Kommentar zur Pflege
Doppelt bedürftig

Etwa 2,9 Millionen Menschen sind pflegebedürftig. Gut jeder Sechste von ihnen muss deshalb zum Sozialamt gehen. Diese Pflegebedürftigen sind gleich doppelt bedürftig. Die amtliche Statistik der Misere reicht allerdings nur bis zum vergangenen Jahr. Und es ist nicht so, dass sich seitdem nichts im Pflegebereich getan hätte.

Donnerstag, 14.12.2017, 21:44 Uhr aktualisiert: 14.12.2017, 21:50 Uhr
Symbolbild. Foto: Daniel Karmann/dpa
Symbolbild. Foto: Daniel Karmann/dpa

Die aktuelle Reform, bei der die früheren drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt wurden, ist zum Teil mit deutlichen Leistungsverbesserungen verbunden. Trotzdem wäre es blauäugig, davon auszugehen, dass sich deshalb in Zukunft auch die Zahl der Sozialhilfeempfänger automatisch reduziert. Im Extremfall kann sogar das Gegenteil eintreten. Denn durch die neuen Bestimmungen ist auch der Kreis der Anspruchsberechtigten deutlich gestiegen.

Um Bedürftigen den Gang zum Sozialamt zu ersparen, müssten die Pflegesätze durchweg erhöht werden. Damit stellt sich allerdings die Systemfrage. Gegenwärtig ist die Pflegeversicherung nur eine Art Teilkasko. Eine Vollversicherung würde erheblich mehr Geld kosten als heute.

Kommentare

Peter Weist  schrieb: 17.12.2017 12:41
Politsche Augenwischerei
Die Anzahl der Pflegebedürftigen wird auch weiter steigen. Da die Bevölkerung immer älter wird, dank der Möglichkeiten der Medizin. Somit steigen auch die Kosten. Da aber oftmals die Renten nicht reichen, bleibt nur der Gang zum Sozialamt.
Dem gegenüber steht das Bundesministerium für Gesundheit, welches stets bemüht ist neue „Modelle“ zu erstellen. Es werden neue Begrifflichkeiten und Gesetzte ersonnen, welche die Pflege betreffen. Als Beispiel sind Pflegestärkungsgesetze II und III genannt. Welche sich zwangsläufig auch im SGB XI (Ursprung 01.01. 1995) und XII bemerkbar machen. Die genannte Pflegeversicherung gemäß SGB X Und XI war nie als Vollkaskoversicherung gedacht, sondern als Teilkasko-Konstrukt. Abzulesen an den Regelsätzen und deren Optionen.
Die Leidtragenden wurden zwangsläufig die zu pflegenden Personen und deren Angehörige. Als auch die Pflegeberufe. Die finanziellen Möglichkeiten der Arbeitgeber wurden immer weiter eingeschränkt, während sich der Kostenfaktor überproportional nach oben bewegt.
Ausgangspunkt war eine bundespolitsche Entscheidung aus den 2000er Jahren. Diese Agenda wirkte sich auf unser Sozialsystem aus. Heute stehen wir vor einem Scherbenhaufen. Im Rahmen dieser Politik begann der Sozialabbau nach dem Motto: Der Bürger soll mehr Eigenverantwortung tragen.
1 Kommentare
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5358731?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F
„Ich brech dir deine Beine“
Amos Pieper von Arminia Bielefeld
Nachrichten-Ticker