Sa., 30.07.2016

Kommentar zum Papst in Polen Starke Signale gegen Hass

Der Papst gedenkt in Auschwitz den Opfern.

Der Papst gedenkt in Auschwitz den Opfern. Foto: dpa

Von Oliver Kreth

Jorge Mario Bergoglio ist nicht der erste Papst, der Auschwitz besucht hat. Sein Vorgänger Papst Benedikt XVI. war 2006 da, Johannes Paul II. als Papst 1979. Sie sprachen und beteten, Franziskus schwieg und betete. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, setzte der Argentinier ein weiteres starkes Zeichen.

Gesprochen hatte der Pontifex in den Tagen zuvor. Freundlich, aber deutlich. Unmissverständlich redete er seinen polnischen Zuhörern ins Gewissen. In diesem katholischen Land haben Abschottungswünsche Hochkonjunktur – wie in vielen anderen christlich, dort gerne auch mit dem Zusatz abendländisch benutzt, geprägten Ländern.

»Von der Macht, der Größe und der Augenfälligkeit angezogen zu sein, ist in tragischer Weise menschlich«, zeigte er durchaus Verständnis für Egoismen. Sich an andere zu verschenken, Distanzen aufzuheben, im Kleinen zu wohnen und konkret im Alltäglichen zu leben, sei dagegen in vortrefflicher Weise göttlich.

Natürlich richteten sich die Worte nicht nur an die Polen. Nicht nur an die 1,2 Milliarden Katholiken in aller Welt. Franziskus’ Worte waren an alle Menschen gerichtet. Seid christlich, nicht christlich geprägt, lautet die Aufforderung des 79-Jährigen.

Das Verständnis des Argentiniers für Menschen in Not, Arme, Flüchtlinge ist nicht nur religiös begründet. Sein Vater bestieg 1928 in Genua ein Schiff. Er entfloh der sozialen Not, er suchte ein besseres Leben, eine Zukunft, die dieses Wort auch verdient. Er tat dies wie damals tausende Menschen aus dem Piemont.

Erst die klaren Worte, dann das Schweigen an dem Ort, an dem sich Barbarisches ereignet hat. Ein Ort, an dem sich die Ablehnung von Menschen einer Religion (90 Prozent der Toten in Auschwitz waren Juden) in viehischer Weise austobte. Ein Ort, an dem Menschen hungerten, gequält, vergewaltigt, erschossen, gehängt, fabrikmäßig vergast wurden – oder sich vor Verzweiflung selbst in den elektrischen Zaun warfen. Bis zu 1,5 Millionen Menschen krepierten so zwischen 1940 und dem 27. Januar 1945.

Auschwitz ist eine ewige Mahnung. Nicht nur für uns Deutsche. Sondern für alle Menschen. Eine Mahnung, dass Hass gefährlich ist. Eine Mahnung, dass Hass den Menschen sehr schnell zum Unmenschen werden lassen kann.

Jorge Mario Bergoglio betete in Auschwitz auch minutenlang in der Todeszelle des Franziskanerpaters Maximilian Kolbe. Einem Mann, der wie viele, die sich gegen nationalsozialistische Verbrechen stellten und sich opferten, von den Nazis als Gutmensch diffamiert wurde.

Der Papst hat in Polen starke Zeichen gegen den Hass gesetzt. Es bleibt zu hoffen, dass sie nicht nur verstanden, sondern auch mit Leben erfüllt werden.

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