Di., 16.02.2016

Kommentar zur starken Wirtschaft Wirtschaft wie gedopt

Blockiert Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine gemeinsame Lösung von Problemen durch seine populistische Art, wie unser Kommentator meint?

Blockiert Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine gemeinsame Lösung von Problemen durch seine populistische Art, wie unser Kommentator meint? Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein

In Nahost  brennen  nun sogar Krankenhäuser. Russland sieht sich  wieder im Kalten Krieg mit dem Westen. Europa droht an der Flüchtlingsfrage zu zerbrechen.  Parteipolitiker reden sich in Deutschland um Kopf und Kragen. Doch die Wirtschaft strotzt vor Kraft – und   strahlt voller Optimismus. Leben die Unternehmer auf einem anderen Stern? Sind sie etwa  gedopt?

An Aufputschmitteln  fehlt es nicht. Da ist das schon längere Zeit konstant niedrige Zinsniveau. Es verbilligt  Kredite für betriebliche Investitionen und verführt Verbraucher, mehr zu konsumieren als im Sinne einer vernünftigen Altersvorsorge angeraten ist. Hinzu kommen der niedrige Euro-Kurs und das billige Öl. Die Währung hilft im Export, weil sie die Waren im Ausland preiswerter macht. Das Öl entlastet die Kostenseite.

Ein echtes  Konjunkturpaket ist  die große Zahl an Migranten. Die Flüchtlinge brauchen Wohnraum – darüber freut sich die Bauwirtschaft. Sie brauchen Essen – und fördern damit unter anderem Handel und Gastronomie. Der Staat braucht Personal,  sie zu verwalten, zu versorgen, zu schützen, zu beaufsichtigen, zu unterrichten: Das schafft  Arbeit. Zusätzlich wirken  Flüchtlinge  dem demographischen Wandel entgegen und können  langfristig die Sozialsysteme stützen.
Doch was  ist, wenn das Doping nicht mehr wirkt? Ist die Wirtschaft stark genug für  einen  Entzug? Der Abschwung des Dax  seit   Dezember zeigt, dass zumindest   die    Börse Zweifel hat.

Nüchtern betrachtet ist die Lage ­alles andere als ermutigend

Schon gibt es internationale Entwicklungen, die eine harte Landung provozieren. Da sind die  Kriege, der  Terrorismus, der  wirtschaftliche Abschwung  in einigen Schwellenländern. Griechenland steckt weiter  in der Krise fest. Großbritannien wird möglicherweise die EU verlassen.  Doch die größere Gefahr geht von  neuen Grenzen in Europa aus. Kontrollen verlangsamen nicht nur den Reiseverkehr, sondern  stoppen auch den Warenfluss. Die europäische Wirtschaft ist zusammengewachsen – mit der Folge, dass Produktionsbetriebe auf pünktliche Lieferungen angewiesen sind. Sind sie nicht mehr sicher, verlängern sich die Produktionszeiten.  Lagerhallen  kosten, fangen  aber  den Nachteil nicht auf. Der Industrie- und Handelskammertag berechnete den Schaden  für die deutsche Wirtschaft auf zehn Milliarden Euro.

 
Nüchtern betrachtet ist die Lage der  Welt, Europas und Deutschlands alles andere als ermutigend. Es wäre an der Zeit, die Probleme gemeinsam  anzupacken. Doch das klappt schon in Deutschland nicht; gute Ansätze auch  in der Wirtschaft werden durch Populisten vom Schlage  Horst Seehofers oder Sigmar Gabriels sowie von  Bürokraten in Ämtern, Agenturen  und Rathäusern blockiert. Es klappt auch in Europa nicht, weil Regierungschefs vergessen haben, woher ihre Staaten kommen, und  glauben, Solidarität sei eine Einbahnstraße. Wenn es aber   in Deutschland und   Europa nicht klappt, wie soll erst die Welt, wenn das Doping abgesetzt ist, wieder auf die Beine kommen?

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