Fr., 29.07.2016

Kommentar zur Pro-Erdogan-Demo Nachhilfe

Bei einer Demo in der Nacht des Putsches halten Demonstrantinnen in Bielefeld ein Erdogan-Transparent in der Hand.

Bei einer Demo in der Nacht des Putsches halten Demonstrantinnen in Bielefeld ein Erdogan-Transparent in der Hand. Foto: Mike-Dennis Müller

Von Christian Althoff

Sonntag bekommt Recep Tayyip Erdogan eine dringend notwendige Nachhilfestunde in Demokratie: Ohne Angst vor Repressalien haben zu müssen dürfen in Deutschland Zigtausende (Deutsch-) Türken demonstrieren – obwohl es der Mehrheit der Deutschen überhaupt nicht passt, dass sie sich für einen Despoten starkmachen. Für einen Mann, der 18.000 seiner Landsleute eingesperrt hat und sie nun auch noch enteignet.

Bis hin zu Politikern haben manche in den vergangenen Tagen ein Verbot der Demonstration gefordert. Doch so schwer das zu akzeptieren sein mag: Wenn wir hier Demonstrationen unterbinden (was rechtlich kaum möglich ist), stellen wir uns mit Erdogan auf eine Stufe.

Eine Demokratie muss so eine Demo ertragen können. Sie muss aber auch klarmachen, wo sie steht. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Erdogans jüngste Dreistigkeit, von Deutschland die Auslieferung von Gülen-Anhängern zu fordern, nur mit ein paar moderaten Worten reagiert hat, ist nicht in Ordnung. Flüchtlingsdeal hin oder her: Erdogan muss man auch mal auf die Finger klopfen.

Kommentare

Demo zur Unterstützung einer beginnenden Diktatur

Hallo,
leider entzieht es sich meinem Verständnis, dass eine Demonstration für einen Staat stattfinden darf, der offensichtlich einen Weg in eine islamisch diktatorisch geprägte Regierungsform eingeschlagen hat.
Ich kann diese Genehmigung der Demonstration NICHT gut heißen.
Für mich widerspricht dies den Grundsätzen unseres Zusammenlebens in Deutschland.
Wenn die Damen und Herren so angetan sind von ihremn Staatsmann und ihrem Heimatland, dann frage ich mich, was sie in Deutschland wollen was sie in Deutschland hält.

Wirklich ?

Guter Herr Althoff,
unsere Basis- und Idealo-Demokraten haben die deutsche Generation der 1930er Jahre bitter verurteilt, das Nazi - Regime nicht verhindert zu haben.
Heute bereinigt ein Despot sein Land mit Verhaftungen, Denunzierungen und Suspendierungen und Vernichtung von Existenzen. Alle schauen zu, niemand verhindert etwas !
Sollte sich Erdogans Regime ähnlich entwickeln wie die NSDAP, so macht sich Deutschland mitschuldig, dieses noch mit Aufmärschen der Sympathisanten unterstützt zu haben.
Wo bleiben die Interventionen und nicht nur leisen Proteste ? Es wäre jetzt genau der richtige Zeitpunkt, nationalistische Agitation zu verbieten.

2 Kommentare

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