Fr., 09.11.2018

Meinung Ein Krieg, so fern und doch so nah

EIn zerstörter französischer Panzer im Ersten Weltkrieg.

EIn zerstörter französischer Panzer im Ersten Weltkrieg. Foto: dpa

Von Werner Kolhoff

Der Krieg der vor 100 Jahren in Europa endete , verschwindet immer mehr aus dem Bewusstsein der Menschen. Er ist eine Sache von vermoosenden Denkmälern, Traditionsvereinen und inszenierten Veranstaltungen geworden. Es ist der Krieg der Groß- und Urgroßväter, viel weiter vorn im Geschichtsbuch als der Zweite Weltkrieg.

Dabei ist der Erste Weltkrieg der heutigen Zeit in gewisser Weise viel näher. Was den Zweiten Weltkrieg auslöste, der Rassenwahn der Nazis, ihr Ziel der Eroberung und Versklavung anderer Völker, ist zwar nicht für alle Zeiten aus dem Arsenal möglicher Abartigkeiten der Menschheit verschwunden. Aber angesichts der Globalisierung doch sehr unwahrscheinlich geworden. Beim Nationalismus, der den Ersten Weltkrieg auslöste, sieht das anders aus.

Gerade weil alles schon so lange zurückliegt, glaubt man, sich den gleichen Fehler nun zum zweiten Mal leisten zu können. Der Nationalismus hält sich wieder für modern.

Die politische Lehre des Ersten Weltkrieges war der Völkerbund, die des Zweiten Weltkriegs zusätzlich die Europäische Union. Also die Kooperation der Staaten. Doch die Nationalisten der heutigen Zeit sagen wieder: Mein Land zuerst. Das ist nicht harmlos, wie man an dem Hass sieht, der zwischen Russen und Ukrainern entstanden ist. Oder an Trumps Handelskonflikten.

Die wachsenden Reibereien in Europa gehören ebenso dazu. Der Hochmut im Norden gegen die Griechen etwa. Polens und Griechenlands Versuch, das 75 Jahre alte Thema der Reparationen wieder zu instrumentalisieren. Und die Frechheiten der italienischen Populisten gegenüber allen Partnern in Europa. Nationalisten werden schon von ihrer Natur her niemals eine Internationale bilden.

Der Erste Weltkrieg war die Mutter der modernen Kriegführung. Wer jemals die noch heute von Granattrichtern zerfurchten Wälder von Verdun gesehen hat, bekommt ein Gespür für die Gewalt der Waffen und die Gewissenlosigkeit der Befehlshaber, die ihren Einsatz anordneten. Allein in Verdun starben in nur sechs Monaten in einer absolut sinnlosen Schlacht fast 300.000 Soldaten beider Seiten. Im Beinhaus von Douaumont sind sie eine unterschiedslose Knochenmasse geworden. Junge Männer, die, würden sie heute leben, mit ihren Selfies in den sozialen Medien posieren und sich auf die Zukunft freuen würden. Franzosen und Deutsche.

Im Zweiten Weltkrieg wurden diese Waffen dann auch gegen die Zivilbevölkerung gerichtet. Und sie werden immer mehr, immer ausgefeilter und immer vernichtender. Abrüstung ist das zweite große Thema neben internationaler Verständigung.

In Verdun und auf den anderen Schlachtfeldern ist noch heute zu sehen, was richtig ist im Verhältnis der Völker. Und was falsch.

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