Di., 17.07.2018

Kommentar zum Fall Nenad M. Was ist schiefgelaufen?

Nenad M. ist der Ansicht, durch den Besuch einer Förderschule für geistige Behinderung seien ihm Bildungschancen und ein normaler Schulabschluss vorenthalten worden.

Nenad M. ist der Ansicht, durch den Besuch einer Förderschule für geistige Behinderung seien ihm Bildungschancen und ein normaler Schulabschluss vorenthalten worden. Foto: dpa

Von Matthias Band

Seit 2014 gibt es im NRW-Schulgesetz für Eltern einen Rechtsanspruch darauf, sich für eine Förderschule oder eine allgemeine Schule zu entscheiden. Das Land ist damit einer UN-Konvention nachgekommen, die Deutschland zur schulischen Inklusion verpflichtet.

Es ist gut, dass es diesen Rechtsanspruch nun gibt. Er soll verhindern, dass sich ein Fall wie Nenad M. wiederholt. Denn an der Kölner Schule ist einiges schiefgelaufen. Warum wurde das Gutachten aus Bayern einfach übernommen? Und warum fiel elf Jahre lang nicht auf, dass der Schüler auf der Förderschule offenbar unterfordert war? Die Elternvereine sagen, dass Nenad M. kein Einzelfall sei. Es ist aber schwer vorstellbar, dass es noch viele solcher Fälle gibt. Lehrer und Schulen gehen mittlerweile sehr sensibel bei der Einschätzung eines Kindes vor.

Grundsätzlich gilt: Das gemeinsame Lernen ist für viele Kinder und Jugendliche der richtige Weg, aber eben nicht für alle. Deswegen gilt auch: Förderschulen und Inklusion – das ist kein Gegensatz. Deswegen ist es gut, dass es weiterhin Förderschulen geben wird.

Kommentare

Förderschulen sind ein Gegensatz zur Inklusion!

Die Überprüfung der Förderpläne wird zeigen, daß kaum einer den geltenden Richtlinien entsprechen wird, zu sehr ist das Sonderschulsystem Richtung Schülerzahl-Erhaltung aufgebaut.(und das Regelschulsystem auf Etikettierung) Da wird ganz schnell aus einem "Emotional Sozialen Entwicklungsstörung" eine "Lernbehinderung" konstruiert, nach Jahren unter ausschließlich Kindern, die Verhaltensauffälligkeiten zeigen und das Aussortieren bewußt erleben, eine logische Konsequenz. Überdies sollten Nichtbetroffene vorsichtig sein mit Einschätzungen, wie "Lehrer und Schulen gehen mittlerweile sehr sensibel mit der Einschätzung eines Kindes" vor. Nur weil sich ihnen noch kein Betroffener geöffnet hat, heißt nicht, daß alles in Ordnung ist. Daß laut Statistik kaum Kinder mit Behinderung trotz erheblicher Geldsummen für Inklusion im Regelschulsystem angekommen sind - im Gegenteil - in den letzten Jahren eher abgewandert sind, zeigt, daß es ein Problem gibt, bei der individuellen Förderung, die -aus welchen Gründen auch immer- nicht stattgefunden hat. Daß ein Fall wie Nenad in Deutschland an "Förderschulen" möglich ist, zeigt daß das Sonderschulsystem zu lange ohne 4-Augenprinzip, ohne unabhängige Kontrollsysteme, vor sich hinarbeiten konnte. Und Förderschulen sind ein Gegensatz zur Inklusion! Denn Inklusion beinhaltet den Gedanken von Partizipation. Nenad hat definitiv nicht partizipiert, an der allgemeinen Gesellschaft und ihren Angeboten. Wenn das Gemeinsame Lernen für möglichst viele Kinder möglich gemacht wird und dies der Leitgedanke der Politik ist, dann kann man von Inklusion sprechen. Derzeit wird es zu vielen eher unmöglich gemacht. Elternvereinen zu unterstellen, sie würden lügen,wenn sie von ähnlichen Fällen von intellektueller Falscheinordnung berichten, ist anmaßend. Garantieren Sie Eltern, daß ihr Kind auf die beste inklusive Schule kommt und sie den Rest ihres Lebens nicht mehr den Stress haben werden,den sie seit Schuleintritt haben und - es ist anzunehmen - sie werden alle reden. Jeder möge daran denken, wie schwer es ihm fällt,wegen seiner Kinder in der Schule anzuecken und potenziere das mit mindestens 10 für Eltern von Kindern mit Förderbedarf.

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