Kommentar zum EU-Vorstoß
Künftig weniger Plastik

Die Bilder sind herzzerreißend: Ein Seepferdchen hat sich um einen Plastiktrinkhalm gewickelt, weil es den Stab für eine Pflanze hielt. In unseren Meeren sind längst neue Kontinente entstanden – aus Kunststoffabfall. Von solchen Fotos, die es aus allen Teilen der Welt gibt, lassen wir uns zwar berühren. Aber die eigentlich naheliegende Frage drang bisher zu wenig durch: Welche Folgen hat die Rückkehr des Plastiks in unsere Nahrungskette für uns?

Montag, 28.05.2018, 21:29 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Der Vorstoß der EU-Kommission kommt spät. Er ist überfällig, weil unsere Plastikkultur längst wichtige Lebensräume unserer Umwelt ruiniert. Und dennoch bricht bereits ein Glaubensstreit darüber aus, ob es sinnvoll ist, die Herstellung bestimmter Produkte aus Kunststoffen zu verbieten – oder ob es nicht besser wäre, auf die Einsicht von Verbrauchern und Herstellern zu hoffen. Nein, das ist kein Weg. Den Glauben an die Vernunft der Menschen muss verlieren, wer sieht, wie die, die sich nicht bevormunden lassen wollen, unsere Strände hinterlassen. Appelle sind schön, aber sie fruchten nicht. Das Problem sollte an der Wurzel angefasst werden.

Der Vorstoß aus Brüssel setzt ein bewährtes Prinzip in der Umweltpolitik fort: Die Verursacher sind für die Entsorgung verantwortlich. Das hat in vielen Bereichen zum Ersatz von Kunststoffen geführt, weil Kaffeebecher auch aus Pappe alle hygienischen Anforderungen erfüllen – von eigenen, selbst mitgebrachten Behältnissen ganz zu schweigen.

Verbraucher und Industrie haben das Problem des Plastikmülls bisher regelrecht in den Weltmeeren verklappt. Doch das Thema ist damit nicht weg, sondern schwimmt weiter an der Oberfläche. Dass Einwegplastikflaschen sogar in Deutschland, wo das Mehrwegsystem längst etabliert ist und Plastik auch getrennt gesammelt wird, immer weitere Kreise ziehen, darf nicht hingenommen werden. Sammelquoten von im Schnitt 30 Prozent in der EU sind ein Alarmzeichen, kein Grund zur Entwarnung. Es bleibt zu hoffen, dass das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten, die den Vorschlag nun noch beschließen müssen, ihn nicht verwässern oder verschleppen.

Kritikern wird das alles nicht gefallen. Zumal den deutschen nicht. Hierzulande wurden erfolgreich diverse Sammelsysteme für Plastik installiert. In anderen Mitgliedstaaten sieht das anders aus. Und ob aus Bayern oder NRW tatsächlich Wattestäbchen den Weg ins Meer finden, sei dahingestellt.

Ist also die EU-Kommission nicht wieder einmal vor lauter Verordnungswahn übers Ziel hinausgeschossen? Nein. Denn auch wer keine Trinkhalme in die Ozeane wirft, bleibt am Ende vom Risiko des Plastiks in der Nahrungskette betroffen. Dass wir, wie es die Kommission einmal drastisch ausdrückte, in einigen Jahren mehr Kunststoffmüll im Wasser haben als Fische, betrifft alle.

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