Fr., 24.08.2018

Kommentar zur Finke Unternehmensgruppe Vermächtnis und Verantwortung

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Besim Mazhiqi

Von Jürgen Vahle

Nur wenige mittelständische Unternehmen in Ostwestfalen haben in den vergangenen Jahrzehnten eine so steile Entwicklung genommen wie die Paderborner Unternehmensgruppe Finke. Was ihr Inhaber aus dem einst kleinen Handel seiner Familie entwickelt hat, ist im wahrsten Sinne des Wortes »gigantisch«, wie es in der Werbung des Hauses auch immer so schön anklingt. Die Unternehmensgruppe beschäftigt am Tag des Verkaufs an die Höffner-Gruppe mehr als 1600 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von etwa 300 Millionen Euro.

Ohne Zweifel: Der Unternehmer Wilfried Finke hat die Geschicke der Stadt Paderborn mitgeprägt – und das nicht nur als Möbel-Multi aus Leidenschaft. Er ist bekanntlich auch Sportsmann, dessen Firma mit der Entwicklung des heutigen Fußball-Zweitligisten SC Paderborn untrennbar verbunden ist. Für sein Hobby ist er auch keiner politischen Auseinandersetzung – beispielsweise um den Bau und die Finanzierung des Paderborner Stadions – ausgewichen. All dies wäre dem Mentor des Profifußballs in der Stadt ohne eine gut laufende Firma im Hintergrund sicher nicht möglich gewesen. Mit Spannung dürfte daher auch der SCP darauf schauen, ob und wie sich die Höffner-Gruppe hier einbringt. Gleiches gilt in Bezug auf die Stadt und beispielsweise auch die Werbegemeinschaft. Es wäre Höffner zu wünschen, sich genauso einzubringen, wie es Finke immer getan hat.

Unternehmen ist verkauft

Das Unternehmen ist nun verkauft. Wahrscheinlich werden die Schilder an den Möbelhäusern bald gegen Höffner-Schriftzüge ausgetauscht. Doch ihren Platz in der Stadtgeschichte haben der 67-Jährige und seine Firma auch ohne Schilder sicher.

Beim SC Paderborn hat Finke auch in bitterer Zeit zu seinem Verein gestanden. Kurz vor der Vereinsinsolvenz kam Finkes Rücktritt vom Rücktritt – und schließlich der Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga. Erst als alle Fans jubelten, ging er als Präsident von Bord.

Auch als Unternehmer war der Zeitpunkt seines Ausstiegs sicher mit Bedacht gewählt. In der Möbelbranche geht es derzeit ordentlich zur Sache. Es tobt eine Preis- und Rabattschlacht. Möbelhändler, die keinen eigenen E-Shop haben, laufen früher oder später der Konkurrenz hinterher. Dem Paderborner Möbelgiganten fehlt ein solcher Shop. Wilfried Finke hat das erkannt und zuletzt noch Investitionen in diesem Segment angekündigt. Doch plötzlich ging alles schnell. So schnell, dass selbst engste Mitarbeiter nichts gewusst haben. Die Hintergründe sind Spekulation. Wilfried Finke ist immer für eine Überraschung gut.

Die Höffner-Gruppe aus Berlin muss nun zeigen, dass sie dem Anspruch der Kunden an ein regional verwurzeltes Unternehmen gerecht werden kann. Ein erster Schritt wäre, beim sicher anstehenden Abbau von Arbeitsplätzen mit Augenmaß zu handeln.

Kommentare

Kontinuität bleibt gewahrt

Einst ist ganz sicher: Finke hat in den Vertrag mit Krieger schreiben lassen, das er seine Möbelhäuser nur unter der Bedingung verkaufe, dass Höffner Sponsor beim SCP wird und "Prof. Dr." Sofron weiterhin die Fassaden bemalen darf. So bleibt alles wie gewohnt und keiner muss sich Sorgen machen.

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