Kommentar zum neuen »Gute-Kita-Gesetz«
Einheitliche Vorgaben für Qualität fehlen

Werdende Eltern müssen sich vielerorts heute schon Gedanken über einen Kita-Platz machen. Denn die sind oft rar, und auch die Qualität lässt zu wünschen übrig. Schon deshalb muss der Bund den Ländern und Kommunen hier unter die Arme greifen. Nach dem jetzt von der Regierung verabschiedeten »Gute-Kita-Gesetz« sollen bis einschließlich 2022 immerhin 5,5 Milliarden Euro locker gemacht werden, um Lücken bei der Qualität, aber auch bei der Gerechtigkeit zu schließen.

Mittwoch, 19.09.2018, 21:43 Uhr aktualisiert: 19.09.2018, 21:54 Uhr
Symbolfoto. Foto: dpa
Symbolfoto. Foto: dpa

Kritiker klagen, dies sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch das ist wohlfeil, zumal es um Unterstützung geht und nicht um eine Vollfinanzierung. Viel wichtiger ist doch die Frage, was mit dem Geld konkret geschehen soll.

Immerhin hat Familienministerin Franziska Giffey der Versuchung einer generellen Gebührenfreiheit widerstanden, wie sie gerade in ihrer Heimatstadt Berlin für den Kita-Besuch eingeführt worden ist. Dadurch droht die Qualität nämlich erst recht auf der Stecke zu bleiben. Bei der Gebührenfreiheit konzen­triert sich die SPD-Frau deshalb vernünftigerweise auf jene Eltern, die nur wenig verdienen und deshalb besonders stark unter der Belastung leiden – wenn sie denn ihre Sprösslinge überhaupt in eine Kita schicken. Denn auch das ist ein Problem: Kinder aus eher schlechter gestellten Familien sind seltener in einer öffentlichen Betreuung anzutreffen als Kinder, für die Armut ein Fremdwort ist.

Das zentrale Manko des Regierungsvorhabens besteht aber darin, dass es keine schlüssige Antwort auf den sehr unterschiedlichen Entwicklungsstand gibt. So müssen sich Erzieherinnen in den neuen Bundesländern um deutlich mehr Kinder kümmern als im Westen der Republik. Je weniger eine Fachkraft aber Zeit hat, desto geringer ist die Chance auf eine individuelle Förderung des Kindes. Notwendig wäre deshalb ein bundesweit einheitlicher Betreuungsschlüssel. Aber dazu findet sich nichts im Gesetzentwurf, wie es dort überhaupt an einheitlichen Qualitätsvorgaben mangelt. Stattdessen soll jedes Bundesland auch künftig entscheiden, was es unter Kita-Qualität versteht. So bleibt es praktisch dabei, dass der Wohnort ausschlaggebend ist, ob die frühkindliche Bildung gelingt oder nicht. Das darf nicht so bleiben.

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