Mi., 14.09.2016

Kommentar zu Wilfried FinkeFinke und dem SC Paderborn Der Ex-Boss spricht wie ein Präsident

Wilfried Finke.

Wilfried Finke. Foto: Jörn Hannemann

Die Breitseiten beginnen beim Trainer, weil René Müller zu viele Absteiger behalten, keinen Spielmacher geholt und damit den Kader falsch zusammengestellt hat. Abgegrätscht werden Kapitän Tim Sebastian und Mannschaftsratsmitglied Christian Strohdiek, weil sie keine Führungsspieler sind. Die letzte Ohrfeige trifft seinen Nachfolger, weil es Martin Hornberger als neuer Präsident verpasst hat, Ziele zu formulieren. Einzig die Fans werden gelobt. Das verwundert, denn gerade sie waren es – wenn auch nur ein kleiner Teil –, die mit ihren Attacken in der Arena und in den sozialen Netzwerken den Nährboden für Finkes Rücktritt schufen.

Warum gerade jetzt dieser Rundumschlag? Weil beim SCP schon wieder zu viel schön geredet wird. Schließlich macht die Mannschaft aktuell mehr Rück- als Fortschritte und ist gerade dabei, sogar in die Niederungen der 3. Liga zu versinken. Das war vor einem Jahr und eine Liga höher auch schon so. Nur wollte da niemand den nächsten Absturz wahr haben. Auch Wilfried Finke nicht. In seine Präsidentschaft fällt eben nicht nur der Aufstieg bis in Liga eins. Sein Name wird auch immer mit dem doppelten Abstieg verbunden bleiben.

Warum der Weg über die Öffentlichkeit? Weil das seine Art ist. Wenn es um viel geht, bläst Finke über die Medien zur Attacke. Und es geht um sehr viel. Der SC Paderborn ist als Verein schuldenfrei, aber trotzdem in der 3. Liga nicht lebensfähig. Die Infrastruktur mit Arena und Trainingszentrum ist auf Liga zwei ausgerichtet – und genau deshalb muss der Verein da wieder hin. Nicht nur, weil das TV-Geld fehlt. Auch, weil die Paderborner Mittelmaß in der 3. Liga gar nicht annehmen. Mit 5000 Besuchern im Schnitt liegt der Klub deutlich hinter der Kalkulation von 7500 pro Partie.

Gut wäre deshalb der direkte Wiederaufstieg 2017, Pflicht ist er 2018. Und genau so ist Finkes Abrechnung zu verstehen: Der Kaufmann, der 44 Prozent der Anteile an der Stadiongesellschaft hält, sorgt sich auch um seinen Mieter. Der bekommt sein Zuhause in dieser Saison kostenlos zur Verfügung gestellt. Zu einer Dauerlösung soll das nicht werden. Deshalb spricht der Ex-Boss wie ein Präsident.

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