Kommentar zur Brinkhaus-Wahl
Klatsche für die Kanzlerin

Dienstag, 25.09.2018, 21:29 Uhr
Angela Merkel hat ein Plädoyer für Volker Kauder gehalten – mit den Worten: »Für einen Wechsel ist es jetzt der falsche Zeitpunkt«. Foto: dpa
Angela Merkel hat ein Plädoyer für Volker Kauder gehalten – mit den Worten: »Für einen Wechsel ist es jetzt der falsche Zeitpunkt«. Foto: dpa

Der Herausforderer aus Ostwestfalen, dem sogar viele Experten im politischen Berlin kaum eine Chance gegeben hatten, schlägt Merkels engsten und wichtigsten Mitarbeiter und gewinnt sehr überraschend die Kampfabstimmung gegen den 69-jährigen Amtsinhaber. Trotz aller journalistischen Distanz gehen die Glückwünsche aus Ostwestfalen zum neuen starken Mann der Union: Herzlichen Glückwunsch, Ralph Brinkhaus!

So kann es nicht weitergehen

Die Union hat ein klares Zeichen gesetzt. Die Botschaft lautet: So kann und darf es nicht mehr weitergehen! Die Mehrheit der Abgeordneten von CDU und CSU haben Angela Merkel nicht nur einen Denkzettel verpasst. Nein, sie haben der Kanzlerin das Misstrauen ausgesprochen und gleichzeitig Volker Kauder eine ganz bittere Niederlage zugefügt.

Mit dieser Pleite hat sicherlich weder Kauder selbst noch seine große Zahl an prominenten Unterstützern – allen voran Angela Merkel, Horst Seehofer, Alexander Dobrindt und Armin Laschet – gerechnet. Sie ist ein Schlag gegen die gesamte Unionsspitze und ihre zuletzt so verfehlte Politik, die vielen Menschen in Deutschland nicht mehr zu vermitteln ist.

Wechsel herbeigeführt

125 Abgeordnete haben für Ralph Brinkhaus gestimmt und somit den Wechsel herbeigeführt. Viele von ihnen hatten offenbar die »Schnauze gestrichen voll«. Genau diese Worte fielen gestern inoffiziell auf die Frage von Journalisten, warum sie denn für Brinkhaus und nicht für Kauder gestimmt hätten. Das zeigt, wie stark der Frust innerhalb der Union ist.

Keine Frage: So groß der Groll gegen die Kanzlerin auch sein mag, so sehr hat der Herausforderer die Abgeordneten von sich und seinen Ideen überzeugen können. Brinkhaus soll eine sehr gute Bewerbungsrede gehalten haben. Darin war von einem neuen Selbstbewusstsein die Rede, das die Union brauche, von seriöser politischer Arbeit statt ständigem Gezerre und Streit.

Ende der Ära Merkel

Und Angela Merkel? Sie hat ein Plädoyer für Volker Kauder gehalten – mit den Worten: »Für einen Wechsel ist es jetzt der falsche Zeitpunkt«.

Aus ihrer ganz persönlichen Sicht mag sie da zwar Recht haben, aber richtig ist auch, dass spätestens diese Wahl der Anfang vom Ende der Ära Merkel war. Schlechter hätte es für sie in dieser Woche nicht laufen können: Erst muss die Kanzlerin öffentlich Fehler im Fall Maaßen eingestehen. Das war zwar richtig und notwendig, bedeutete aber einen enormen Autoritätsverlust. Und gestern folgte der nächste schwere Dämpfer, der sie weiter schwächen wird.

Angela Merkel selbst hat die Wahl als Niederlage bezeichnet. Kaum vorstellbar, dass es in dieser Situation ein erneutes »Weiter so« geben kann.

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