Kommentar zu Papst Franziskus
Wette auf die Zukunft

Mit 80 Jahren noch ein Hoffnungsträger – wer kann das schon von sich behaupten? Papst Franziskus könnte es ohne jede Eitelkeit, würde das aber nie tun. Der Mann ist und bleibt bescheiden. Das Amt hat ihn da kein bisschen verändert. Im Gegenteil: Er hat das Amt verändert.

Samstag, 17.12.2016, 15:08 Uhr aktualisiert: 18.12.2016, 21:01 Uhr
Papst Franziskus wird an diesem Samstag 80 Jahre alt. Foto: dpa
Papst Franziskus wird an diesem Samstag 80 Jahre alt. Foto: dpa

Franziskus hat un­ter den Katholiken für eine Aufbruchstimmung gesorgt. Und er hat auch bei vielen Menschen, die mit dem Glauben nur wenig und mit der Kirche schon gar nichts anfangen können, neues Interesse geweckt. Besonders aber im Vatikan hat sich Jorge Mario Bergoglio Respekt verschafft.

Vereinnahmen lässt sich dieser Papst von nichts und niemandem. Das ist schon für sich genommen eine ungeheure Leistung, denn so mancher seiner Vorgänger auf dem Stuhl Petri musste erleben, wie die Kurie die eigenen Handlungsmöglichkeiten systematisch immer weiter eingeschränkt hat.

Dieser Papst ist anders

Dieser Papst aber ist anders, und er macht es anders. Franziskus ist unanfällig für Pomp und Personenkult, er bleibt stets als Mensch nahbar und als Persönlichkeit erkennbar. Dieser Pontifex nimmt den Widerspruch und den Widerstand im Vatikan bewusst in Kauf. Er fordert ihn regelrecht heraus.

Und doch lastet die Verantwortung schwer auf seinen Schultern. Die Erwartungshaltung ist so riesig wie die Sympathie, die Franziskus entgegengebracht wird. Nach vier Jahren im Amt wächst die Ungeduld: Wann endlich wird aus dem Aufbruch der Durchbruch? Das fragen sich viele. Und übersehen dabei, dass die Reform der katholischen Kirche und die Erneuerung der Christenheit nicht die Tat eines einzelnen Mannes sein können – und sei er auch der Stellvertreter Gottes auf Erden.

Franziskus selbst übersieht das nicht – und noch weniger überschätzt er sich und sein Wirken. Der Papst weiß, dass der Weg schwer und steinig ist. Dass er die katholische Kirche öffnen will, ist offenkundig. Ebenso unübersehbar ist aber auch, dass längst nicht alle damit einverstanden sind. Sie setzen stattdessen auf Abschottung. So tobt auch in der katholischen Kirche die Debatte, die derzeit vielerorts auf der Welt erbittert geführt wird.

Eher Aufklärer als Revolutionär

Dieser Papst und sein Kurs sind vor allem eine Wette auf die Zukunft. Franziskus hat neue Themen auf die Agenda gesetzt und die Perspektive geändert. Er sieht die Kirche stets auch von unten und nicht nur vom Stuhl des Heiligen Vaters aus. Gleichwohl sind Veränderungen mit der Brechstange seine Sache nicht. Er ist eher Aufklärer als Revolutionär.

Was er erreicht, wird auch davon abhängen, wie viele Mitstreiter er findet und wie viele von diesen er zu Kardinälen machen kann, auf dass sie sein Wirken verstärken und dereinst fortsetzen werden. Ob Papst Franziskus Erfolg hat, ist nicht sicher. Zu wünschen wäre es aber, denn diese Welt könnte neue Hoffnung gut gebrauchen.

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