Kommentar zum Katholikentag
Von Frieden, Frauen und offenen Fragen

Suche Frieden – besser hätte das Leitwort des 101. Katholikentags nicht lauten können. Nach dem Ausstieg der USA aus dem Atom-Deal mit dem Iran passt das Motto perfekt zum Auftakt des Festes in Münster. Als wenn das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das den Kirchentag veranstaltet, es geahnt hätte. Natürlich ist das nicht der Fall. Aber dennoch fügt sich das Schlechte, nämlich der Ausstieg aus dem Iran-Abkommen, mit dem Wichtigen, der Forderung, der Sehnsucht und der Suche nach Frieden.

Mittwoch, 09.05.2018, 21:30 Uhr
Mit einer Open-Air-Veranstaltung auf dem Domplatz in Münster ist am Mittwochabend der 101. Deutsche Katholikentag eröffnet worden. Foto: imago
Mit einer Open-Air-Veranstaltung auf dem Domplatz in Münster ist am Mittwochabend der 101. Deutsche Katholikentag eröffnet worden. Foto: imago

Aber: Allein dafür braucht es keinen Katholikentag. Da muss in Münster schon mehr kommen. Kriege wie in Syrien und anderswo sind zu verurteilen und zu verhindern – das weiß jedes Kind. Aber wie? Integration statt Eskalation auf allen Ebenen, national wie international – ja, schön wäre es...

Wie aber lösen wir die Pro­bleme unserer Zeit – und zwar in Nah und in Fern? Und wie meistern wir die Herausforderungen von Hunger, Flucht und Unmenschlichkeit – ja, idealerweise mit statt ohne Hilfe der Kirche. Und wie begegnen wir dem Hass, der Unsicherheit und auch der Angst vieler Menschen? Auf diese Fragen erhoffen sich die Gläubigen Antworten. Nur hübsche Bilder aus der Bischofsstadt – das darf nicht alles sein.

Antworten auf aktuelle Fragen müssen gegeben werden

Nun also Münster. Zum 100. Katholikentag vor zwei Jahren ging die katholische Kirche in die Diaspora nach Leipzig. Dort gehören acht von zehn Menschen überhaupt keiner Kirche an. Kein Zeichen, keine Aufmerksamkeit, kein Aufbruch. Das soll nun anders werden. Die Stadt des Westfälischen Friedens bildet diesmal die Kulisse. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Aber Münster ist keine Insel. Westfalen nicht. Ostwestfalen nicht. Deutschland nicht. Europa nicht.

Umso wichtiger, dass Antworten auf aktuelle Fragen gegeben werden. Das bayerische Kruzifix-Gebot, der zunehmende Antisemitismus, der richtige Umgang mit Flüchtlingen, dem Islam und auch den Wiederverheirateten sind da nur Beispiele. Die Frage nach dem Zölibat kommt noch hinzu. Es ist gut, dass Annegret Kramp-Karrenbauer dazu nicht schweigt.

Die CDU-Generalsekretärin fordert mehr Ämter für Frauen in der Kirche und auch die Priesterinnenweihe. ZdK-Präsident Thomas Sternberg sagt, die Kirche müsse begründen, warum Frauen von Ämtern ausgeschlossen werden.

»Suche Frieden« – das Leitwort in Münster – soll für alle gelten. Auch für die AfD. Deren kirchenpolitischer Sprecher nimmt an einer Podiumsdiskussion teil. Thema: »Nun sag’, wie hast du’s mit der Religion?« Man darf gespannt sein.

Alles, was Menschen 2018 bewegt, steht laut Thomas Sternberg auf dem Programm. Wollen wir hoffen, dass zu den drängenden Themen und Fragen kluge Antworten gegeben werden – auch zum gemeinsamen Abendmahl.

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