Sa., 27.08.2016

Kommentar zum aufgehobenen Burkini-Verbot Zeigen, wie viel Spaß der Bikini macht

Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein

Schön ist er nicht, der Burkini – der Ganzkörperbadeanzug für Frauen, der nur Gesicht, Unterarme und Füße ausspart. Aber schön ist der korpulente Mitsechziger im Stringtanga auch nicht – jedenfalls nach gängigen ästhetischen Vorstellungen. Doch darf eine freie Gesellschaft einfach verbieten, was nicht gefällt?

Das höchste französische Gericht schob dem jetzt erstmal einen Riegel vor. Das Thema Terrorabwehr bietet jedenfalls kein Argument für eine solche Einschränkung der Bekleidungsfreiheit – der Schutz der Frauen, von denen Außenstehende nicht ohne Grund annehmen, dass viele den Burkini nur gezwungenermaßen tragen, schon eher. Doch lassen sich Erklärungen von Betroffenen, sie trügen dieses hässliche Stück Stoff, weil sie sich darin wohl fühlten und um lästigen Männerblicken zu entgehen, nicht einfach beiseite schieben.

Erfunden wurde der Burkini von einer Australierin, Aheda Zanetti. Die Unternehmerin und Muslimin hat damit nach eigenen Aussagen ihren Nichten den Schwimmbadbesuch ermöglicht.

In der Tat ist dies vermutlich das stärkste Argument gegen ein Burkini-Verbot: Nur so können Mädchen und Frauen erkennen, wie ihre Kleidung hier befremdet und mit wie viel Spaß andere ohne so viel Stoff ins erfrischende Nass tauchen. Genauso vollzieht sich gerade die Anpassung bei einer Gruppe von Russlanddeutschen, die vor einiger Zeit ebenfalls aus angeblich religiösen Gründen ihre Töchter mit kompletten Badeverboten belegten.

Hintergrund der Burkini-Entscheidung in Frankreich ist die größere Diskussion um die angebliche islamische Frauenkleidung, gemeinhin »Burka« genannt. Auch hier macht Gelassenheit Sinn. Gegen begründete Einschränkungen etwa vor Gericht oder in Schulen lässt sich wenig einwenden. Weiter gehende Forderungen aber, die insbesondere in den sozialen Medien erhoben werden, könnten schon daran scheitern, dass dann Kopftuch, Hidjab, Al-Amira, Chimar, Tschador, Niquab und Burka einzeln bewertet werden müssen.

Zum Schluss eine persönliche Anmerkung: Einen meiner schönsten Strandtage erlebte ich mit katholischen Nonnen, die irgendwo im indischen Kerala im vollen Ordenshabit – nur ohne Schuhe – neben einheimischen Frauen im Sari gebadet haben.

Kommentare

Toleranz

Herr Hertlein, auf die großtmöglichen Grenzen der Toleranz bezieht sich der Islam für meinen Geschmack viel zu häufig.
Ich finde es schon verwunderlich, dass man in den 80er kaum kopftuchtragende Frauen oder gar Vollverschleierte gesehen hat. Diese von Ihnen mit Sicherheit gut gemeinte Toleranz muss Grenzen haben.

Wenn Sie mit Ihrer Frau die Scheich Zayid Moschee (Abu Dhabi) besuchen wollen, muss diese ein Kopftuch tragen und Körperkontakt (wie an der Hand halten) ist untersagt. Soviel zur Toleranz in anderen (muslimischen) Ländern.
Das der Islam anderen Glaubensrichtungen i.d.R. nicht sehr tolerant gegenüber ist dürfte ihnen dann ja bekannt sein. Warum leben sonst 10.000 von christlichen Aramäern hier? Weil Sie verfolgt und gezielt zum Exodus getrieben wurden.
Der Islam bestimmt in Deutschland und auch weltweit in den letzten Jahren einen Großteil der Schlagzeilen und dies nicht im Positiven.
Ich frage mich bis heute noch, warum es nach terroristischen islamischen Anschägen nicht möglich ist, 30.000 Demonstranten, die sich distanzieren auf die Straße zu bringen.
Im Gegenzug schaffen es aber Erdogananhänger ihre Solidarität und Ihre Loyqalität mit ihm in Köln Kund zu tun.
Auch wenn Sie es nicht gern lesen werden, der Islam passt nicht in diesen Teil der Welt.

Sehr geehrter Herr Laumache,

auch ich sehe im Burkini kein Zeichen der Integration. Aber zu unseren "üblichen Gebräuchen" gehört, dass wir niemandem vorschreiben, wie er sich anzuziehen hat - jedenfalls in größmöglichen Grenzen. Da macht es schon einen Unterschied, ob eine Frau ein Kopftuch, einen Burkini oder eine "Ganzkörperverschleierung" (Burka) trägt.
Nebenbei: Ich setze mich schon für die Toleranz gegenüber Christen und anderen religiösen Minderheiten auch in mehrheitlich islamischen Ländern ein.

Lieber Herr Hertlein,

das sehen Sie mMn aber zu sehr durch die rosarote Brille. Der Burkini, das Kopftuch lapidar formuliert die Ganzkörperverschleierung gehört nicht zur westlichen Kultur. Kein anderer Kulturkreis als der Islam fordert ständig Toleranz für sich und seine Glaubensbrüder. Für mich ist und bleibt er ein Zeichen der Nichtintegration. Wer hier leben will sollte sich in der Öffentlichkeit den üblichen Gebräuchen anpassen, wer dies nicht will findet genug (islamische) Länder wo man sein Leben so gestalten kann.

3 Kommentare

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