situation ist paradox. Julian Assange droht wegen Geheimnisverrats lebenslange Haft in den USA, aber er will auch nicht weiter in der ecuadorianischen Botschaft in London wie ein Gefangener leben.

Wie sich jetzt zeigt, war es ein kluger Schachzug, den Fall von einer Expertengruppe des UN-Menschenrechtsrates untersuchen zu lassen. Das Ergebnis, es handele sich um eine Art unrechtmäßige Haft, stärkt seine Position. Assange hat erfolgreich gepokert, denn die Bewertung hätte ja auch im Sinne Großbritanniens und Schwedens ausfallen können. Die argumentieren, Assange sei niemals willkürlich inhaftiert worden und verstecke sich nur in der Botschaft.

Das Gutachten der Expertengruppe erhöht den Rechtfertigungsdruck auf Polizei und Behörden, aber bindend für deren Entscheidung ist es nicht. Das britische Außenministerium machte denn auch gestern klar, dass es hart bleiben will. Zu Recht!

Assange muss sich wegen des von Schweden erhobenen Vorwurfs der Vergewaltigung verantworten, alles andere würde dem Rechtsempfinden der Bevölkerung Hohn sprechen. Sich solange in der Botschaft zu verstecken, bis der Vorwurf verjährt ist, wirkt schäbig. Am Ende könnte sich der Erfolg mit dem Gutachten als Pyrrhus-Sieg herausstellen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3786684?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F