Sa., 20.08.2016

Kommentar zu Flüchtlingen in OWL Der Anfang eines noch langen Weges

9. September 2015: In der Busdorfschule in Paderborn kommen die ersten Flüchtlinge an.

9. September 2015: In der Busdorfschule in Paderborn kommen die ersten Flüchtlinge an. Foto: Jörn Hannemann

Von André Best

Die Flüchtlinge sind schneller gekommen, als jeder reagieren konnte. Dieser Satz beschreibt wohl am besten, was vor einem Jahr los war in Deutschland. Es herrschte ein Durcheinander. Auch in Ostwestfalen-Lippe war die Unsicherheit groß.

Plötzlich standen in manchen Orten Busse mit zum Teil mehr als 100 Flüchtlingen vor den Rathäusern – manchmal mitten in der Nacht. Ohne die fantastische Hilfe der Menschen im öffentlichen Dienst, bei der Polizei und Feuerwehr, darunter Tausende Ehrenamtliche, wäre diese Ausnahmesituation niemals zu bewältigen gewesen.

In Schloß Holte-Stukenbrock beispielsweise setzt sich Giesela Hörster (75) seit zwei Jahren ehrenamtlich für Flüchtlinge ein. Von vielen wird sie liebevoll nur »Mama Giesela« genannt. Zum Glück gibt es von solchen »Muttis« und auch Männern hunderte in OWL.

30.000 Flüchtlinge in OWL

Und heute? 30.000 Flüchtlinge leben nach Schätzungen in Ostwestfalen-Lippe. Die Grundversorgung hat die Notversorgung größtenteils abgelöst. Die zum Teil unübersichtliche Situation mit allen Unklarheiten, das anfängliche Provisorium, ist in eine Routine übergegangen. Das erste Jahr galt genau dieser Grundversorgung, dem Sich-Einleben – auf beiden Seiten.

Deutsche und Flüchtlinge müssen sich noch aneinander gewöhnen. Wie so oft im Leben sind anfängliche Vorbehalte vielerorts einer Toleranz gewichen. Dort, wo das Zusammenleben weitgehend gut klappt, lebt man friedlich nebeneinander und im besten Fall miteinander.

Obwohl schon einiges erreicht ist, haben viele Menschen große Sorgen und auch Ängste. Sie fremdeln mit den Fremden. Zum Teil ist das verständlich, weil Deutsche und Flüchtlinge sich nicht kennen und auch, weil Übergriffe wie in Köln und auch in der Region die Menschen zusätzlich verunsichert haben.

Wie kann Vertrauen entstehen?

Wie kann da Vertrauen entstehen? Das funktioniert nicht auf Knopfdruck, genauso wie die Integration nicht in kurzer Zeit gelingen kann. Das braucht Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte.

Vielleicht hätte Angela Merkel sagen sollen: Ein Land wie Deutschland mit seiner Wirtschaftskraft und Infrastruktur kann das schaffen, wir brauchen viel Kraft und Geduld, aber es wird Jahre dauern, es wird viel kosten und es wird auch Rückschläge geben.

Ganz gleich, welche Wortspiele richtig oder falsch sind: Der Anfang eines noch langen Weges ist gemacht. Die Integration hat gerade erst begonnen. Viel schwerer ist es nun, das Zusammenleben mit den Flüchtlingen nachhaltig gelingen zu lassen. Idealerweise schaffen wir das mit einer Mischung aus Mut, Optimismus, Geduld und mehr Gelassenheit.

Kommentare

Merkels Herausforderung

Merkel hat die deutsche Bevölkerung vor diese Herausforderung gestellt, um die niemand gebeten hat und zu der sie streng genommen auch nicht ermächtigt war. Sie erteilt den Deutschen einfach so den Auftrag, eine ganze Bevölkerungsgruppe aufzunehmen und zu integrieren. In einer Demokratie erteilt das Volk der Regierung einen Auftrag, nicht umgekehrt. Den Ausdruck der Tefonkanzlerin hat übrigens Obama geprägt. der lange vor der Flüchtlingkrise erkannt hatte, daß Merkel jede Kritik an sich abperlen läßt. Den schweren Job machen ohnehin andere: Polizisten, Verwaltungsangestellte, Ehrenamtliche , denen tatsächlich viel zu wenig Respekt gezollt wird, ob man ihre Motive nun nachvollziehn kann oder nicht.

Sachlichkeit ist das höchste Gebot!

Die Serie greift ein Thema auf, dass alle stark beschäftigt. Selbst bei Treffen mit Freunden, am Ladentisch oder beim Familienfeiern: Irgendwann kommt es wohl auf den Tisch. Das kann ein Hinweis sein, der auf eine (notwendige) fast verlorenen gegangene Politisierung der Bürger*innen. Das Thema kommt aber auch immer mit einer gehörigen Portion Emotionen auf den Tisch. Es lässt kaum einen von uns "cool". Eine Auseinandersetzung untereinander, die wegen der oben beschriebenen Spaltung wirklich wichtig ist, kann aber nur gelingen, wenn wir in Respekt und Sachlichkeit mit eineander streiten. "Teflonmutti" zollt Frau Merkel wenig Respekt. Sie hat einen schweren Job und muss mit großen Herausforderungen umgehen. Man mag sie kritisieren! Bitte! Aber Sachlichkeit ist das Gebot der Stunde!

Netter Text

der leider nur an der Oberfläche kratzt und versucht all die Schwierigkeiten die es gibt und geben wird, in einem guten Licht stehen zu lassen.
Jeder Mensch lernt aus seinen Fehlern, der eine lernt mehr und schneller, der andere weniger und braucht länger. Das aber einige Gruppen auch nach Jahrzehnten kaum integriert sind, auch weil diese Gruppen es nicht wollen, das hätte man wissen können.
Was ist mit Aussage, die gut ein Jahr alt ist, das diese Menschen gut ausgebildet sind? Täglich liest und hört man das genau das Gegenteil der Fall ist. Welche Jobs sollen diese Menschen machen? Warum wird von Integration gesprochen? Eines Tages ist in Syrien der Bürgerkrieg vorbei und dann gibt es auch keinen Grund für Asyl.
Ich bleibe dabei, diese Asylpolitik spaltet Deutschland. Ich kenne keinen der damit jetzt noch zufrieden ist und selbst vor Monaten war die Zahl derer, die das gut geheißen haben, mehr als gering.
Ich hoffe auf ein Umdenken, glaube aber das die Teflonmutti mal wieder aussitzen will. Und ich hoffe dafür gibt es für die GroKo bei den anstehenden Wahlen mehr als einen Denkzettel.

3 Kommentare

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