Kommentar zu Griechenland
Die Schulden bleiben

Griechenland ist nicht geheilt und nicht erlöst. Für die geplagten Euro-Finanzminister mag das Auslaufen des dritten Hilfsprogramms am 20. August so etwas wie eine historische Stunde sein. Und auch die Hellenen selbst wollen sich dann wieder als Herren im eigenen Haus fühlen. Aber tatsächlich bleiben das Land und seine Regierungen noch auf Jahre hinaus unter der Kuratel der Geldgeber.

Donnerstag, 21.06.2018, 21:48 Uhr aktualisiert: 21.06.2018, 21:50 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Zu groß ist die Sorge der Euro-Familie, dass Alexis Tsipras im Vorfeld der Wahlen 2019 in alte Verhaltensweisen zurückfallen und teure Wahlversprechen machen könnte. Es wäre nicht nur ein Vertrauensbruch gegenüber den Geldgebern, sondern auch ein Bruch der Zusage, künftig solide zu wirtschaften. Das wird ohnehin nicht einfach.

Denn die so lange hinausgezögerten Schuldenerleichterungen fallen geringer aus als erhofft. Das Land wird weiter unter den Folgen eines Schuldenberges ächzen, von dem sich niemand vorstellen kann, wie dieser jemals abgetragen werden kann. Die Geldgeber sind skeptisch, weil die Geschichte dieser Krise voller Lügen und Vertrauensbrüche steckt.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 22.06.2018 07:57
Die Schulden bleiben
Um die klammen Eurostaaten, also die Währungsunion, zu retten, müssen die Banken u.a. Griechenlands gerettet werden. Griechenland gehört nach wie vor zu den Euro-Ländern, die einfach wirtschaftlich und politisch für eine Währungsreform zu schwach ist. Folglich ist es nicht wettbewerbsfähig genug, müsste die Währungsunion verlassen und in ihre nationale Währung zurückkehren. Dann könnte es durch Abwertungen ihrer Währung die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft und im Aussenhandel wieder hergestellt werden. Das ist aber aus geopolitischer Sicht der EU nicht gewollt. Obwohl Griechenland im Grunde über keinerlei finanzielle Seriosität verfügt, kann sich weder die NATO noch die EU die politischen Konsequenzen eines Austritts leisten. Also muss die EZB, der IWF und die Weltbank weiter fremdes Geld nach Griechenland pumpen, damit die Wirtschaft nicht endgültig kollabiert. Und auch die deutsche Wirtschaft liefert auf Pump nach Griechenland, ohne jeglichen Kapitalrückfluss. Und so wachsen die sogenannten Target-II-Forderungen der Bundesrepublik auch durch Griechenland stetig und werden insgesamt die Billionen-Grenze in Euro erreichen. Und wer haftet dafür? Der deutsche Steuerzahler. Auch wenn heute von einem Milliarden-Zinsgewinn Deutschlands gesprochen wird. Sollte diese Summe tatsächlich zurückgeführt werden, kann der weitere wirtschaftliche Niedergang Griechenlands nicht aufgehalten werden. Wenn hier ständig von einem Primär-Überschuss, also ein Plus beim Haushalt ohne Schuldendienst gesprochen wird, dann ist das Augenwischerei. Der Schuldenberg kann nicht abgebaut werden, auch wenn in den nächsten 10 Jahren ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent erzielt würde.
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