Kommentar zum Streit um Sonntagseinkauf
Der Handel lebt von offenen Türen

Es ist unfassbar, wie die Gewerkschaft Verdi derzeit den Einzelhandel in Aufruhr versetzt. Sie nutzt die schwammig formulierte Gesetzeslage in NRW schamlos aus, um mit gerichtlicher Unterstützung einen verkaufsoffenen Sonntag nach dem anderen kippen zu lassen.

Donnerstag, 16.03.2017, 06:00 Uhr aktualisiert: 16.03.2017, 07:26 Uhr
Symbolbild. Foto: Thomas F. Starke
Symbolbild. Foto: Thomas F. Starke

Und das alles nur, weil die Kraft-Regierung in Düsseldorf es versäumt hat, klar zu definieren, wann ein verkaufsoffene Sonntag berechtigt ist. Und so stellt sich nun allerorts die Frage: Welches Stadtfest reicht aus, um auch sonntags die Geschäfte öffnen zu dürfen?

Der Einsatz von Verdi ist vor allem auch deswegen unfassbar, weil die Gewerkschaft mit ihrem Vorgehen gegen die Interessen der eigenen Mitglieder agiert. Wer dem Handel lukrative Einnahmequellen trocken legt, darf sich nicht wundern, dass das auch Auswirkungen auf die Belegschaft hat.

Wichtiger Bestandteil des Stadtmarketings

Ob Bielefeld oder Gütersloh, Paderborn oder Herford: Die in der Regel vier verkaufsoffenen Sonntage sind für die OWL-Metropolen mehr als nur ein gutes Geschäft für den Handel und die Gastronomie. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Stadtmarketings. Die Städte tun viel, um dem Handel eine attraktive Plattform zu bieten. Das ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, das hervorragend funktioniert. Daher sind die Kommunen gut beraten, sich von Verdi nicht einschüchtern zu lassen – auch wenn sie Gefahr laufen, verklagt zu werden und vor Gericht zu unterliegen.

Gegen inzwischen nur noch vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr, die von den Kommunen per Ratsbeschluss festgelegt werden, kann niemand etwas haben. Die Beschäftigten arbeiten freiwillig fünf Stunden an einem Nachmittag, an dem gut gelaunte Kunden durch die Geschäfte flanieren und bereit sind, Geld auszugeben. Nicht zuletzt gibt es für die Mitarbeiter Sonntagszuschläge, die die Firmen ihnen bezahlen. Der Einzelhandel lebt von klingenden Kassen und nicht von geschlossenen Türen.

Es gilt, den regulatorischen Irrsinn zu stoppen

Amazon und Co. haben immer geöffnet – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Das will und kann der Handel nicht.  Warum sollten ihm daher bei der ohnehin stark limitierten Zahl der Sonntage unnötige Fesseln angelegt werden?

Verdi sieht das anders. Stellt sich also die Frage: Cui bono: Wem nutzt der Vorstoß der Gewerkschaft wirklich? Die Antwort liegt auf der Hand: Nur der Gewerkschaft selbst! Verdi meint offenbar, auf diese Weise Stärke demonstrieren zu können. Faktisch sägt sie aber an dem Ast, auf dem ihre Mitglieder im Einzelhandel sitzen.

Der Streit um die Sonderöffnungen muss endgültig beigelegt werden, vor allem, weil die vier Sonntage längst geübte Praxis sind und die Kirchen sie mittragen. Wieder einmal liegt der schwarze Peter in Düsseldorf. Dort muss nun gehandelt werden – schnell, aber diesmal gründlich. Es gilt, den regulatorischen Irrsinn zu stoppen. Und das am besten noch vor der Wahl.

Kommentare

Gluteus Maximus  schrieb: 17.03.2017 10:10
Gegenseite kommt doch zu Wort...
Sehe ich gerade, wenn auch nur mit einem Artikel "Sonntagsverkauf, Verdi kritisiert Rechtsbruch".

Der ist gar nicht schlecht und lesenswert und setzt anstatt auf Gefühle (vielleicht sogar gefaelligst zu habende Gefuehle auf Argumente).

Lesen!
Gluteus Maximus  schrieb: 17.03.2017 09:52
The day after ...
Aha, heute dann drei Artikel. Einer gleich beüberschriftet "Ich bin für verkaufsoffene Sonntage". Das es auch andere Meinungen gibt, wird an einer Stelle in einem anderen Artikel nur angedeutet und in dieser Meinungssammlung gar nicht. Nun weiss ich natürlich aus Erfahrung, dass wenn etwas alle sagen oder meinen, dass das natürlich richtig und auch recht ist und für eine Demokratie und den Pluralismus durchaus üblich und typisch ist. Somit gebe ich mich geschlagen.
;-)

Ach ja, schönen sinnvollen meinetwegen auch sinnbefreiten Sonntag. Morgen kommen bestimmt noch 2 Artikel zur Meinungsverfestigung, damit auch ja keiner auf andere Gedanken kommt.
Gluteus Maximus  schrieb: 16.03.2017 18:11
Preis ist oft ausschlaggebend
Nicht die Möglichkeit am Sonntag zu bestellen macht aus dem Internetgeschaeft einen mehr als ernst zu nehmenden Gegner bzw. Mitbewerber, die Ware kommt ja schliesslich doch erst Montag oder viel spaeter und man haette das entsprechende Produkt dann auch sogar eher vor Ort kaufe koennen. Der oft wesentlich geringere Preis (inklusive Versand) macht das Internetgeschaeft oft konkurrenzlos. Wenn dann auch noch die Beratung vor Ort eher verbesserungsbeduerftig ist, bleibt nicht mehr viel. Was war jetzt mit Sonntag?

Ich z.B. hab mich schon oft im Internet informiert und dann doch vor Ort gekauft. Umgekehrt eigentlich entgegen dem Trend nicht.
bermbeck  schrieb: 16.03.2017 10:51
Nach wie vor erschließt sich mir nicht, warum Verdi einerseits mit Vehemenz und unter dem Deckmantel des Arbeitnehmerschutzes gegen die verkaufsoffenen Sonntage vorgeht, andererseits aber tatenlos zusieht, wie in Bünde ein Geschäft jeden Sonn- und Feiertag seine Pforten öffnet. Gilt hier der Arbeitnehmerschutz nicht ?
Ein Schelm, der in Verdis Verhalten etwas Böses sieht.
Michael Schönow  schrieb: 16.03.2017 09:54
ich nehme
an, dass diese Verdi-Sch..Gewerkschaft.er nie an einem Sonntag Tanken, Brötchen kaufen oder in Restaurants besuchen und nach 18.00 Uhr Abends auch keine Einkäufe machen und nie was bei Amazon bestellen. Oder an einem Wochenende fliegen, Bahn fahren uvm. Wenn ich Verdi lese/höre könnte ich Ko...n.
Gluteus Maximus  schrieb: 16.03.2017 09:01
Gut, dass dies auch als Meinung deklariert ist ...
Wann fing das eigentlich alles an mit diesen SchLaDos, langen Samstagen und verkaufsoffenen Sonntagen?
Hat man Sonntags nichts besseres zu tun oder nicht zu tun (wir erinnern uns, da war was) als in Geschaeften rumzuaufen und sich Sachen zu bekucken oder auch zu kaufen, die man sich auch haette Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstags haette bekucken und kaufen koennen. Wie haben die das eigentlich vor diese SchLaDos, langen Samstagen (heute sind alle lang, oder?) und verkaufsoffenen Sonntagen gemacht. Der nicht vorhandenen Moeglichkeit wegen hat sich meines Wissens keiner umgebracht. Alles auf's Internet zu schieben, scheint mir auch zu billig. Oh, Entschuldigung, gerade nochmal alles ueberflogen, es geht gar nicht um den gut gelaunten Kunden, der kommt hier schliesslich nur einmal vor. Nebenbei erscheint es mir doch irgendwie ein Wunder zu sein, dass das angeblich nicht vorhandene Geld ausgerechnet am Sonntag ausgegeben werden muss.
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