Kommentar zu Korea
Trump hat sich selbst ausgetrickst

Jeder macht Spielchen. Aber das mit dem nuklearen Feuer könnte ins Auge gehen. Niemand weiß das besser als Südkoreas Präsident Moon Jae In, der mit einem cleveren »Plan B« auf Trumps Absage auf den »Friedensgipfel« mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Un reagiert. Der Verbündete der USA trifft den Diktator selber kurzfristig und appelliert mit diesem gemeinsam an Trump, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Sonntag, 27.05.2018, 21:30 Uhr
Donald Trump. Foto: dpa
Donald Trump. Foto: dpa

Damit trickste sich der »Meister des Deals« selber aus. Nicht Kim steht nun isoliert da, sondern der erratische US-Präsident, dessen Wort keine 24 Stunden Bestand hat. Statt mit einer klaren Strategie zu führen, hechelt Trump den Entwicklungen hinterher.

Die Versuchung steht nun im Raum, zur Gesichtswahrung einen Schaufenster-Gipfel abzuhalten, der am Ende nicht mehr als eine Aufwertung des ruchlosen Diktators und ein Bröckeln des Sanktionsregimes bringt. Und die nukleare Entwaffnung auf den Sankt Nimmerleinstag verschiebt.

Trump erweist sich als das, was er immer schon war: Ein Amateur und Scharlatan, der seine Taktiken aus dem Sumpf der New Yorker Baubranche in die große Politik überträgt.

Das Muster lässt sich inzwischen klar beschreiben. Trump schafft immer erst Bedingungen, die so extrem daherkommen, dass sie Empörung auslösen. Im Fall Nordkoreas drohte er »dem kleinen Raketenmann« mit der »totalen Zerstörung« falls er seine Atomwaffen nicht aufgebe.

Dann ergreift er »überraschende« Initiativen, die auf Moderation hindeuten. Dazu gehört die Annahme der Idee eines Gipfeltreffens und das öffentliche Bauchpinseln eines brutalen Diktators.

Der nächste Schritt hängt dann von der Reaktion ab. Fällt diese nicht wie gewünscht aus, kommt der Rückzieher zur Ausgangsposition. Wobei sich Trump stets eine Hintertür offen lässt. Das entspricht in diesem Fall dem Absagebrief und das vage Andeuten einer möglichen Kehrtwende.

Lenkt die andere Seite dagegen weit genug ein, überschüttet sie Trump mit Lob und feiert seinen Deal.

Wie das Gipfel-Chaos zeigt, funktioniert Weltpolitik nicht wie die New Yorker Bauwelt. Deshalb ist Trumps Attitüde auch nicht genial, sondern schlicht vermessen. Ein Gipfeltreffen mit Kim hätte nach den klassischen Regeln der Außenpolitik sonst am Ende eines sorgfältig geplanten Verhandlungsprozesses gestanden, nicht am Anfang.

Das Problem mit Trumps »Ich«-Diplomatie besteht darin, dass im Fall Korea anders als in der Immobilien-Welt nicht bloß ein Deal durchfällt. Der Präsident steht vor einem Scherbenhaufen, von dem er sich nicht einfach abwenden kann.

Hätte er von Anfang an die Profis rangelassen, wäre genau diese Situation vermieden worden.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 28.05.2018 07:25
Trump hat sich selbst ausgetrickst
Donald Trump! Oder die Short-Story über einen Mann, der "viele Schachten" ausserhalb der Politik geschlagen hat und sich anschickte, die Verkrustungen des Establishments aufzulösen. Und nun eine bedauerliche Marionette des "US-Tiefenstaates" wird. Trump präsentiert sich gern als unabhängiger politischer Führer, ist in Wahrheit ein Vasall der amerikanischen Konzerne, des Militärs, der Geheimdienste und vor allen Dingen von seiner Tochter Ivanka, unterstützt von dem "Kriegshetzer" Jared Kushner und von neokonservativen Intellektuellen. Wie sagte es das ehemalige Mitglied der Reagan-Regierung als stellvertretender Finanzminister, Dr. Paul Greg Roberts, deutlich: "Die CIA hat Trump zu einem Nobody reduziert, einem Nichts, zu einer totalen Irrelevanz." An den Waffenproduzenten wurde es in jüngster Zeit noch einmal besonders deutlich, dass Tump keine eigene Politik verfolgt. Seine Rhetorik hat sich komplett geändert. Er spricht jetzt die Sprache seiner "Strippenzieher". Das wird auch deutlich bei seiner Rückkehr zur militärischen Interventionspolitik. Im Wahlkampf hatte er noch die Abkehr davon gepredigt, wofür er eigentlich u.a. gewählt wurde. Trump ist zur alten Politik seiner Vorgänger zurückgekehrt, die Roberts allesamt einmal "Schwachköpfe nannte, und dies auch begründete. Diese Politik zielt darauf ab, die Kriegsgebiete neu entflammen zu lassen, um die US-Hegemonie mit dem Petro-Dollar-System zu erhalten. Und so wird es nicht nur dem Iran, sondern auch Nordkorea ergehen. Ohne Rücksicht auf den Sicherheitsrat und die Vereinten Nationen.
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